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Der Lilienkiller


Autor: SlashMix
Rating: FSK 16
Warnungen: Slash, AU, language, lemon, etwas violence und death
Disclaimer: Keiner von The Rasmus gehört mir (leider), ich verdiene kein Geld mit der Story und alle Andeutungen sind meiner Fantasie entsprungen.
Summary: Nicht jeder ist der, der er zu sein scheint. Und aus dem dunklen Geheimnis wird bald Lebensgefahr. Eine Entscheidung muss getroffen werden.


~*~*~

Nebel lag über der schlafenden Stadt, verschluckte die Parks, Häuser und das Leid was überall lauerte. Unweit des Stadtrandes fing dichter Wald an, der Boden war durch den leichten Schneefall glitschig.
Fußspuren zeigten ihm den Weg zu seiner Beute. Er meinte die Angst förmlich zu riechen, den süßen Duft von kaltem Schweiß, der der Beute über den Nacken rann. Sie war dicht vor ihm, rannte um ihr erbärmliches Leben und wusste doch, das rennen sinnlos war.
Lautlos folgte er ihr, sperrte alle Gedanken aus seinem Geist aus und ließ nur noch den Durst nach Rache sich kontrollieren.
Sein Späher hatte ganze Arbeit geleistet. Wochenlang hatte er jeden Schritt der Beute überwacht, ihn sich in Sicherheit wiegen lassen und doch eine unsichtbare Zielscheibe auf sein Herz gemalt.
Rache, nur daran konnte er denken. Sich an denen zu rächen die ihm Schmerz zugefügt hatten, die ihm einen wichtigen Menschen genommen hatten.
Der Schneefall wurde dichter, er würde die Spuren verbergen und am nächsten Morgen wäre es schwer für die Gerichtsmediziner den Todeszeitpunkt festzustellen. Doch ihm war es egal, er würde zurückkehren, sich ins Bett legen und Schlafen.
Auf dem kleinen Pfad knackten Äste, er wusste, dass seine Beute sich nervös umsah, der Atem schneller ging. Was war er auch für ein Trottel jeden Mittwoch, nachts einen Spaziergang zu dem kleinen Aussichtspunkt zu machen. Noch perfekter konnte er es nicht treffen, hier oben würden nur ein paar Vögel sich erschrecken.
Er hasste es, seine Aufträge irgendwo in der Öffentlichkeit auszuführen. In einer Seitengasse, einer Fabrikhalle oder wie das letzte Mal in Paris am Ufer der Seine, wo die Leiche am Morgen im Schlamm gefunden wurde.
Doch hier, im Dunklen wo der Schnee seine Schritte dämpfte, da übte er gern seine blutige Rache.
Seine Schritte beschleunigten sich, er schlug einen kleinen Pfad ein und sah zwischen den Bäumen die Goldketten um den fetten Hals seiner Beute blitzen.
Nur noch ein paar Augenblicke, wenige Atemzüge und die grässlichen Bilder, die er nachts sah würden wieder weniger werden. Diese Tat würde ihm das Gewissen reinwaschen und viele Menschenleben retten.
Knopf für Knopf öffnete er seinen langen schwarzen Mantel, darauf bedacht das kein Licht auf das Halfter um seine Brust fiel. Kühles Metall unter seinen warmen Händen und dann umfasste er den Griff aus weichem Gummi.
Nun ging es um Sekunden. Er trat aus dem Schutz der Bäume, zog seine matt glänzende Waffe aus dem Halfter und wartete auf seine Beute.
Ein Quieken, ähnlich dem eines Schweins im Angesicht der Axt, kam aus der Kehle der Beute, als sie ihn vor sich sah. Doch was sah konnte man schon sehen? Einen schwarzen Schatten, mehr nicht und die Mündung eines Schalldämpfers.
Worte kamen aus dem Mund der Beute, doch verstand er sie nicht. Er war dieser Sprache nicht mächtig.
„Weißt du, wer ich bin?“, fragte er in Englisch, seine Stimme war dunkel und rau.
Die Beute quiekte erneut, winselte um ihr Leben „ Nein…..bitte…..warum?“
„Du hast viele Leben auf deinem Gewissen, du hast sie zerstört und nun übe ich Rache für alle diese Menschen. Du bist es nicht wert zu leben.“, dann drückte er ab.
Ein leiser Knall schnitt durch den Schnee, eine Eule flatterte erschrocken auf. Dann folgte ein zweiter Schuss und die Beute ging in die Knie.
Langsam kam er näher, hob mit der Hand das Gesicht der Beute an „Ich wünsche dir, dass du in der Hölle schmorst.“
Blut rann aus zwei Löchern in Brust und Bauch, färbte den Schnee rot und langsam kippte der fette Körper zur Seite.
Ein Schaudern ging durch den Körper der dunklen Gestalt, er konnte den letzten Hauch Leben in der kalten Luft spüren.
Die Waffe lag plötzlich tonnenschwer in seinen Händen, er steckt sie zurück und zog etwas aus der Manteltasche. Rein und unschuldig hielt er die Blüte einer weißen Lilie in der Hand. Erst heute Morgen hatte sie ihren Kelch geöffnet, wie ein Zeichen das es an der Zeit war.
„Für dich.“, murmelt er und warf die Blüte auf den toten Körper.
Sein Adrenalin ging hinunter und er fühlte sich mit einem mal schrecklich alt. Erschöpft schlenderte er zum Waldrand, schaute hinunter in die Stadt und zündete sich eine Zigarette an.
Warschau, die Stadt lag im Nebel, als wenn nichts Böses über sie herrschen könnte. Doch sah er an auf einer Brücke über die Wisla Feuerwehren fahren.
Während er den Kopf des Drogenringes gerichtet hatte, war das Labor, in dem er das Unheil über die Menschen brachte, in Flammen aufgegangen.
Müde nahm er sich die Sonnenbrille von der Nase, rieb die kleinen Druckstellen und ließ sich den Schnee auf das Gesicht fallen.
„Lauri, du wirst alt.“, murmelte er zu sich, bevor er den Ort des Todes verließ.

~*~*~

„Lauri? Lauri! Aufstehen!“, eine Hand umfasste seine Schulter, rüttelte leicht.
Erschrocken fuhr Lauri hoch und stieß sich den Kopf an Akis Kinn „Au, verdammt.“
Auch Aki fluchte leise, grinste dann schief „Man, nun steh endlich auf. Wir haben nicht ewig Zeit.“
Müde rieb sich Lauri die Augen, setzte sich auf die Bettkante. Heut Nacht war er völlig durchgefroren und mit nassen Sachen ins Hotel zurückgekehrt. Hatte sich dann, ohne Aufsehen zu erregen, in sein Zimmer geschlichen, wo Aki tief schlafend auf dem Bett lag. Er hasste es, Aki wegen einem Auftrag Schlafmittel in die Cola zu mischen. Doch er konnte es sich nicht erlauben, dass er vielleicht aufwachen könnte und ihn entlarvte.
Nur in Boxershorts tappte er in das kleine Wohnzimmer der Suite, wo schon Eero und Pauli saßen.
Vor ihnen lag eine der Tageszeitungen, die es auch in Englisch gab. Groß, mit blutroten Lettern stand auf der Titelseite „Der Lilienkiller hat wieder zugeschlagen!“
„Morgen Lauri.“, wurde er begrüßt und nahm Aki die Kaffeetasse ab.
„Was habt ihr da?“, fragte er scheinbar uninteressiert.
„Der Killer hat wieder einen Drogenbaron erschossen. Heute Nacht, nicht weit von hier.“, aufgeregt blätterte Pauli durch die Seiten um den Artikel zu finden, „hier steht’s. Wieder zwei Schüsse, eine weiße Lilie und keinerlei Spuren. In der gleichen Zeit ist am Stadtrand eine Fabrikhalle in die Luft geflogen, was wohl das Labor war.“
Aki ließ sich neben Lauri fallen, nippte am Kaffee „Ich find das gut.“
„Was?“, verblüfft sah Lauri ihn an.
„Klar, ich meine die Schweine jubeln sogar Kindern das Zeug unter. Und seit laufend Dealer erschossen werden, trauen sie sich kaum noch die Drogen irgendwo zu verkaufen. Aber es wäre wirklich interessant wer das ist. Gibt es gar keine Hinweise?“
Unbemerkt hatte sich Lauris Hand fester um die Tasse geschlossen, er sah den kleinen Finger nervös zucken. Es war seltsam, das seine besten Freunde über diesen Killer sprachen, ihn sogar bewunderten und keiner etwas ahnte.
„Nein, sie wissen nichts von ihm. Weil jeder, der ihn gesehen hat, nun tot ist. Ich find das richtig spannend. Wie lange mag das noch gehen? Oder fliegt er doch mal auf?“, man sah Pauli an, das ihn diese Geschichte fesselte.
Schließlich war es Eero, der diese Diskussion beendete „Jungs, Killer hin oder her. Wir haben heute Abend unser letztes Konzert und ab morgen endlich Urlaub. Lasst es uns würdig abschließen.“
„Ich geh erstmal duschen.“, murmelte Lauri und verschwand vom Frühstückstisch. Mehr als eine kleine Scheibe Knäckebrot hatte er eh nicht hinunter bekommen.
Akis Worte dröhnten in seinem Schädel und er verfluchte es, dass er es nie jemandem sagen durfte. Dabei wünschte er sich nach den Morden immer jemanden, an den er sich schmiegen konnte und der ihm sagte dass er richtig gehandelt hatte.
Im Bad sah er in den Spiegel, versuchte in seinem Gesicht die Züge eines Killers zu finden. Doch was ihm entgegenblickte waren die sanften, jungen Züge eines Sängers einer finnischen Rockband. Lange wollte er den Job nicht mehr machen, es gab nur noch einen Drogenbaron den er stellen wollte, alle anderen waren nettes Beiwerk.
Unter der Dusche kamen ihm die Bilder von heute Nacht in den Sinn. Doch er fühlte dabei nur eine Genugtuung. Mitleid, Angst oder Trauer konnte er dabei nicht empfinden, denn kamen diese Gefühle auf, sah er wieder das Gesicht seines toten Freundes. Gestorben an einer Überdosis Drogen, doch das war nicht das Schlimmste. Für ihn war es die Zeit gewesen, als der Körper seines Freundes verfiel, er immer schwächer wurde und trotzdem nicht aufhören könnte sich Heroin oder andere Sachen in den Körper zu pumpen. Und alles, weil der Dealer ihm das Zeug immer wieder zugesteckt hatte. Lauri hatten gefleht, gedroht, seinen Freund sogar mal geschlagen. Aber es nutzte nichts, er war gestorben und Lauri hatte Rache geschworen. Auf dem Friedhof hatte ihn ein Fremder angesprochen, der ihm versprochen hatte ihm bei der Rache zu helfen. Dank dem Fremden, dessen wahren Namen Lauri nie erfahren hatte, war er zu einem Killer geworden. Ein Mensch, der ohne Skrupel andere Menschen erschoss. Die ganze Zeit, all die Jahre hatte er seine Freunde, Familie einfach jeden belogen und dieses Geheimnis tief in sich bewahrt.
„Lauri?“, ein Klopfen an der Tür brachte ihm fast einen Herzstillstand. Wie lang hatte er unter dem Wasser gestanden?
„Ich…..ich bin gleich da.“, rief er zittrig.
Sie durften es nicht erfahren, niemals. Besonders Aki nicht, der sich doch immer Sorgen um Lauri machte, ihn nie allein ließ. Und den Lauri seit Jahren heimlich, aber abgöttisch liebte.

~*~*~

„Bist du ersoffen?“, begrüßte ihn Aki, der auf dem Bett saß und die Schnürsenkel seiner Schuhe entwirrte.
„Nein, keine Ahnung. War in Gedanken.“, lenkte Lauri rot geworden ab. Bis auf frische Shorts trug er im Moment nichts und schämte sich fast, dass sie so eng anliegend waren. Denn er wurde das Gefühl nicht los, das ihm Aki auf den Hintern starrte.
Er wühlte in seiner Tasche, stieß auf den doppelten Boden. Diese Tasche war eine Spezialanfertigung, mit einem Boden, in den Bleifäden eingearbeitet wurde. Man sah und spürte es nicht, doch die beiden Pistolen, der Schalldämpfer und Patronenmagazine waren sicher verwahrt und kein Metalldetektor an Flughäfen schlug darauf an.
Endlich fand er eine Hose und dazu ein Shirt, schlüpfte schnell hinein, damit ihn Aki nicht weiter so ansah.
„Und was machst du im Urlaub?“, Aki packte sein Zeug in einen Rucksack.
Kurz zuckte Lauri mit den Achseln „Keine Ahnung, ausspannen, schlafen.“, vielleicht Menschen erschießen, fügte er in Gedanken hinzu.
„Was hast du über Weihnachten vor?“, bohrte Aki weiter, wartete das Lauri seinen Rucksack endlich gepackt hatte.
„Sicher gar nichts. Oder ich fahr vielleicht in mein Haus am See. Keinen Bock zu feiern.“
Dann drehte er sich um sah Aki an. Hatte er gerade einen Schatten der Enttäuschung über dessen Gesicht huschen sehen? Waren Akis Augen kurz trübe geworden?
„Lass uns gehen, die anderen warten schon.“, murmelte Aki und schob sich an Lauri vorbei.
Verwundert folgte ihm Lauri nach unten ins Foyer. Überall standen oder saßen Leute, die aufgeregt in den Zeitungen blätterten. Keiner hatte wohl erwartet, dass der Lilienkiller auch bei ihnen zuschlagen würde.
Unruhig sah sich Lauri um, hoffte, dass ihn keiner der Angestellten nachts gesehen hatte. Doch niemand weiter beachtete sie und schnell verschwanden sie in den wartenden Kleinbus, der sie zur Halle bringen würde.
Gähnend kuschelte sich Lauri in den Sitz, vergrub sich bis zur Nase in der Jacke. Ihm war kalt, er war nicht ausgeschlafen und er fühlte sich laufend den Seitenblicken von Aki ausgesetzt. Manchmal hatte er das Gefühl, als wenn Aki etwas ahnen würde. Nur von was? Das ihn Lauri stumm anhimmelte, sich immer wieder neue Szenen ausmalte wie sie sich küssten oder das Lauri eine Waffe in seiner Reisetasche umher trug?
„Wir sind da.“, tönte es von vorn und die Kälte pfiff in den Bus.
Bibbernd huschte Lauri zwischen den anderen in den Seiteneingang, rieb die kalten Finger aneinander.
„Alles o.k?“, Aki lief neben ihm, in seinen Augen lag ein Ausdruck der Sorge.
„Mir ist kalt.“, murmelte er.
Aki blieb stehen, sah ihn ernst an „Wirst du etwa krank?“
Heftig schüttelte Lauri den Kopf, scharrte mit einem Fuß auf dem Betonboden „Sicher schlecht geschlafen.“
Er wunderte sich oft über sich selbst. Als wenn zwei Menschen in ihm steckten, der Star der keine Menschen an sich heran ließ und der Killer der keine Skrupel kannte. Doch sobald er sich auf den Weg machte einen Auftrag auszuführen, wurde er zum Killer und legte alle Empfindungen einfach ab.
„Gib mal deine Hände.“, Aki riss ihn aus seinen Gedanken und nahm im nächsten Moment Lauris kalte Hände in seine eigenen.
Hart schluckte er, spürte die Wärme die von den anderen Händen ausging, sich langsam von den Armen in seinen ganzen Körper ausbreitete.
„He wo bleibt hier denn?“
Eero, in den unpassendsten Momenten schaffte er es hineinzuschneien.
„Kommen ja schon.“, murrte Aki und ließ Lauris Hände langsam wieder los, aber nicht ohne ein letztes Mal über den Handrücken zu streichen.
Dagegen brauchte Lauri noch einen Moment, versuchte das aufkeimende Herzrasen wieder zu besänftigen. Lag es an dem Wetter? Dem fehlenden Schlaf? Oder hatte er wirklich immer mehr das Gefühl, das ihm Aki näher kam, als ihm lieb war.
Als ihn Eero wieder rief, löste er sich aus der Starre und belagerte mit den anderen ihren Backstage Raum.
Sie machten es sich bequem, naschten von dem Früchteteller der auf einem Tisch stand oder inspizierten den Kühlschrank. Gerade als Lauri richtig entspannt war, vibrierte sein Handy in der Tasche. Verstohlen warf er einen Blick darauf, zuckte zusammen.
„Warte draußen.“, stand da und Lauri wusste, das es einer seiner Späher war.
„Jungs, ich geh mir mal die Beine vertreten, ich brauch frische Luft, sonst penn ich ein.“, schon war er raus aus dem Raum, ihm folgten die verwirrten Blicke seiner Freunde.

~*~*~

Kalter Wind schlug ihm ins Gesicht, einen Moment tränten seine Augen. Vorsichtig sah er sich um, doch der Eingang zum Hof war etwas entfernt, die Fans sahen ihn nicht von dort. Doch mehr interessierte ihn, wo sein Späher sein könnte. Wieder kam eine Böe über den Platz gefegt, er zog sich das Kopftuch tiefer ins Gesicht, ging etwas vom Eingang weg zu den Bussen hin.
Plötzlich blendete ihn ein rotes Licht, erschrocken zuckte er zusammen, duckte sich ein Stück. Fluchend sah er seinen Späher am Maschendrahtzaun stehen und grinsen.
„Verdammt noch mal! Bist du irre mit nem Pointer zu winken? Ich dachte grad, ich hab gleich eine Kugel im Kopf!“, fauchte er den jungen Mann auf der anderen Seite an.
Entschuldigend grinste der Späher „Sorry Alter. Gute Arbeit, sie sind alle in heller Aufruhr. Das Labor ist vernichtet, die Dealer von der Polizei festgenommen.“
Seufzend lehnte sich Lauri an den Zaunspfahl, sah zu wie eine Tüte durch die Luft segelte „Habt ihr Infos? Was ist mit dem King?“
„Nichts neues, aber wir sind dran. Und bei dir?“, er zog aus der Jackentasche eine Umschlag, schob ihn zu Lauri.
„Das Konzert, noch eine Nacht hier und dann ab nach Hause. Und langsam wünsche ich mir, das sich King endlich zeigt, es kostet mich jedes Mal mehr Kraft.“
Sie schwiegen beide, hingen ihren Gedanken nach. Lauri wusste, das seine Späher für ihn Kopf und Kragen riskierten, jederzeit auffliegen konnten.
„Wir werden beobachtet.“, schreckte ihn der Mann auf, hielt ihm einen Block vor die Nase.
Nervös sah Lauri über seine Schulter, zuckte zusammen. In der Tür stand Aki, sah zu ihnen und die kritische Falte zwischen den Augenbrauen meinte Lauri bis zum Zaun zu sehen.
„Danke.“, murmelte Lauri, kritzelte sein Autogramm auf den Block und reichte dem Späher die Hand, „pass auf dich auf und lass von dir hören.“
Ein letztes Nicken und Lauri ging zurück zu Aki „He.“
„Wer war das?“, Aki wirkte unruhig.
„Ein Fan, er stand dort scheinbar schon eine ganze Weile und hat mich angesprochen. War richtig nett.“, fröstelnd zog Lauri die Schultern hoch, legte den Kopf etwas schief „hast du was?“
Nun war es Aki der ihn überrascht musterte „Was? Nein, ist alles bestens. Lass uns reingehen, das ist saukalt.“
Achselzuckend folgte er Aki nach drinnen, ertastete in seiner Manteltasche den Umschlag. Es waren umfassende Infos zu den Verdächtigen und die Summe Geld, die es von den Auftraggebern für eine Ausführung gab.
„Da seit ihr ja. Der Soundcheck geht dann gleich los.“, wurden sie von einem leicht entnervt guckenden Eero begrüßt.
„Man Eero, immer ruhig Blut. Das ist heute der letzte Tag, wird schon schief gehen.“, beruhigte ihn Lauri und schmiss sich auf eine Couch. Gähnend fuhr er sich über das Gesicht, spürte den Bart unter den Fingern stacheln, den Rand des Kopftuches kurz über den Augenbrauen.
Ihm gingen derzeit ganz andere Dinge durch den Kopf, nämlich das seltsame Verhalten was Aki plötzlich an den Tag legte.
Sonst war es ihm doch meist egal gewesen, wem Lauri Autogramme gab und nun so was. Als wenn er Lauri nachspionieren würde. Nur gut das sein Späher ihn gewarnt hatte. Immer wieder malte er sich aus, was geschehen würde, würden die Jungs es erfahren. Oder besser gesagt, würde es insbesondere Aki erfahren.
Er, Lauri, sein bester Freund, über den er immer sagte, er würde alles über ihn wissen, wäre ein Killer. Und immer stellte er sich vor, Aki würde es doch nicht verstehen, sich von ihm abwenden.
Oft hatten ihm diese Gedanken schon böse Träume bereitet, aus denen er schweißgebadet und manchmal weinend aufgewacht war. Und gerade Aki, von dem Lauri dann oft geträumt hatte, nahm ihn dann in die Arme. Schon einige Male hatte sich Lauri dabei erwischt, über Akis Rücken zu tasten um nicht, wie in seinem Traum Einschusslöcher zu sehen. Blutende, tödliche Wunden, die ihm Lauri in seinen Träumen zugefügt hatte. Immer war es das gleiche, er träumte er würde einem Dealer richten, sah dann er in das Gesicht und es waren Akis tote graue Augen die ihn anstarrten.
„Kommt Jungs.“, wurde er von Eero aus den Gedanken gerissen, versuchte sich auf dem Weg zur Bühne wieder zu sammeln. Wieder hatten ihm die Gedanken an seine Träume geängstigt.
Ihm war, als wenn alle Blicke heute nur an ihm kleben würden. Die Angst kroch wieder hinauf, jemand könnte doch verdacht schöpfen.
Heftig atmete er ein und aus, kniff die Augen zusammen und zupfte schließlich das Kopftuch über die Ohrstöpsel. Kaum machte er den ersten Schritt auf die Bühne und sah die noch leere Halle vor sich, wurde er wieder Lauri, der Lauri der sang und Massen begeisterte. Der andere Lauri, der ein weiteres unwürdiges Leben auf dem Gewissen hatte legte sich zur Ruhe.

~*~*~

Sein Hemd klebte ihm wie eine zweite Haut am Körper, der Schweiß rann vom Rücken hinab und sammelte sich am Hosenbund.
Ein letztes „Danke.“, hauchte er ins Mikro und verließ zusammen mit den Jungs die Bühne. Ohrenbetäubender Jubel begleitete sie durch den schmalen Gang, keiner sagte etwas, man hörte nur das keuchende Luftholen oder wenn einer etwas trank.
In ihrem Raum kippte Lauri auf die Couch, legte sich das Handtuch über den Kopf „Ich hab die Schnauze voll.“
Um ihn herum hörte er zustimmendes Schnaufen. Für alle war das letzte Konzert immer noch mal das schlimmste. Eigentlich waren sie mit den Gedanken schon daheim und mussten doch noch mal ihr Bestes geben.
„Leute, ich dusch hier nicht.“, Pauli kam aus dem Bad zurück, seine kraus gezogene Nase sagte alles. Es war wieder eine der „Ekelduschen“, die entweder wie ein ganzes Schwimmbad rochen oder man sich nie sicher war, was in einer der Ecken lauerte.
„Dann lasst uns ins Hotel fahren, ich hab auf nichts mehr irgendwelche Lust.“, Lauri knöpfte das klitschnasse Hemd auf, warf es auf eine Beutel neben dem Rucksack. Gründlich trocknete er den Schweiß ab, wollte nicht auskühlen und sich vielleicht erkälten.
Auch die anderen wechselten zumindest die Oberteile. Gerade suchte Lauri den Bund seines übergroßen Pullis, als sich Aki aus dem Tanktop schälte. Noch größere Augen bekam Lauri jedoch, als Akis kurze Hose auch noch folgte.
Nun saß sein Angebeteter in viel zu knappen Shorts neben ihm, fuhr sich mit einem Handtuch über die Haut. Rasch zog Lauri den Pulli an, der zum Glück so lang war, das er auch den Bereich um seine Lenden verdeckte.
„Man Aki, nun beeil dich mal.“, maulte Pauli endlich, der schon seinen Rucksack fertig gepackt hatte.
„Jaja.“, murrte dieser, zog sich rasch eine Hose und ebenfalls einen Pulli über.
Schweigend stopfte Lauri seine Kippen in die Hosentasche nahm seine Jacke und folgte den anderen über die Gänge.
Der Bus stand an einem andere Ausgang, so das sie nicht an kreischenden und rufenden Fans vorbei mussten. Es hatte wieder angefangen zu schneien und durch den dünnen Schleier sah Lauri die Crew den LKW beladen.
Dankbar nickte er Mikko zu, der schon seit ein paar Minuten den Motor laufen ließ und die Heizung hochgedreht hatte. Es war kuschelig warm im Kleinbus und Lauri vergrub sich auf seinem Sitz.
Eero und Pauli plauderten leise über die Sehenswürdigkeiten, die an ihnen vorbeihuschten. Doch er und Aki schwiegen, sahen hinaus in die Dunkelheit wo die Stadt schon schlief. Es war immer wieder schwer zu begreifen, dass ihnen nun ein langer, erholsamer Urlaub bevorstand.
Lauris Augen brannten von Müdigkeit, dem Schweiß und vor allem dem Make up, was er sich wieder draufgeschmiert hatte.
„Feiern wir noch etwas?“, Pauli lehnte sich auf nach vorn, wo Aki und er saßen.
Aki und Lauri wechselten einen Blick „Erstmal duschen und vielleicht ein Bier köpfen. Aber für Party bin ich einfach zu müde.“, murmelte Lauri hinter seinem Jackenkragen.
Die anderen stimmten ihm zu, alle waren zu ausgelaugt um jetzt noch auf den Putz zu hauen.
Mikko lenkte den Kleinbus zum Hintereingang des Hotels, zum Glück waren dort keine Fans und sie konnten im Gänsemarsch die Gänge zum Fahrstuhl durchwandern.
Durch halb geschlossene Augen musterte Lauri den verschwitzen Aki, wie dieser sich an die Wand des Fahrstuhls lehnte. Sie hatten im Konzert öfters Blickkontakt gehabt und immer dachte Lauri, das ihn Aki geradezu liebevoll angelächelt hatte.
Langsam hatte er das Gefühl, sich selbst mit seinen Wunschträumen an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Aki war nicht wählerisch, das war er noch nie und sicher ahnte er gar nicht, welchen Stich Lauri immer verspürt hatte, wenn Aki irgendein Weib abgeschleppt hatte. Mit mancher hatte er es nicht mal mehr ins Zimmer geschafft und hatte sie gleich auf einem Klo vernascht.
Meist hatte sich Lauri dann vor lauter Frust vollaufen lassen, hatte seine Freunde angefaucht und den ganzen nächsten Morgen kein Wort mit Aki gewechselt.
„Komm schon.“, ein unsanfter Knuff von Pauli schreckte ihn auf und sie verteilten sich auf ihre Suiten.
„Wer zuerst?“, Lauri suchte frische Klamotten.
„Geh ruhig, du bist klitschnass.“, Aki schmiss sich auf die Couch.
Zustimmend brummte Lauri, verschwand im Bad um endlich Schweiß und Make up los zu werden. Er drehte das Wasser extra eine Spur heißer auf, es brachte die Haut zum prickeln, aber danach fühlte er sich immer besonders gut.
Wasserdampf waberte durch den kleinen Raum, beschlug den Spiegel und das Fenster. Seine Haare hingen ihm nass ins Gesicht, er rubbelte sich trocken, schlüpfte in Boxer und Bademantel.
„Aki du…..“, verwundert blieb Lauri mitten im Zimmer stehen. Aki lag nicht mir auf der Couch, doch dann hörte er dessen Stimme vor der Tür.
Neugierig schlich er heran, lauschte nach draußen. Und was er hörte versetzte ihm wieder einen Stich, da draußen stand scheinbar eine Frau.
Durch den Luftzug des offenen Fensters schwang die Tür noch ein Stück auf, Lauri erhaschte einen Moment einen Blick nach draußen.
Zu seiner Überraschung sah er Aki mit verschränkten Armen dort stehen und wie ein junges Mädchen in knappen Mini auf ihn einredete.
Sie sprach zu leise, als das Lauri sie verstehen konnte. Doch Akis Antwort war laut und deutlich genug „Komm, mach dich vom Acker oder die Security kümmert sich drum. Ich hab kein Bock mehr auf euch Flittchen, ihr seit doch alle gleich.“
Das Mädchen zischte etwas, ihre hohen Stöckelschuhe klapperten selbst auf dem Teppichboden.
„Lauri?“
Heftig zuckte dieser zusammen, sah sich plötzlich Aki gegenüber stehen „Ich…ich….“, stammelte er.
Aber Aki lächelte nur „Kein Problem. Ich bin unter der Dusche.“
Damit ließ er Lauri sprachlos und grübelnd im Zimmer zurück, um bald laut pfeifend das Wasser zu genießen.

~*~*~

Lauri hoffte, das er Aki abpassen könnte, wenn dieser wieder aus dem Bad kam. Doch Eero und Pauli machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Laut polternd, mit Bier und Cola bewaffnet kamen sie in die Suite und machten sich auf dem Sofa breit.
Seufzend hockte sich Lauri auf eine freie Ecke, öffnete das Bier und starrte aus dem Fenster.
„Lauri? Pennst du schon?“, Pauli knufft ihn leicht in die Seite.
Er hob den Kopf, schüttelte ihn dann „Nein, noch nich. Fehlt aber nicht mehr viel.“
„Geht mir auch so.“, meinte Aki, der nun aus dem Bad kam.
Versonnen musterte Lauri seinen besten Freund, der ohne Oberteil, barfuss durch das Zimmer lief. Die alte, verwaschene Baggy war eindeutig zwei Nummer zu groß, gab irgendwelche Boxershorts in einem Olivton zu erkennen.
Ächzend plumpste Aki neben Lauri auf die Couch, drehte die Bierflaschen zu sich „Ingwerbier? Igitt. Eero was kippst du dir da rein?“
Dieser sah von einem Prospekt auf „Musst du auch nicht trinken, Alter.“
„Nee sicher nicht, sonst werd ich auch so wunderlich.“, kichernd schütze sich Aki vor einem fliegenden Kissen, öffnete sich eine andere Flasche.
Pauli reckte sich, hob seine Flasche an „Auf eine gelungene Tour.“
„Auf eine gelungene Tour.“, echoten die anderen und ließen die Flaschen leise klirren.
Es dauerte nicht lange und sie waren dabei, Erinnerungen oder Erlebnisse der letzten Wochen auszukramen. Ab und an mussten sie lachen, redeten laut durcheinander, wenn ihnen etwas besonders witziges in den Sinn kam.
Aber Lauri wurde immer schweigsamer. Die Zeiger der Uhren schlichen auf um drei zu, es war diffus dunkel im Zimmer. Neben ihm lachte Aki immer wieder auf, wenn er mit Pauli über peinliche Sachen lästerte. Sein Shirt hatte er nicht mehr angezogen, das Licht der kleinen Stehlampe warf weiche Schatten auf die gebräunte Brust.
Oft waren sie schwimmen gegangen und dabei hatte er Aki in Badeshorts gesehen. Seine Haut war überall mit Leberflecken bedeckt, Lauri hatte sich schon zigmal gewünscht sie mit seinen Lippen berühren zu können.
„He Lauri.“, Aki berührte ihn am Arm.
„Wie? Was?“, ertappt sah er zu den anderen.
„Ich glaube wir machen hier Schicht im Schacht. In ein paar Stunden müssen wir schon wieder aufstehen.“, murmelte Eero und gähnte kräftig.
Kurz umarmten sie sich alle, klopften dem anderen auf den Rücken.
Einen Moment später war es still im Zimmer, Lauri und Aki sahen sich an, mussten beide kurz grinsen.
„Na komm. Ab in die Kiste.“, Aki öffnet eines der Fenster. Beide besuchten noch mal das Bad, lagen danach, nur in Boxershorts, nebeneinander im riesigen Doppelbett.
Doch Lauri brannte noch eine wichtige Frage auf der Zunge „Aki?“
„Hmm? Was ist denn?“, mit kleinen Augen blinzelte er Lauri an, seine Brille lag schon auf dem Nachttisch.
„Naja….ich meine…..das vorhin.“, beschämt kratzte Lauri über die Bettdecke.
Durch den Schneefall war es heller als sonst, er konnte genau Akis Gestalt neben sich sehen.
„Ich weiß nicht. Irgendwie habe ich einfach keine Lust mehr auf so was. Und ich weiß doch, dass es dich immer genervt hat, wenn ich irgendein Weib abschleppte. Außerdem brachte es mir doch eh nicht mehr, als Gerede und dein Schweigen.“
Lauri wusste, das er röter und röter geworden war, wie Aki geredet hatte. Ihm war nie bewusst gewesen, das Aki es wirklich gemerkt hatte.
„Ich….ich verstehe.“, murmelte er leise, zog die Decke höher.
„Lass uns schlafen, Lauri. Du bist doch total erledigt.“
Zwei kleine Seufzer zitterten durch die Dunkelheit, ein „Gute Nacht“ wechselte den Besitzer und kurz darauf waren beide eingeschlafen.
Als Lauri die Augen aufschlug, stand er in einem Park, der ihm seltsam vertraut war. Dichter Schnee lag überall, der Himmel glühte blutrot. In seiner Hand sah er seine Waffe, spürte den weichen, leicht kalten Gummi des Griffs. Der Wind wirbelte feine Schneeschleier durch die Luft, Lauri sah es weit entfernt im Schein einer Laterne.
Dann drehte er sich um, sah in das Gesicht eines Dealers. Das eiskalte Lächeln jagte ihm einen Moment Angst ein, doch er wusste was zu tun war. Langsam hob er seine Waffe, leise klickte die Sicherung und das Gesicht des Dealers wurde eine winselnde Visage. Er wusste, dass dieses Schwein um sein dreckiges Leben bettelte, doch würde er dann nur andere auslöschen.
Die Kugel löste sich aus der Waffe, bohrte sich durch das Hemd des Mannes, fraß sich durch das Fleisch, zerfetzte innere Organe. Der zweite Schuss durchdrang das Herz, riss die Kammern auseinander und Blut quoll in den Körper. Ein letztes Zucken und der Dealer ging auf die Knie.
Lauri ließ die Waffe sinken, trat ein Stück näher um in das sterbende Gesicht zu sehen. Doch dann hob der Mann den Kopf und aus Lauris Kehle drang ein Schrei.
„AKI!“, kreischte er panisch, sah vor sich das Gesicht seines Freundes. Die grauen Augen waren gebrochen, rotes Blut rann aus dem Mundwinkel, bevor der Körper tot nach vorn kippte.
„Nein! Bitte! Aki.“, schrie er wieder, spürte plötzlich wie ihn etwas rüttelte.
„Lauri! Verdammt, wach bitte auf.“, rief eine Stimme.
Hektisch riss er die Augen auf und realisierte, dass er in einem Bett saß. Heiße Tränen rannen über seine Wangen, vermischten sich mit dem kalten Schweiß auf seiner Haut.
„Aki?“, fragte er die Gestalt neben sich.
„Oh man. Du bist wach. Was war denn los?“, die Gestalt war wirklich Aki, der ihn völlig erschrocken und besorgt ansah.
Schluchzend warf sich Lauri in dessen Arme, musste einfach spüren, das Aki wirklich hier war „Es war schrecklich.“, schniefte er.
Akis Hand strich ihm über den nackten Rücken „Ist ja gut. Ich bin hier.“, flüsterte er, presste Lauri noch etwas mehr an sich.
Lange brauchte Lauri um sich zu beruhigen, sah immer wieder diese Bilder vor sich. Erst als Aki unter seine Decke krabbelte, ihn fest in den Arm nahm und leise sinnloses Zeug redete konnte er erschöpft einschlafen.

~*~*~

Die geröteten Augen hinter einer Sonnebrille versteckt, wartete Lauri mit den anderen am Flughafen auf den Aufruf. Immer wieder schlichen sich die Bilder seines Traums in seine Gedanken. Noch nie zuvor war es so schlimm gewesen. Er war Aki noch immer dankbar, dass dieser für ihn da gewesen war, auch wenn Lauri nichts von dem Traum erzählt hatte.
Heute Morgen waren sie von Eero geweckt worden. Noch immer eng aneinander gekuschelt, Lauris Kopf hatte sich dicht an Akis Halsbeuge versteckt.
Sie wussten oder spürten alle, das Lauri nicht ausgeschlafen und dementsprechend auch aufgewühlt war. Nervös rauchte er eine Zigarette nach der anderen, nippte am dritten Becher Kaffee.
Eero wechselte mit Jari ein paar Worte, Aki beobachtete eine Großfamilie beim einchecken und Pauli stopfte ein seltsam aussehendes Sandwich in sich.
„Flug 587 nach Helsinki, bitte zum Gate 3.“, tönte die Ansage durch die Halle.
Wie auf Kommando erhoben sich alle. Lauri wurde von Jari, Mikko und Aki etwas in die Mitte genommen. Sie wussten, dass er in diesem Zustand keinem Fan begegnen wollte.
Sie nahmen den Eingang zur ersten Klasse, alles war ruhig und Lauri atmete wieder durch, dass die Waffen nicht gefunden wurden.
Er sehnte sich nach seiner kleinen, stillen Wohnung wo er sich die nächsten Tage erstmal verkriechen wollte.
Sie verteilten sich auf ihre Plätze, alles lief wie automatisch ab. Aki saß wie immer neben Lauri, der einen Blick aus dem Fenster warf. Gerade wurden die Tragflächen nochmals enteist, auf einer Landebahn schoben Räumfahrzeuge die neue Schneeschicht beiseite.
Das unruhige hin- und herrutschen von Aki entging ihm nicht. Zwar konnten sie ihre Flüge schon kaum mehr zählen, aber trotzdem war Akis Flugangst einfach nicht zu beseitigen.
„Geht´s?“, fragte er leise, sah Akis Hand leicht zittern.
„Ja, geht schon. Ich mag es nicht, wenn sie erst alles enteisen.“
Kurz lächelte Lauri, nahm dann vorsichtig Akis Hand und strich über den Handrücken „Keine Angst, noch ein paar Stunden und wir sind wieder daheim.“
In dem Moment ruckte die Maschine an, rollte langsam zur Startbahn. Akis Hand verkrampfte sich unter Lauris, er atmete tief ein und aus.
Es tat Lauri immer leid, das Aki vor allem bei Start und Landung tausend Ängste durchlebte. Für ihn war es nichts schlimmes, wenn die Maschine wackelte oder leicht quietschte.
Endlich bekamen sie Fahrt, das bekannte Ziehen machte sich im Bauch breit und schon erhob sich der Flieger, schwerfällig wie ein dicker Käfer in die Luft.
Als das Zeichen kam, die Gurte konnten gelöst werden, wich auch die aschfahle Farbe aus Akis Gesicht, er fing wieder an regelmäßig zu atmen.
Langsam löste sie ihre Hände und Lauri sah aus dem Fenster. Verschneite Felder, Wiesen und ein paar silbrig glitzernde Flüsse waren noch zu erkennen, bevor das Flugzeug durch die Wolken brach und im herrlichsten Sonnenschein gen Norden flog.
Es gab nur ein paar kleine Snacks und Getränke, es lohnte sich kaum es sich bequem zu machen.
Neben ihm gähnte Aki immer wieder herzhaft, seine Augen waren ganz klein und Augenringe lagen darunter. Lauris Meinung nach sah er so einfach umwerfend süß aus und die verwuschelten Haare machten das Bild perfekt.
„Ich glaube ich werde bis morgen durchschlafen.“, murmelte er, warf einen vorsichtigen Blick aus dem Fenster, „ist das schon die Ostsee?“
„Ja, ich denke wir landen bald. Ich will nur noch in mein Bett.“, antwortete Lauri, putze die Gläser der Sonnenbrille.
Alle waren nicht sonderlich gesprächig. Hinter ihnen saßen Jari und Mikko, letzterer hatte es sogar geschafft in der kurzen Zeit einzuschlafen und fällte gerade ein riesiges Waldgebiet.
Und dann endlich tauchte die Küste Finnlands unter ihnen auf. Lauri starrte gebannt nach draußen, hätte vor Freude schreien können, als er die ersten Häuser von Helsinki sah.
Über all seine Freude vergaß er aber nicht, wieder Akis Hand zu nehmen, wie sich die Maschine zum Landeanflug bereitmachte.
Es dauerte wirklich nicht mehr lange und Lauri spürte endlich wieder den guten, alten Fußboden des Flughafengebäudes Vantaa unter seinen Füßen. Keiner von ihnen konnte in Worte fassen was es ihnen bedeutete, aber trotz aller Müdigkeit strahlte jeder von ihnen mit der Deckenbeleuchtung um die Wette.
Es gab viel Jubel und Trubel, als auch die Familien ihre Schützlinge entdeckten. Eero wurde von seiner Frau empfangen, Pauli von seiner Freundin und die Familie Hakala begrub Aki halb unter sich.
Lauri verabschiedete sich von allen, nahm sein Gepäck und steuerte, nach einem Besuch des Bäckers, die Taxistände an.
Ihm war nicht mehr nach großem Geknuddel und vielem Schulterklopfen. Er wollte jetzt wirklich nur noch seine Ruhe.
Diese empfing ihn auch, als er die Tür zu seiner gemütlichen Dachwohnung in einem Altbau öffnete. Es roch etwas abgestanden und überall fand er einen feinen Staubfilm. Seine Schwester hatte sich mit der Pflege seiner vier Wände wirklich kein Bein rausgerissen. Immerhin lebten alle Topfpflanzen noch und im Kühlschrank war kein neues Leben entstanden.
Ächzend schob er die Taschen in die erstbeste Ecke, riss die Fenster auf und atmete tief durch.
Wenn er die Luft anhielt hörte er, bis auf das ganz leise Rauschen seiner Heizung keinen Ton. Wundervolle, entspannende Ruhe. Nebenbei ein Brötchen kauend, ging er ins Schlafzimmer, zog die bunte Tagesdecke vom Bett und schüttelte die Kissen auf.
Im Bad nahm er eine Baldriantablette, die ihm ruhigen, traumlosen Schlaf bringen sollte.
Keine halbe Stunde nach seiner Ankunft lag er in seinem abgedunkelten Schlafzimmer, stellte zufrieden fest, dass Türklingel, Telefon und Handy abgeschaltet waren und er nun endlich ausgiebig schlafen konnte.

~*~*~

Die nächsten Tage verliefen Ereigenislos. Lauri nutzt die Ruhe um wieder zu sich zu finden, viel zu schlafen und über das Geschehene nachzudenken.
Er hatte die Infos seines Spähers ausgewertet, ein paar Nachforschungen angestellt. Doch gab es noch immer keine heiße Spur, die ihn zum Ende seiner Laufbahn als Killer bringen würde.
Was ihn aber mehr enttäuschte war, das sich auch Aki nicht bei ihm gemeldet hatte. Sonst rief er meist schon ein paar Tage später an, ob etwas passiert ist. Dieses Mal war es nicht so, das Telefon schwieg beharrlich und Lauri fragte sich, ob Aki doch etwas von seiner heimlichen Liebe gemerkt hatte.
Nachdenklich stand er an seinem Fenster, sah hinaus wo es schon wieder dunkel wurde. Gestern war er den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen, hatte den Winter in seiner Heimat genossen. Trotz er versucht hatte, seine Gedanken zu ordnen, war er immer wieder an diesem Traum hängen geblieben. Es beschäftigte ihn ohne Unterbrechung und aus Angst, dass er ihn nachts wieder besuchte schluckte er laufend Baldriantabletten.
Heftig schrak er zusammen, als sein Handy klingelte. Der Ton war unnatürlich laut in der stillen Wohnung.
„Hallo?“, fragte er leise, weil keine Nummer angezeigt wurde.
„Lauri? Ich bin´s.“, die Stimme seines Spähers drang zu ihm.
Ein leichtes Zittern überkam Lauri, er sah nervös aus dem Fenster „Was gibt’s?“
„Der Boss. Er will dich zum Dinner sehen. In zwei Stunden steht ein schwarzer Benz vor deiner Tür.“
Hart schluckend antwortete Lauri „In Ordnung.“
Die Verbindung unterbrach, er legte mit zittrigen Händen das Telefon auf den Tisch. Bisher hatte er seinen Auftraggeber nur einmal zu Gesicht bekommen. Vor vier Jahren, als er anfing als Killer zu arbeiten. Seitdem wurden alle Aufträge über seinen Späher abgewickelt.
Hektisch sah er auf die Uhr, dann an sich herunter. So konnte er dem Boss auf keinen Fall unter die Augen treten.
Gerade wollte er ins Bad, als das Handy erneut klingelte. Leise fluchend drehte er um und spürte einen Kloß im Magen, beim Namen in der Anzeige „Aki.“
„Ja?“, er trat sich innerlich in den Arsch, weil er ahnte was kommen würde.
„He Lauri ich bin’s. Wie geht’s so?“, Akis Stimmte war fröhlich und Lauri sah ihn geradezu lachen.
Mit dem Handy am Ohr ging er ins Schlafzimmer und einen der guten Anzüge raus zusuchen „Gut. Und dir? Was gibt´s?“
„Naja….geht auch gut. Ich wollte fragen, ob du Bock hast mit mir einen trinken zu gehen?“
Lauris Nägel krallten sich in das Holz des alten Schranks, er lehnte den Kopf dagegen „Oh Aki, das ist echt blöde heute. Meine Eltern haben mich eingeladen. Du weißt schon, essen gehen mit dem Sohnemann. Tut mir echt leid.“, er hätte über diese Lüge heulen können.
Am anderen Ende konnte Aki seine Enttäuschung nur sehr schwer verbergen, seine Stimme war dünn „Oh, das ist wirklich blöd. Naja, vielleicht einen anderen Tag? Deine Eltern gehen natürlich vor.“
In Lauri war alles zum zerreißen gespannt, so gern hätte er Aki die Wahrheit gesagt, aber das war unmöglich „Bitte sei nicht traurig. Ich ruf dich so schnell wie möglich an und dann machen wir uns einen richtig netten Abend, ja?“
In der Zwischenzeit hatte er seinen Anzug, ein Hemd und Unterwäsche aufs Bett geworfen, sah wieder nervös zur Uhr.
„OK Lauri, dann wünsch ich dir trotzdem einen schönen Abend. Bis bald.“, Akis Stimme klang traurig.
„Bis bald Aki. Und sorry.“
Wütend feuerte Lauri das Handy auf das Bett, schmiss die Schranktüre zu. Er wusste wie traurig Aki jetzt war und das so was immer schwer an ihm nagte. Aber nie im Leben hätte er seinen Boss absagen können.
Grummelnd ging er ins Bad, stellte sich unter die Dusche. Er musste versuchen die Gedanken an seine Band und vor allem Aki in eine andere Ecke seines Gehirns zu verdrängen. Nun war wieder der Killer in ihm gefragt.
Sorgfältig machte er sich zurecht, stylte die Haare, konnte sich nicht bremsen und legte ein wenig Kajal auf.
An den Gürtel seiner Anzughose steckte er eine seiner kleinen Pistolen im Halfter, sicher war sicher. Kritisch musterte er sich im Spiegel, legte sich sein Armband noch um, steckte Zigaretten und Handy in die Jackentasche. Das weiße Hemd war an den Ärmeln etwas länger, schaute hervor, die oberen Knöpfe waren geöffnet. Über das Jackett zog er seinen längeren Wollmantel, schlüpfte in die Schuhe und sah aus dem Fenster.
Auf die Minute genau hielt ein schwarzer Benz vor seiner Tür. Er schloss ab, rannte die Treppen nach unten. Ein Typ mit Sonnenbrille hielt die Tür mit verdunkelten Scheiben auf.
Lauri versuchte ruhig zu atmen, wusste, das ihn der Bodyguard seines Boss genaustens beobachte.
Es ging hinaus aus der Stadt, im Auto herrschte bis auf das leise Brummen des Motors völlige Stille. Sie fuhren durch ein kleines Waldstück, wo der Benz ab und an leicht auf der verschneiten Straße rutschte.
Der Atem stockte ihm, als sich vor ihm ein Anwesen erhob. Um die Villa war hoher Zaun gezogen, überall waren winzige Kameras zu entdecken, die sich nun zum Auto hin drehten.
Hier machte niemand einen falschen Schritt und Lauri vermutete, das man nach drei unbefugten Schritten auf dem Gelände entweder Hunde aufgehetzt bekam oder gleich eine Kugel im Kopf hatte.
Vor der breiten Eingangstreppe blieb das Auto stehen, ein junger Mann in Frack öffnete die Tür „Mister Ylönen, Sie werden bereits erwartet.“

~*~*~

Beinah blieb Lauri der Atem stehen, als der Mann ihn durch eine pompöse Eingangshalle führte. Im Stillen überschlug er die Geldsummen, die in diesem Haus steckten. Überall entdeckte er Gemälde, einige kamen ihm sogar bekannt vor. Wie eine Kopie des Bildes „Der Schrei“, zumindest vermutete Lauri, das es nur die Kopie war.
Dann wurde vor ihm eine hohe, mit Schnitzereien verzierte Tür geöffnet.
„Darf ich bitten?“, der Mann im Frack verbeugte sich und schloss mit dezentem Klacken wieder die Tür hinter Lauri.
Rasch überblickte Lauri den voll gestopften Raum. Ein mannshoher Kamin warf zusammen mit gedimmten Stehlampen wenig Licht auf die Einrichtung.
Als neben ihm ein großer, breitschultriger Typ auftauchte, zuckte er erschrocken zusammen, versuchte Abstand zu gewinnen.
„Wladimir, sei nicht unhöflich zu meinem Gast.“, eine dunkle, raue Stimme kam aus einer Ecke.
Der Bodyguard zog sich zurück und im gleichen Moment wurden die Lampen etwas heller.
Nun sah Lauri, wer dort gesprochen hatte. Für ihn sah der ältere, grauhaarige Mann eher aus wie ein Märchenonkel in einem Kindergarten und nicht wie der Boss von einer weltweit arbeitenden Gruppe von Killern.
Dann sah er, was da zu Füßen des Mannes lag und er wich unwillkürlich zurück, bis er die Wand im Rücken spürte.
„Lauri? Ich darf Sie doch so nennen? Was haben Sie?“, der alte Mann hob die Augenbraue.
„Ent….entschuldigen Sie, aber wäre es vermessen….wenn Sie…den Hund?“, nervös bis zur Haarwurzel starrte Lauri auf den großen Dobermann, der zu Füßen seines Herrchens auf einem Knochen kaute.
„Oh entschuldigen Sie. Ich wusste ja nicht, dass Sie keine Hunde mögen. Wladimir gehen Sie mit dem Hund doch etwas in den Garten und geben Sie der Küche bescheid, das sie in zehn Minuten auftragen sollen.“
Erleichtert sah Lauri wie der Hund sich erhob und mit Wladimir in einer Seitentür verschwand.
„Kommen Sie näher, Lauri.“
Er war noch immer nervös, das hing sicher mit seiner Vorsicht in dieser Rolle ab. Denn nie durfte ihn jemand enttarnen. Doch der alte Mann macht eher einen liebenswürdigen Eindruck.
„Danke für die Einladung.“, Lauri reichte ihm die Hand.
„Ich wollte Sie schon lange mal wieder sehen. Und nennen Sie mich ruhig Jere. Setzen Sie sich, es wird gleich Abendessen geben. Ich hoffe Sie mögen Fisch.“
Kurz nickte Lauri, nahm Jere gegenüber an einem kleinen Tisch platz „Ein hübsches Anwesen.“
„Ja, aber es kann einen schnell zu groß werden.“
Lauri kramte in seinem Gedächtnis, er versuchte sich zu erinnern, warum Jere so einen Hass auf Drogenbarone hatte, doch die Erinnerung war verloren gegangen.
„Erst gestern habe ich etwas von Ihnen in der Zeitung gelesen. Nein, eigentlich zwei Dinge.“, lächelnd deutete Jere auf einen Stapel Zeitungen. Lauri erkannte unter anderen finnische Tageszeitungen, als auch die Times.
„Einmal von dem Lilienmörder in Warschau. Und dann, das ihre Band wirklich erfolgreich sein muss. Ich habe mir übrigens letzte Woche ihre neue CD gekauft. Sie schreiben sehr schöne Texte.“
Verlegen biss sich Lauri auf die Unterlippe, spielte mit den Manschettenknöpfen „Vielen Dank.“
Gerade wollte Jere wieder ansetzen, als es an der Tür klopfte und mehrere, in weiß gekleidete Männer und Frauen eintraten.
„Ah unser Essen.“, lachte der ältere Mann und rückte etwas vom Tisch weg.
Lauri konnte nur fassungslos auf das Besteck und die Schüsseln sehen, alles das feinste Silber und auch das Porzellan musste ein Vermögen wert sein.
Selbst das Essen sah unglaublich teuer aus. Knusprig gebratene Lachsfilets wurde mit feinstem Gemüse und Kroketten gereicht. Sehr unsicher nahm Lauri das Besteck, besah sich seinen Teller.
„Essen Sie ruhig. Oder mögen Sie das nicht?“, Jere sah ihn fragend an.
„Doch….aber...“, er suchte die richtigen Worte, „das sieht so teuer aus.“
Nun musste sein Gegenüber lachen „Ach wissen Sie, wenn man solange so lebt, kommt einem das alles nicht mehr so vor. Und nun langen Sie zu, wenn es nicht reicht können Sie gern Nachschlag haben.“
Aber Lauri brauchte keinen Nachschlag, er war nach dem riesigen Stück Fisch satt und lehnte sich etwas entspannter zurück.
Nachdem abgeräumt wurden war, servierte wieder ein Mann im Frack einen Sherry und beide Männer sahen in das Feuer im Kamin.
„Habe ich Ihnen schon mal erzählt warum ich Drogendealer töten lasse?“, fragte Jere in die Stille.

~*~*~

„Nein, ich erinnere mich leider nicht.“, murmelte Lauri und spürte das Brennen des teuren Sherrys in der Kehle. Noch bevor er etwas sagen konnte, goss ihm Jere ein Glas klares Wasser ein und schob es ihm zu.
„Nun, dann möchte ich es Ihnen erzählen. Aber es ist sicher keine schöne Geschichte.“, tief atmete Jere durch, drehte sein Glas in der Hand, „wissen Sie, ich hatte eine Tochter. Ihr Name war Emma. Sehen Sie, da oben auf dem Kamin ist ein Foto.“
Lauri erhob sich und fand auf dem Kamin ein Bild von einer bildhübschen jungen Frau in einem silbernen Rahmen.
„Sie ist bezaubernd.“, flüsterte Lauri.
„Ja, das sagte jeder. Und sie war so gütig, doch leider auch schwermütig. Kaum kam der Winter wurde sie so still und schloss sich Stunden in ihr Zimmer ein. Doch sie verdrehte auch jedem Mann den Kopf und ich muss zugeben sie war ihnen nie abgeneigt. Es gab Monate, da konnte ich mir kaum die Namen ihrer Freunde merken, sooft wechselten sie. Es waren aber immer die gleichen Typen. Gewitzt, geschickt mit Worten und auch nicht arm. Und dann lernte sie einen Mann kennen, mit dem ich von vornherein nicht einverstanden war. Er hatte etwas an sich, das ihm gefährlich machte. Aber wenn ich es geahnt hätte.“
Lauri schluckte, in seinem Magen bildete sich ein Knoten „Was geschah dann?“
„Sie zog aus, meinte plötzlich ich würde sie erdrücken. Und dann fing es an. Ihre Augen wurden leblos, sie sah heruntergekommen aus und wenn sie zu mir kam, wollte sie jedes Mal mehr Geld.“, Jere seufzte.
„Drogen.“, flüsterte Lauri, schluckte schwer.
„Durch ihre beste Freundin erfuhr ich später, dass es mit Tabletten anfing und irgendwann hatte dieser Kerl sie an die Nadel gebracht. Ich habe sie angeschrieen, sie versucht zur Vernunft zu bringen. Doch er beeinflusste Emma immer mehr, redete ihr ein ich hätte sie nie verstanden, würde ihr schlechtes wollen.“, Jeres Stimme zitterte heftig, „dann, eines Tages war sie wieder bei mir und stahl mir viel Geld. Zwei Tage später stand die Polizei vor der Tür. Sie…..sie hatte sich den Goldenen Schuss gesetzt. Ihre Nerven waren am Ende und sie sah keinen Ausweg mehr. Doch….das schlimmste. Sie trug ein Kind unter ihrem Herzen. Verstehen Sie, Lauri? An dieses Schwein habe ich meine Emma und mein ungeborenes Enkelkind verloren.“, wütend schlug er mit der Faust auf die Sessellehne.
Auch Lauris Hände krampften sich um die Lehnen. Er verstand nun was Jere für Hass in sich fühlte. Der Hass auf diese Menschen, die für Geld andere Menschen bis in den Tod trieben, mit diesem Dreckszeug.
„Es tut mir so leid.“, flüsterte Lauri, ihm fehlten einfach die Worte.
„Ich habe viele Jahre in Trauer gelebt und dann traf ich eine Entscheidung. Dank einiger Freunde wurde meine Pläne verwirklicht und dann….ja dann wurden Sie mir vorgestellt.“, Jere sah über den Tisch zu Lauri, der nachdenklich auf seinem Fingerknöchel kaute.
„Ich verstehe Sie, mehr als Sie denken.“
Jere erhob sich, ging zu einem kleinen Wagen auf dem Karaffen mit diversen Likören und Weinen stand „Erzählen Sie mir davon, wenn Sie wollen.“, er reichte Lauri ein Glas mit dunklem schweren Wein.
„Ich war gerade mit meiner Band im Aufschwung, die Schule hatte ich geschmissen und träumte von einer Karriere. Und Sie wissen ja, jung und dumm genug um auch mal paar bunte Pillen zu probieren. Ich hatte seit Kindertagen einen guten Freund, Miro, er war so was wie mein Bruder. Es gab nichts, was wir nicht voneinander wussten. Doch er kam aus einer zerrütteten Familie, der Vater soff und schlug ihn oft. Schon mit sechzehn zog er in eine WG. Die ersten Trips mit leichten Drogen machten wir zusammen. Aber ich spürte, dass sie mich nur von innen zerstörten, mich krank machten. Meine Musik, die Band und die Jungs brachten mich dazu von dem Zeug Abstand zu nehmen. Nicht aber bei Miro, er floh sich mit dem Zeug in eine tolle Welt wo alles gut war. So nannte er es immer.“, Lauri holte Luft, sah wie Jere gespannt an seinen Lippen hing, „dann kamen bei uns die ersten Konzerte, die ersten Tourneen und solches Zeug. Ich hatte nicht mehr soviel Zeit für Miro, wie ich gern wollte. Dadurch bekam ich viel zu spät etwas von seinem Absturz mit. Er nahm alles, was es irgendwo zu schlucken gab, konnte nicht mehr klar denken. Das Geld klaute er sich zusammen, erpresste Freunde und seine Mutter.“, in Lauris Kopf tauchten die Bilder auf, die ihn oft in seinen Träumen besuchten, „wir waren gerade wieder daheim. Unsere erste Tour durch Schweden. Und da riefen mich die Leute aus der WG an. Miro hatte sich mit einer ganzen Tüte bunter Pillen zugedröhnt. Als ich ihn sah war es, als würde ich nur noch eine Leiche sehen. Das Gesicht gelblich, verfallen und krank. Er erkannte mich und entschuldigte sich, dass er mir Kummer bereitet hatte. Kurz darauf war er tot. Und Schuld waren diese verdammten Drogen.“
Lauri hatte nicht gemerkt, das ihm zum Schluss ein paar Tränen über das Gesicht liefen „Ich habe Rache an seinen Grab geschworen und traf den Profi. Er hat mich aufgebaut und mir beigebracht mich zu rächen.“
Nichts war zu hören, außer ihr Atem. Beide sahen ihre Vergangenheit vor Augen und was daraus geworden war.
„Lauri, ich verspreche Ihnen, bald ist Ihre Zeit der Rache gekommen. Doch zuerst muss ich Sie um etwas bitten. Rächen Sie endlich mich, rächen Sie meine Emma. Wir haben die Spuren ihres Mörders gefunden.“, damit zog er einen braunen Umschlag aus dem kleinen Sekretär.

~*~*~

Aufgewühlt saß Lauri auf der Rückbank des Autos, was ihn wieder nach Hause fahren sollte. Durch den Wein und Sherry fühlte er sich müde, aber trotzdem kribbelte seine Haut, als wenn sie unter Strom stand.
Neben ihm lag der braune Umschlag, darin waren Fotos und eine Liste mit den Orten die der Dealer regelmäßig aufsuchte. Es hieß für ihn, er musste hier in seiner Heimatstadt morden. Ihm behagte das nicht, denn hier war die Gefahr besonders groß, dass man ihn entdeckte. Der Auftrag musste auf die Minute genau geplant werden und nichts durfte dazwischen kommen.
Grübelnd sah er durch die verspiegelten Scheiben nach draußen, wo Helsinki bereits im tiefen Schlaf lag. Ein Blick auf sein Handy verriet ihm, das es weit nach Mitternacht war.
Jere und dessen Geschichte gingen ihm durch den Kopf. Er konnte in etwa erahnen wie es sich anfühlen musste einen Menschen wie Emma zu verlieren. Sie teilten beide das gleiche Schicksal und versuchten sich durch die Morde ein wenig Gerechtigkeit zu schaffen.
„Mister?“, wurde er von dem Fahrer aufgeschreckt. Sie standen vor Lauris Wohnung, nirgends brannte mehr Licht.
„Danke. Gute Nacht.“, murmelte Lauri noch hastig und stieg aus. Seufzend sah er dem Auto nach, das nun auf der verschneiten Straße wieder verschwand. Irgendwie fühlte er sich gerade wie nach einer Zeitreise und er hatte Jere auch gesagt, das er diesen Druck nicht mehr lange aushielt. Diesen Auftrag wollte er ausführen und dann war seine Rache gekommen. Der Späher hatte wohl detaillierte Spuren und prüfte diese derzeit noch auf ihre Sicherheit.
Müde schlich er durch das Treppenhaus und brauchte zwei Anläufe das Schlüsselloch zu finden. Als er an seinem Anrufbeantworter vorbeiging, sah er das rote Lämpchen blinken.
Neugierig wartete er wer ihn angerufen hatte.
„He Lauri ich bin’s noch mal.“, tönte Akis Stimme aus dem Lautsprecher, „sorry das ich erst so muffelig war. Hatte mich halt schon gefreut. Würde es dich stören, wenn ich morgen als Wiedergutmachung mittags vorbeikomme und für uns koche? Schreib mir bitte noch eine SMS. Bis dann.“
Lauri ging ins Schlafzimmer, warf das Jackett und das Hemd auf einen Stuhl und kratzte sich am Kinn. Leise klackten die Tasten seines Handys, als er Aki antwortete „Hi. Kannst gern kommen. Freu mich schon. Lauri.“, leise piepte das Handy bei der Empfangbestätigung.
Sorgfältig versteckte Lauri den Umschlag in einem kleinen Fach seines Schreibtischs, spürte, dass ihm langsam die Augen zufielen.
Aber irgendwie war er auf der anderen Seite noch völlig aufgewühlt. Deswegen zog er sich auch die unbequeme Hose aus, schlüpfte in eine Baggy und einen übergroßen Pullover.
Im Wohnzimmer zappte er durch das TV Programm, blieb bei einem Musiksender stehen. Kleine Kringel bildeten sich in der Luft, als er sich eine Zigarette anzündete.
Langsam schaffte er es sich wieder zu beruhigen, die Geschehnisse des Abends in eine Ecke seines Kopfs zu verdrängen. Würde er darüber zuviel nachdenken, würde er sich nur wieder ununterbrochen Vorwürfe machen, die Schuld für Miros Tod bei sich suchen.
Doch der Gedanke, dass er bald diesem Schwein von Drogenbaron gegenüberstehen würde gab ihm ein zufriedenes Gefühl.
Nachdem er die Zigarette in einem Aschenbecher ausgedrückt hatte, warf er seine Klamotten auf einen Stuhl. Auf dem Weg ins Bad blieb er vor dem Flurspiegel stehen, sah sich einen Moment lang an. Die Shorts langen hauteng an, betonten seinen Po. Er war zufrieden mit sich, wusste, dass ihn tausende Mädchen anhimmelten. Doch er wusste immer noch nicht, ob Aki ihn auch so sah, wie er es sich wünschte.
Versonnen strich er über seine Brust, spürte die feinen Härchen unter den Fingern. Er trainierte nicht mehr wie früher, aber durch sein herumspringen auf der Bühne war die Haut immer noch straff. Kurz unter dem Nabel fing ein Streifen hellere Haut an dort war nie die Sonne hingekommen, wenn sie zum Beispiel in Südamerika schwimmen waren.
Grinsend zog er sich nun auch die Shorts aus, warf einen Blick auf sein völlig nacktes Spiegelbild. Das was er sah, fand er nicht schlecht, auch wenn er feststellte, dass eine Rasur an gewissen Stellen wieder nötig wurde.
Über sich selbst den Kopf schüttelnd ging er ins Bad, putzte sich gründlich die Zähne. Morgen früh würde er duschen und könnte sich dann auch über Rasuren an seinem Körper Gedanken machen.
Jetzt kuschelte er sich nur noch unter seine große weiche Bettdecke, stopfte das Kissen zurecht und fiel einen Moment später in traumlosen Schlaf.

~*~*~

Nerviges Klingeln riss Lauri aus seinem schönen Traum, wo ihn Aki gerade geküsst hatte. Verwirrt hob er den Kopf, suchte die Quelle der Störung.
Als es wieder klingelte merkte er, dass es die Türklingel war. Grummelnd stand er auf, tappte zur Tür. Wenn das jetzt ein nerviger Fan wäre, der ihn mitten in der Nacht störte, würde der Mond platzen.
„Aki?“, überrascht sah er seinen Freund auf dem Hausflur stehen.
„Ja, dir auch ein Hallo. Sag nicht, ich hab dich geweckt.“
Verwirrt schüttelte Lauri den Kopf „Du bist doch viel zu zeitig.“
Nun schoss Akis Augenbraue nach oben und er nickte zu der Wanduhr „Zeitig? Schon mal auf die Uhr geschaut?“
Langsam drehte sich Lauri um, sah zu der Uhr die neben dem Flurspiegel hing „Oh.“, entfuhr es ihm und er kratzte sich verlegen am Kopf. Es war schon weit nach elf Uhr vormittags.
„Dürfte ich vielleicht rein oder hast du jemanden versteckt?“, Aki umfasste die rutschende Papiertüte fester.
Hastig wich Lauri zur Seite, ließ Aki eintreten „Nein, natürlich nicht. Leg ab, weißt ja wo was hinkommt. Ich äähm würde mal duschen.“, wieder spürte er wie er rot wurde. Das ihm so was vor Aki immer peinlich war. Der sah in seiner Jeans und der Jacke mit Fellrand zum anbeißen aus, während Lauri mit dunkelblauen Boxern im Flur stand.
„Mach das, ich weiß ja wo ich was in deiner Küche finde.“, grinste Aki und stellte endlich die Tüte auf den Boden, um Jacke und Schuhe auszuziehen.
Lauri raffte im Schlafzimmer ein paar Klamotten und verschwand im Bad. Tief durchatmend stützte er sich auf das Waschbecken, sah seine schlafverklebten Augen und die völlig zerzausten Haare. Kein Wunder das Aki nie Andeutungen machte, wenn er jeden Morgen diese Vogelscheuche neben sich im Hotelbett oder im Bus sah.
Seufzend suchte er sich einen Rasierer und stieg unter die Dusche. Was wohl Aki gedacht hatte, als er ihn so verpennt gesehen hatte? Noch immer hoffte Lauri das seine Notlüge sicher genug war.
Heiß prasselte das Wasser auf seinen Körper und der messerscharfe Rasierer zog seine Spuren auf Lauris Haut. Kleine Haarbüschel verschwanden im Abfluss und zufrieden besah sich Lauri das glatte Ergebnis.
Grinsend verließ er die Dusche, grinste sich im Spiegel an „Siehst du Lauri. Etwas Wasser und Seife und schon siehst du wieder sexy aus.“
„Lauri? Was machst du da drin?“, Akis Stimme vor der Tür, ließ ihn ertappt zusammenzucken.
„Nichts, bin gleich fertig.“, blitzschnell trocknete er sich ab und schlüpfte in seine Klamotten.
Draußen klapperte etwas, dann hörte er Aki rufen „He sag mal, wo hast du den Wok versteckt? Ist der im Wohnzimmer?“
Blitzschnell riss Lauri die Türe auf, rannte geradezu in die Küche „Halt, nein hier ist er.“
Verwundert lugte Aki um die Ecke „Ach so, da war er.“
Innerlich fluchte Lauri, warum musste er seine Patronenmagazine auch in der Vitrine verstecken? Es hätte ihm doch klar sein müssen, dass gerade Aki früher oder später dort etwas suchen würde. Weil Aki der Typ war, der die unmöglichsten Dinge an den komischsten Orten suchte. Nie würde er vergessen, wie Aki im Tourbus die Tütensuppen im Erste Hilfe Kasten vermutete.
„Was wird das Leckeres?“, versuchte Lauri die Anspannung abzulegen.
„Weiß ich selbst noch nicht so richtig.“, lachte Aki, „ich hab einfach Gemüse, scharfe Soße und Fleisch gekauft. Hast du Reis da?“
Kurz kratzte sich Lauri den noch nassen Haarschopf, wühlte in einem Schrank „Wildreis?“
„Perfekt. Das wird was.“, schon zückte er die Flasche mit dem Olivenöl.
Bewundernd wich Lauri zurück, machte es sich lieber auf einem der Barhocker bequem. Er liebte es auch zu kochen, aber wenn Aki die Küche belegte, stellte man sich ihm lieber nicht in den Weg.
Für ihn lag aber ein großer Vorteil in seiner derzeitigen Sitzposition. Er konnte ohne viele Probleme Akis niedlichen Knackarsch in der Hüftjeans herumwackeln sehen, während der Besitzer ein köstliches Mahl zauberte.

~*~*~

Lauri wurde das Gefühl nicht los, das Aki wusste wie intensiv er ihm auf dem Hintern gestarrt hatte. Seit sich dieser umgedreht hatte und nach dem Currypulver gefragt hatte, trug er ein debiles Grinsen zur Schau.
Verlegen verzog sich Lauri für eine Weile aus der Küche, räumte das Chaos im Schlafzimmer auf. So offensichtlich wie er Aki angestarrt hatte, wäre es wirklich unmöglich gewesen, wenn er es nicht mitbekommen hätte.
„Lauri! Essen ist fertig.“, schallte es aus der Küche und ein Schwall köstlicher Duft wehte durch die Wohnung.
Rasch warf Lauri die letzten Klamotten in den Schrank und lief in die Küche „Wow das riecht gut. Dabei hätte ich ja eigentlich bei dir was gut zu machen.“, er rutschte auf einen Hocker.
Aki füllte ihm den Teller „Ach was, ich konnte doch nicht vorhersehen, das deine Eltern dich sehen wollten. Wie war’s überhaupt?“
Rasch überlegte sich Lauri eine passende Antwort „Naja ging so, das übliche halt. Kennst du ja schon.“, dazu verdrehte er theatralisch die Augen.
Lachend nickte Aki, kostete „Hmm, geht zu essen. Guten Hunger.“
Lauri fand, das er wieder maßlos untertrieb, es schmeckte einfach perfekt und sein schlechtes Gewissen wurde auch kleiner.
„Hast du von den anderen was gehört?“, inzwischen hatte Lauri den halben Teller aufgegessen.
„Eero plus Anhang machen wohl Urlaub in irgendeinem Familienpark oder was weiß ich. Tja und Pauli will seine Süße wohl irgendwo ans Meer hin entführen. Die anderen hängen ab und gönnen sich die Pause.“, zählte Aki auf.
„Und du? Ich dachte du würdest von deiner Familie in Beschlag genommen werden?“
Achselzuckend räumt Aki die leeren Teller zusammen „Das ist auch jedes Mal das gleiche. Die ersten Tage verhätscheln sie mich und dann geht der Familienstress los. Darauf hab ich das Jahr auch keinen Bock.“
Sie räumten die Spülmaschine ein, sahen sich dann einen Moment an „Und was wollen wir jetzt machen?“, fragte Lauri strich sich über den gut gefüllten Bauch.
„Weiß nicht. Eigentlich ist ja ein Bombenwetter draußen.“, Aki sah von Lauris Küchenfenster in einen kleinen Hinterhof wo ein riesiger Nussbaum stand. Dickes Eis hing an den Ästen und ein paar Krähen stritten sich um die letzten schon angefaulten Nüsse.
„Dann lass uns rausgehen. Hab auch keine Lust hier rumzugammeln.“, lachte Lauri und stupste Aki in die Seite.
Draußen, wenn sie nebeneinander liefen, könnte er Aki öfters flüchtig berühren, ohne dass es diesem auffallen würde.
Schnell verschwand Lauri im Schlafzimmer, zog sich wärmere Kleidung an.
Aki rief vom Flur „Wir könnten doch durch den Brunnenpark zum Wasser, oder was meinst du?“
Mit dem Pullover kämpfend schwankte Lauri auf den Flur „Ja, gute Idee.“
Grinsend half ihm Aki den richtigen Ausgang aus dem Pullover zu finden und sie zogen sich Jacken und Schuhe an.
„Brrrr, das ist ja kalt.“, fröstelnd zog Lauri die Schultern nach oben, versteckte seine Nase hinter dem Schal.
Irgendwann in der Nacht hatte es für ein paar Stunden geschneit und nun war der alte Schnee mit neuem feinem Pulverschnee überdeckt.
Lauri fühlte sich unglaublich wohl in Akis Nähe, sie blödelten herum, lästerten über Touristen oder andere Leute. Er konnte für eine Weile einfach vergessen, was ihm bevorstand.
Im Brunnenpark gingen dann mit beiden die Pferde durch und auf einer der Wiesen lieferten sie sich eine ausgelassene Schneeballschlacht. Zwar hatte Lauri durch seine Erfahrungen als Killer gelernt wendig zu sein, doch Aki überrumpelte ihn einfach und nagelte ihn auf dem Boden fest.
„Na gibst du auf?“, lachte Aki.
Verschwitzt und außer Atem sah Lauri zu ihm hinauf „Wie machst du das? Jedes mal schaffst du es wieder.“
Grinsend beugte er sich über ihn „Tja, reine Übung.“, dann nahm er eine handvoll Schnee und stopfte sie Lauri genüsslich in den Nacken.
Kreischen wand er sich unter ihm, versuchte Aki abzuschütteln „Oh man das ist fies. Das ist doch so eklig nass.“, maulte er, als er endlich wieder aufstehen konnte.
Schmollend lief er ein paar Schritte vor Aki, feuchte Kälte kroch seinen Nacken hinunter und drang durch den Pullover.
„He Lauri. Sorry.“, geknickt holte Aki ihn ein und hielt ihn fest, „warte ich wärm mal deinen Nacken.“
In Lauri erstarrte alles, als sich die bloße Hand seines besten Freundes durch zig Stoffschichten wühlte und schließlich zwischen seinen nackten Schulterblättern liegen blieb. Dabei war Aki ganz dicht an ihn herangetreten, sein unverwechselbarer Duft stieg ihm in die Nase, ließ Lauri fast ohnmächtig werden.
„Siehst du, geht doch.“, grinste ihn Aki unbekümmert an.
Der Rest des Spaziergangs verschwand irgendwo in Lauris Gedanken. Er konnte nur noch an die Berührung von Aki denken, dessen Nähe und diesem wundervollen Duft.
Wieder einmal spürte er, wie sehr er seinen Freund eigentlich liebte und war beinah froh, als sie nach einigen Stunden total durchgefroren wieder vor Lauris Tür standen.
„Danke für den tollen Tag. Und meld dich mal, wir können ja auch mal wieder einen trinken gehen.“, Aki umarmte Lauri nochmals fest, klopfte ihm auf die Schulter.
„Bis bald, Aki. Ich ruf dich an.“, murmelte Lauri, versuchte all seine Gefühle zu verbergen.
Oben in seiner Wohnung hatte er das Gefühl, als wenn wieder ein wichtiger Teil neben ihm fehlen würde. Seufzend verkroch er sich auf dem Sofa, er musste die Gedanken unter Kontrolle halten, schließlich waren es nur noch wenige Nächte bis zu seinem Auftrag.

~*~*~

Kleine Rauchschwaden waberten durch das Wohnzimmer. Lauri hatte sich auf den Teppich gesetzt und atmete tief den Duft des Räucherwerks ein. Er hatte vor einer Weile in einem Buch gelesen, dass das Verbrennen von solchen Harzen den Geist reinigt. Aus Neugierde kaufte er sich kurz darauf ein Set wo alles von der Kupferschale bis zum Feuersand dabei war. Und tatsächlich half es ihm oft wieder zur Ruhe zu finden.
Nun dachte er nur noch daran, dass er in wenigen Stunden seine Wohnung verlassen würde, um seinen Auftrag auszuführen.
Die letzten Tage hatte er sich erneut zurückgezogen, war durch den Park gewandert, in dem sein Späher die Beute regelmäßig gesichtet hatte. Jeden Freitagabend ging die Beute Pokern und nachts immer zur gleichen Zeit durch den Park zurück. Dort würde Lauri auf ihn warten und Jeres Rache ausüben.
Was ihm aber mehr zu schaffen machte war die Tatsache, dass er sich beobachtet vorkam. Immer wieder hatte er das Gefühl gehabt, auf der Straße von jemand angestarrt zu werden. Es machte ihm etwas Angst, die Gefahr aufzufliegen war groß geworden. Und seine Gegner würden nicht davor zurückschrecken ihm ebenfalls eine Kugel in den Körper zu jagen.
Wieder atmete er tief ein, spürte den schweren, leicht herben Duft wie er sich auf seine Sinne legte. Er schloss die Gedanken an seine Freunde und die Gefahr aus. Langsam erhob er sich, ging in das Badezimmer. Seine Augen waren tiefschwarz geschminkt, die Haare sorgfältig unter einem ebenfalls schwarzen Kopftuch verborgen. Er sah sich selbst tief in die Augen, erkannte den Schmerz der noch immer darin wohnte. So viele Jahre waren seit Miros Tod vergangen, aber er konnte immer noch dessen Lachen hören, die Umarmungen spüren. Manchmal dachte Lauri bei sich, das er vielleicht auch etwas verliebt in Miro gewesen war. Schließlich hatten sie oft Tag und Nacht zusammengehangen.
Gründlich wusch er sich schließlich die Hände, zupfte den eng anliegenden Pullover zurecht. Er trug zu seinen Aufträgen meist die gleichen Kleidungsstücke. Sie schafften ihm Bewegungsfreiheit und trotzdem sah man nicht den Pistolenhalfter unter dem Mantel.
Im Wohnzimmer war es immer noch diffus dunkel. Nur ein paar Kerzen warfen ihr Licht auf den Boden und an die Wände.
In der Küche musste Lauri wegen des geradezu grellen Neonlichtes die Augen zusammenkneifen. Er suchte sich ein Toastbrot und machte sich ein paar Sandwiches. Schwere Kost wäre jetzt nicht gut, sie würde ihn müde und unkonzentriert machen. Draußen hinter dem alten Nussbaum ging die fahle Scheibe des Mondes auf. Gut das es im Park zwischen den Bäumen dunkel war, er hatte einfach die Bedenken das es mitten in der Stadt Spaziergänger gab, die in sehen könnten.
An dem letzten Sandwich kauend ging er in sein Schlafzimmer, hockte sich vor den Schreibtisch und holte eine Kiste aus einem Zwischenboden hervor. Auf Samt gebettet lagen dort seine beiden Pistolen. Er strich mit den Fingern über die matt glänzende Metalllegierung, nahm einer der beiden heraus und begann sie gründlich zu prüfen. Sorgsam schraubte er einen Schalldämpfer auf. Eine Sonderanfertigung wo am Ausgang nochmals eine Art Gummiring angebracht wurde, damit waren die Schüsse fast lautlos. Genauso sorgfältig legte er ein Patronenmagazin ein, entsicherte den Abzug und legte an. Die Waffe lag leicht in seiner Hand, folgte den Armbewegungen. Es war ein beinah erregendes Gefühl zu wissen, welche Macht in seinen Händen lag.
Doch diese Macht konnte ihm auch zum Verhängnis werden und er fühlte sich ihr langsam nicht mehr gewachsen.
Ein letztes Mal strich er über den Lauf, legte sie wieder auf ein weiches Tuch. Wenn der Mond hoch am Himmel stehen würde, dann würde sie wieder ihre mörderische Arbeit verrichten.
Im Wohnzimmer löschte er die Kerzen, ließ die kleine Stehlampe aufleuchten. Ein letztes Mal sah er sich die Fotos der Beute an. Jere hatte Recht, der Dealer hatte ein Aussehen mit dem er sicher jede bekam die er wollte. Er erinnerte sich an das Bild von Emma, sie war bezaubernd gewesen und musste dann so enden.
Tief seufzte er, verschwendete einen Moment seine liebevollen Gedanken an Aki, wünschte sich wieder, dass auch er ihn lieben würde.
Ungeduld machte sich in ihm breit, er konnte nicht mehr warten. Geschickt legte er sich das schwarze Pistolenhalfter um den Oberkörper, schob die Waffe in die Halterung und zog sich den langen Mantel darüber.
Auf dem Fensterbrett in der Abstellkammer stand ein Strauß Lilien. Weiß und unschuldig hatten sie ihre Kelche dem wenigen Licht hingeneigt. Zärtlich strich er über die weichen und glatten Blütenblätter, sah bei der ein oder anderen die gelben Staubfäden.
Mit einer feinen Schere trennte er schließlich einen frisch aufgeblühten Kelch vom festen Stiel. Vorsichtig, als wäre es ein rohes Ei, verstaute Lauri die Blüte in der Manteltasche.
Wenige Minuten später fiel die Haustür hinter ihm ins Schloss. Bitterkalt legte sich die Nachtluft auf die bloßen Wangen, ließen ihn erschauern. Einen Schal trug er nicht, konnte nur den Mantelkragen hochschlagen und die feinen Lederhandschuhe anziehen. Sie hielten die Hände warm und verhinderten, dass er die Waffe nicht richtig greifen konnte.
Der gefrorene Schnee knirschte unter seinen Schuhen, auf der Straße waren nur wenige Leute unterwegs. Die meisten gingen in Clubs oder Bars, schenkten der schwarzen Gestalt mit dem Kopftuch keine Beachtung.
Adrenalin pumpte durch Lauris Körper, das bekannte Ziehen in der Magengegend machte sich auch bemerkbar. Immer wieder sah er sich unauffällig um. Warum nur dachte er laufend, ihn würde jemand beobachten?
Am Eingang zum Park sammelte er sich einen Moment, sah auf die kleine Armbanduhr, die er sonst nie trug. Es waren nur noch ein paar Minuten und dann wäre Jere gerächt.
Wenn nicht dazwischen kommen sollte.

~*~*~

Gleißend hell lagen Schneeflächen im Mondlicht, tiefschwarze Wege lagen zwischen den Bäumen.
Lauri achtete darauf, nicht in den Mondschein zu treten, verbarg sich zwischen Bäumen und Sträuchern. Lautlos schlich er an einem Pärchen vorbei, was sich wild küssend auf einer Parkbank begrabschte. Er hätte sie beide töten können und keiner hätte es gehört.
Doch er hatte seinen Kodex und würde ihn nicht brechen, wenn es nicht um sein Leben ginge.
Abseits der Wege war der Schnee weich, nur hier und dort durch andere Fußspuren gekreuzt. Hier würde sich seine Spur rasch verlieren, er hatte den perfekten Ort für den Auftrag gesucht, dort liefen immer wieder Leute entlang und der Boden würde zig Spuren zeigen.
Dumpf hallten die Schläge der Kirchturmglocken über die Stadt, die Geisterstunde begann und somit war auch Lauris Zeit bald gekommen.
Er musste noch weiter in den Park hinein, bis zu einem kleinen Wasserspeier. Irgendwo hörte er das Bellen eines Hundes, hielt kurz inne und lauschte angestrengt. Doch es wurde leiser und verklang schließlich.
Es durfte nichts schief gehen, er war es Jere schuldig. Endlich sollte dieser Genugtuung erfahren und wissen, dass der Tod seiner Tochter gerächt war.
Alle Müdigkeit, Sorgen und Gedanken fielen von Lauri ab, er atmete tief ein und aus, konzentrierte sich völlig.
An einer alten, meterhohen Tanne blieb er stehen, konnte den feinen Duft des Harzes riechen. Vor ihm lag einer der Wege die zu einem Parkausgang führten, dichte Rhododendrenbüsche säumten Teile des Weges dahinter wuchsen Bäume, die im Sommer bunt und übervoll blühten. Lauri konnte sich nicht erinnern, wie sie hießen.
Immer mehr fühlte er sich, als wenn er mit der Dunkelheit eins wurde, mit den Schatten verschmolz und sie sich seinen Bewegungen anpassten.
Langsam, wie in Zeitlupe knöpfte er bereits seinen Mantel auf. Wenn nichts dazwischen, kam müsste seine Beute bald auftauchen.
Seine Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt, er konnte feinste Umrissen ausmachen, sah unter anderem den alten Wasserspender unweit der Wegzweigung. Als er jünger war und viel mit Freunden unterwegs war, hatten sie oft daran getrunken.
Schritte ließen ihn aufhorchen, ein leises Klimpern mischte sich dazu. Verwirrt aber wurde Lauri, als er zusätzlich etwas hörte, was wie Pfoten klang. Angespannt rückte er noch mehr in den Schatten und wartete.
Eine breite, kleinere Gestalt lief über den schneebedeckten Weg und nun sah Lauri was das mit dem Pfoten war. Verächtlich rümpfte er die Nase, beim Anblick des hässlichen, hechelnden Pitbulls. Er hasste Hunde schon so, aber Menschen die diese Killermaschinen hielten gehörten erst recht erschossen.
Vorsichtig holte er seine Waffe hervor, entsicherte sie, wog sie spielerisch in der Hand. Nun war seine Zeit gekommen, er würde wieder einen schlechten Menschen aus dem Weg räumen.
Doch zuerst hatte er etwas anderes vor. Durch den Schutz eines Busches zielte er und wartete.
Nur ein Klacken verkündete den Schuss, es roch ein wenig nach dem verbrannten Schießpulver und sonst war nichts zu hören.
Ein Winseln und das Auftreffen eines Körpers im Schnee ließ ihn wieder aufsehen. Der Pitbull lag tot im Schnee. Der Kopfschuss hatte diesem Tier, was vielleicht schon Kinder gebissen hatte, augenblicklich ein Ende bereitet.
Doch nun war das Herrchen und damit Lauris Beute in Aufruhr. Hektisch rüttelte er an dem toten Tier, achtete nicht mehr auf seine Umgebung.
Viel zu spät bemerkte er, das Lauri direkt vor ihm stand, seine Waffe auf das Herz zielte.
„Oh mein Gott.“, stieß der Dealer entsetzt aus, versuchte zurückzuweichen.
„Nein, du wirst in der Hölle schmoren für das, was du getan hast.“, fauchte Lauri, dann drückte er ab.
Blut tränkte Sekunden später das Designerhemd des Dealers, ein zweiter Schuss folgte, zerfetzte wie sooft die inneren Organe.
Blut quoll aus den Wunden und dem Mund, mit toten Augen lag er im Schnee, welcher immer mehr durchtränkt wurde.
Es war ein groteskes Bild was sich Lauri bot. Der tote Hund, von dessen Kopf ein Stück zu fehlen schien und daneben der reiche Dealer, der seine gerechte Strafe bekommen hatte.
Zufrieden nickte Lauri, zog die Lilie aus der Manteltasche „Für dich Jere, damit du endlich Frieden finden kannst.“
Gerade als er sich abwenden wollte, um in der Nacht zu verschwinden, ließ ihn das Aufblitzen von Metall zusammenzucken. Blitzschnell huschte er hinter einen Busch, wartete. Doch kein Schuss traf ihn, vielmehr sah er, wie hinter einem der Bäume, mit dem Rücken zu ihm, jemand stand.
Eine Schnalle oder ähnliches an der Jacke hatte sich im Mondlicht gespiegelt. Ob diese Person Lauri gesehen und vielleicht sogar erkannt hatte?
Wieder legte er die Waffe an, schlich sich im Schutz der Büsche näher heran. Musste er nun vielleicht einen Unschuldigen töten, um selbst nicht entlarvt zu werden?
Heftiges Atmen zerriss die Stille, scheinbar ahnte die Person gar nicht das Lauri auf sie zielte.
Mit zwei weiteren Schritten stand Lauri hinter dem Rücken der Gestalt, legte blitzschnell eine Hand über den Mund und drückte sich an sie.
„Keinen Mucks, oder du bist sofort tot.“, fauchte er leise und versuchte das Gesicht zu erkennen.
Es schien, den Bartstoppeln nach, ein Mann zu sein, der nun heftig anfing zu zappeln. Was Lauri noch mehr erstaunte war aber, das er Feuchtigkeit wie von Tränen, auf den Wangen spürte.
Langsam lockerte etwas den Griff, ließ aber die Waffe hoch erhoben. Mit einem Ruck drehte er den Mann um, sah plötzlich dessen Gesicht, die Augen.
„Verdammte Scheiße!“, keuchte er.

~*~*~

Tränenüberströmt und zitternd stand Aki vor ihm, schüttelte ununterbrochen den Kopf „Nein, das ist nicht wahr.“, stammelte er, wich vor Lauri zurück.
Rasch sicherte Lauri die Waffe, steckte sie weg „Aki! Aki hör mir zu, wir müssen weg hier. Wenn jemand kommt und uns sieht sind wir beide dran. Bitte, ich erklär dir auch alles. Wein doch nicht.“, er hob die Hände, umfasste vorsichtig Akis Arme und zog ihn zu sich. Willenlos ließ sich Aki mitziehen, umfasste schließlich Lauris Hand und trottete ihm nach.
Zwei Häufchen Elend verließen den Park und Lauri zog Aki immer hinter sich her. In ihm überschlugen sich die Gedanken, er konnte es nicht begreifen, dass Aki den Mord gerade mit angesehen hatte. Wie muss das alles auf ihn gewirkt haben? Und die größte Sorge lag nun für Lauri darin, was Aki in ihm sah und ob er ihn nun vielleicht sogar hasste.
Als sie weit genug vom Park entfernt waren, hörte er auch auf, wie verrückt Aki hinter sich her zu zerren, wartete bis dieser neben ihm trottete.
Akis Gesicht verriet nichts über seien Gefühlszustand, er starrte einfach auf den Boden vor sich, schniefte ab und an.
Aber auch Lauri wusste nicht, was er jetzt sagen sollte. Sie liefen schweigend in Richtung von Lauris Wohnung, als sie irgendwann Sirenen von Feuerwehren hörten.
„Was ist das?“, flüsterte Aki, seine Stimme war ängstlich.
Auch Lauri lauschte in die Nacht „Feuerwehren, das Labor wird brennen.“, murmelte er und lief weiter.
Jetzt bemerkte er, dass sich Aki immer wieder nervös umsah, am ganzen Leib zitterte. Es tat ihm leid, dass er es so erfahren musste.
Endlich erreichten sie das Haus, Lauri schob Aki vor sich die Treppen hinauf. Bisher hatte er nicht das Gefühl gehabt, als wenn sie verfolgt wurden.
„Setz dich.“, Lauri half Aki aus der Jacke und den Schuhen, platzierte ihn auf das breite Sofa.
Dann ging er ins Schlafzimmer, legte das Pistolenhalfter ab. Entsetzt zuckte er zusammen, als Aki vor ihm stand, die Decke über die Schultern gelegt.
„Wie ist das?“, fragte er mit bebender Stimme.
„Was meinst du?“
Schneller als Lauri reagieren konnte, hatte Aki die Pistole aus dem Halfter gerissen, fuchtelte damit herum „Das verdammt noch mal! Einen Menschen zu erschießen.“
„Aki!“, schrie Lauri plötzlich auf, aber da zersprang der Bilderrahmen aus Glas schon in tausend Scherben.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Aki zwischen der Waffe und dem Bild hin und her „Oh…..oh Gott.“
Vorsichtig nahm Lauri ihm die Waffe ab „Lass das. Wenn du rumschreien willst mach es, ohne eine geladene Waffe in der Hand zu halten.“
Beschämt senkte Aki den Kopf „Das…..das tut mir leid. Scheiße, ich hätte auch dich treffen können.“
Seufzend schob Lauri die Scherben mit dem Fuß zusammen „Hmm, ich konnte das Bild eigentlich noch nie leiden. Und ja, du hättest auch mich oder dich selbst treffen können.“
Zusammengesunken stand Aki da, wieder liefen Tränen über sein Gesicht „Es tut mir leid.“
Seufzend dirigierte Lauri ihn auf das Sofa, löschte die grelle Deckenbeleuchtung und ließ die Stehlampe aufleuchten.
Im Schrank fand er eine Flasche Wodka, schenkte zwei kleine Gläser ein „Hier, auf den Schock.“
Auf Ex kippte Aki den Wodka in sich, schüttelte sich kurz und atmete dann tief durch „Ich kann’s einfach nicht begreifen. Ich meine…du…mein bester Freund, wo ich dachte ich weiß wirklich alles. Du bist der Lilienkiller.“, er musterte Lauri, „du siehst einfach nicht aus wie ein Killer, selbst in dem Aufzug nicht.“
Kläglich grinste Lauri, rieb die kalten Hände aneinander „Willst du auch einen Tee?“
Stumm nickte Aki, vergrub sich tiefer in die warme Wolldecke.
Seufzend stand Lauri in der Küche, wartete dass der Wasserkocher ausging. Er versuchte in seinem Kopf einen Anfang der Geschichte zu finden, aber alle seine Gedanken wirbelten in bunten Kreiseln herum.
„Hier.“, er ging mit den beiden Tassen zurück, reichte eine von beiden dem frierendem Aki.
„Das….das in Warschau. Das warst auch du?“, fragte Aki leise.
„In Warschau, Paris, London. Überall. Meist dienten mir Promotermine oder eben Touren als Tarnung. Ich hatte mir immer gewünscht, ihr müsstet es nicht erfahren. Vor allem nicht so.“, hilflos strich sich Lauri durch die Haare, das Kopftuch lag neben ihm auf der Lehne.
Leises Schlürfen war zu hören, die Zeiger der Uhr gingen auf um zwei zu.
„Warum Lauri? Wie ist das gekommen? Und warum habe ich nie etwas gemerkt. Mein Gott wir haben in einem Bett geschlafen und du bist nachts abgehauen.“
Nun erhob sich Lauri wieder, holte im Bad eine kleine Dose „Damit. Ich habe es gehasst, aber ich habe dir ein Schlafmittel in die Cola gemischt.“
Fassungslos sah Aki von der Dose zu Lauri „Schlafmittel? Oh Gott. Ich kann es einfach nicht verstehen.“
Nun setzte sich Lauri neben Aki, nahm sich auch eine der Decken „Dann lass es mich versuchen zu erklären. Aber ich muss dir eins sagen. Jetzt, da du es weißt, schwebst du in Lebensgefahr. Niemals, egal was geschieht, darf es jemand anderes erfahren. Die Leute die versuchen mich zum Schweigen zu bringen, würden auch nicht vor dir zurückschrecken.“
Ängstlich huschten Akis Augen durch die Wohnung, zu den Fenstern „Das habe ich mir selbst zu verschulden.“
„Was meinst du?“, Lauri zog die Augenbrauen zusammen.
Beschämt spielte Aki mit dem Teelöffel „Ich habe dir nachspioniert.“
Nun riss Lauri die Augen auf, schüttelte den Kopf „Du? Aber warum?“
„Weil ich dachte, du würdest irgendetwas verheimlichen. Aber das es gerade so ein Geheimnis ist. Aber nun sag mir endlich warum du das tust.“
Erinnerungen kamen wieder in Lauri hoch, sein Blick schweifte in die Ferne „Aus Rache.“


~*~*~

Ohne Unterbrechung erzählte Lauri diese Geschichte, die er schon Jere erzählt hatte. Aki saß neben ihm, sein Gesicht schwankte zwischen Trauer und Fassungslosigkeit.
„Ich habe noch einen großen Auftrag. Danach steige ich aus dem Geschäft aus. Die Gefahr entdeckt zu werden ist einfach zu groß geworden.“, endete Lauri und atmete tief durch. Es hatte ihn wieder aufgewühlt darüber zu sprechen, sein Herz pochte schmerzhaft schnell in seiner Brust.
„Ich kann es nicht fassen.“, murmelte Aki, umklammerte die Teetasse, „all die Jahre hast du mich angelogen.“
Verzweifelt rang Lauri die Hände „Nein Aki, ich hab dich in Sicherheit gebracht. Was wäre gewesen, du hättest es gewusst? Die Dealer hätten es vielleicht herausgefunden und dich wohlmöglich umgebracht. Das hätte ich mir nie, nie im Leben verzeihen können. Ich habe euch angelogen, weil ihr alle mir unglaubliche wichtig wart und es noch immer seit.“
„Und dabei hab ich mir immer die Schuld gegeben, wenn du schlecht drauf warst oder unausgeschlafen. Dabei lag das alles an deinen Morden. Hast du deswegen auch Albträume?“
Gänsehaut stellte Lauri die Nackenhaare auf „Ja. Sie waren so real und haben mir zusätzlich Angst gemacht.“
„Und mir tat es immer leid, wenn du so gelitten hattest. Es war schrecklich, wenn du meinen Namen geschrieen hast und geweint hast. Was hast du geträumt?“
Schaudernd erhob sich Lauri, wanderte durch den dunkle Wohnzimmer, bis zu einem Fenster „Ich habe dich umgebracht.“, flüsterte er, seine Stimme bebte.
Aki tauchte hinter ihm auf, sie sahen sich im spiegelnden Fensterbild an „Es tut mir so leid.“
„Nein, ich habe es selbst verschuldet.“, resigniert lehnte er sich mit dem Kopf an die Scheibe, „es ist meine eigene Schuld. Und nun habe ich dich in Gefahr gebracht. Warum nur musstest du mir auch nachlaufen?“
Er spürte, dass Aki näher an ihn herangetreten war, leise seufzte „Weil ich ahnte, dass du mich mit deinen Eltern belogen hattest.“
Lauri drehte sich zu ihm, versuchte etwas in den trübe wirkenden Augen zu erkennen „Du kennst mich zu gut. Das ist unheimlich.“
Nun lächelte Aki leicht, wurde aber sofort wieder ernst „Ich hatte schon die letzten Wochen immer das Gefühl, als würdest du wichtige Ding vor mir verheimlichen. Du bist komisch geworden, wenn wir irgendwo zusammen waren.“
Verunsichert nagte Lauri auf seiner Lippe, dachte hektisch nach. Was hatte Aki gemerkt? Ahnte er etwas von seinen Gefühlen ihm gegenüber?
„Lauri? Sieh mich an.“, leicht legte Aki seinen Kopf schief, versuchte Lauri in die Augen zu sehen, „was verheimlichst du mir noch? Warum bist du so….so komisch geworden?“
Tränen stiegen in Lauris Augen, er würgte sie immer wieder herunter „Ich kann es dir nicht sagen.“, flüsterte er.
„Du bist seltsam. Einerseits ein Mensch der so nach Rache dürstet und dann wieder ein Mensch der völlig verschlossen ist.“, Akis Hand berührte Lauris Wange, „sag mir was dich bedrückt. Du kannst mir doch alles sagen.“
„Nein, du würdest mich nicht verstehen.“, Lauri wich zurück, doch das Fensterbrett stieß in seinen Rücken.
„Sag es mir.“, beharrlich ging Aki noch näher an ihn heran.
„Aki, ich kann es dir nicht sagen.“, schluchzte Lauri auf, umklammerte seine Decke wie einen letzten Rettungsanker.
Leicht umfasste Akis Hand Lauris Kinn und er sah ihm wieder in die Augen „Hast du Angst ich würde es nicht verstehen?“
„Ja, du würdest mich abstoßend finden.“, schniefte Lauri auf. Warum ließ ihn Aki nicht in Ruhe? Es war falsch ihn zu lieben und doch sehnte sich Lauri so sehr nach ihm.
„Hast du schon einmal daran gedacht, dass es mir vielleicht auch so gehen könnte?“
Alle Farbe wich aus Lauris Gesicht, Blut rauschte in seinen Ohren „W….was?“
„Sooft hatten die anderen vorgeschlagen wir sollten Einzelzimmer nehmen, aber ich wollte nachts deine Nähe nicht missen. Und nachdem ich mir immer mehr einredete, dass du nie das gleiche fühlen würdest, hatte ich meine Sehnsucht an den Groupies ausgelassen. Doch damit hatte ich dich nur noch mehr verletzte.“
Lauri sah, wie Akis wunderschöne graue Augen in Tränen schwammen „Du…du?“, er schaffte es nicht Worte über die Lippen zu bringen.
„Seit Jahren. Verdammt noch mal, ich dachte du hattest jemanden kennen gelernt und wolltest es verheimlichen, deswegen spionierte ich dir nach. Ich war eifersüchtig, weil ich dich verdammt noch mal liebe.“, Aki redete immer schneller und heftiger.
Sie sahen sich beide an, als wenn sie sich noch nie zuvor gesehen hatten. Lauri konnte in den tränenverschleierten Augen seines Freundes soviel Liebe und Zuneigung lesen, dass es ihn fast erschlug.
„Aki…..“, flüsterte er, zog ihn näher zu sich.
„Halt die Klappe und küss mich endlich.“, grinste dieser und öffnete seine Lippen ein Stück.
Beiden knickten die Beine weg, als sich ihre Lippen berührten. Sie rutschten zu Boden, knieten in einem Berg aus Decken und küssten sich wie verhungernd. Akis Hände gruben sich in die zerzausten Haare von Lauri, pressten diesen noch näher an sich heran.
Ihre Zungen fochten für Minuten einen gierigen Kampf, den schließlich Lauri gewann. Genüsslich nahm er Akis Mund für sich ein, strich die Zähne entlang, spielte mit Akis samtweicher Zunge.
„Ich liebe dich.“, raunte er, als ihnen die Luft wegblieb.
„Das wollte ich schon immer von dir hören.“, schmunzelte Aki, zog Lauris Körper näher an sich heran, „aber das erst das alles geschehen musste.“
„Sag es.“, forderte ihn Lauri auf, strich mit seinen Händen über Akis Nacken.
„Ich liebe dich auch Lauri.“

~*~*~

„Mehr.“, lachte Lauri und öffnete wieder seinen Mund. Ein Löffel mit Nudeln verschwand in seinem Mund und er kaute genüsslich.
Lachend hielt Aki den Teller, der auf Lauris Bauch stand, fest „Wir sind verrückt. Es ist morgens um halb vier und wir essen Nudeln mit Ketchup.“
Nach dem Liebesgeständnis hatten sie noch eine ganze Zeit auf dem Boden gesessen, konnte ihre Lippen nicht voneinander trennen. Erst Lauris laut knurrender Magen lenkte sie ab, in der Küche hatten sie im letzten Schrank eine Packung Nudeln gefunden. Und während Lauri sich auf dem hautengen Pullover schälte und etwas Bequemes anzog, kochte Aki einen großen Topf Nudeln.
Der Löffel wanderte an Lauris Nase vorbei, dann hörte er Aki schmatzen „Trotzdem, lecker sind sie.“
Schnurrend kuschelte sich Lauri enger an Akis warme Brust, zog die Decke etwas mehr über sie und passte auf, dass der Teller nicht runter fiel. Irgendwie hatte er Angst, wenn er einschlafen würde und dann wieder aufwacht, wäre Aki nicht hier und all das wäre nie geschehen.
Verhalten musste er gähnen, spürte langsam wie die ganze Aufregung seinen Tribut forderte. Aber erstmal ließ er sich weiter von Aki füttern, bis sie den ganzen Teller aufgegessen hatte.
„Was hältst du davon, wenn wir schlafen gehen?“, raunte Aki dicht an Lauris Ohr, verschaffte ihm wohlige Gänsehaut.
„Hmm, klingt verlockend.“, grinste er, rappelte sich hoch.
Alles war vertraut und doch neu für sie. Langsam ging Aki auf Lauri zu, legte ihm die Hände auf die Schultern „Ich hoffe du hast ein Plätzchen unter deiner Decke frei.“
„Für dich jederzeit.“, er ging mit Aki ins Schlafzimmer, ließ die Rollläden herunter.
In der Ecke lagen noch die Glasscherben und dahinter in der Wand steckte die Patrone. Mit etwas Spachtelmasse würde er das reparieren, beschloss Lauri für sich.
Fasziniert sah er zu wie sich Aki das Oberteil auszog. Endlich könnte er einen seinen heimlichen Wünsche wahr werden lassen.
Als er sich das Shirt ausziehen wollte, verhedderte er sich mit den langen Ärmeln, zappelte recht hilflos herum. Erschrocken quietschte er auf, als sich Akis leicht kalte Hände unter den Saum schlichen und langsam das Shirt nach oben zogen.
Schließlich hatte er Lauri befreit und grinste ihn belustigt an „Das müssen wir aber noch mal üben.“
Leise grummelte Lauri, warf das Shirt in eine Ecke. Wieder schlichen sich Akis Hände zu seinem Körper, umfassten seine Hüften.
„Immer wenn du nur mit einem Handtuch bekleidet vor mir herumgehüpft bist, bekam ich schrecklich unanständige Gedanken.“, raunte Aki, musste dann lachen, weil Lauri überrascht ausatmete.
„Aki, ich lerne ganz neue Seiten an dir kennen.“, es bereite ihm Vergnügen, den unglaublich festen Po durch die Hose zu umfassen.
„Hmm will ich auch hoffen. Ganz zu schweigen das es grausam ist, bei einem Konzert hinter dir zu sitzen. Immer….“, damit griff er seinerseits beherzt an Lauris Po, „seh ich den hier vor mir hin und her wackeln.“
Sie mussten beide lachen, pressten sich dicht an den Körper des anderen. Lauri entdeckte auf Akis Schlüsselbein einen Leberfleck, stupste ihn mit der Zungenspitze an.
„He, was machst du da?“, Aki sah zu ihm herunter, eine Gänsehaut hatte sich auf seiner Brust gebildet.
Prüfend wanderten Lauris Augen weiter über Akis Haut, entdeckte viele kleine Leberflecke „Überall hast du diese Punkte. Und ich hab mir schon immer vorgestellt, wie es wäre, diese zu küssen.“
„Ich halte dich sicher nicht auf. Aber lass uns erstmal schlafen, du schwankst ja schon.“, vorsorglich hielt Aki ihn etwas fest und schob ihn weiter zum Bett.
„Schade.“, murmelte Lauri, gähnte im nächsten Moment herzhaft.
„Wenn du richtig wach bist und nicht drohst über deine eigenen Füße zu fallen können wir mit dem allergrößten Vergnügen weitermachen.“, grinste Aki und gab im nächsten Moment Lauri einen kleinen Stoß gegen die Brust.
Haltlos fiel Lauri rückwärts auf das Bett, verschwand zwischen den unzähligen Kissen. Er wollte sich jetzt einfach nur noch in seine Decke kuscheln und schlafen. Aber da machte sich Aki schon an seinen Socken und dann an der Hose zu schaffen.
„Aki, nicht. Ich bin grad so wehrlos.“, brummte er, fuchtelte mit einer Hand herum.
„Keine Sorge, ich meld mich schon wenn ich dich vernaschen will.“, wieder grinste Aki und beförderte ihre Hosen aus dem Bett.
Endlich lag Lauri unter seiner Decke, kuschelte sich an Akis warme Brust „Hmm, schön.“
„Schlaf gut.“, flüsterte Aki noch, küsste Lauri sanft.
Aber dieser war bereits tief und fest eingeschlafen.

~*~*~

Mit geschlossenen Augen lauschte Lauri in die Stille. Er war wach geworden, als Aki aufgestanden war und im Bad verschwand. Leise rauschte Wasser, dann patschten Akis nackte Füße über den Parkettboden.
Er hatte die ganze Zeit einen Luftzug gespürt, der nun wieder verschwand.
„Wo warst du?“, Lauri hielt die Augen geschlossen, kuschelte sich wieder an Akis Brust.
„Nur für kleine Königstiger. Und ich hab mal gelüftet.“, Akis Stimme war auch noch schläfrig, er zog die Decke fest über sie.
Ein Gähnen schlich sich Lauris Kehle hoch, er kratzte sich an der Nase „Wie spät?“
„Viel zu zeitig.“, murmelte es neben ihm, Aki war kurz davor wieder einzuschlafen.
Genießerisch schmiegte sich Lauri an dessen nackte Brust, genoss es ihm endlich so nahe zu sein. Als er auch noch ein Bein über Akis Beine legte, lachte dieser leise.
„Nicht reinkrabbeln.“
„Hmm.“, brummte Lauri nur, schlief lieber wieder ein.
Das nächste Mal weckte ihn das Schrillen der Türklingel, bevor er jedoch dazukam aufzuspringen, hörte er schon Aki leise reden. Verwundert drehte er sich um, blinzelte zur halboffenen Schlafzimmertür. Dabei sah er, dass die Scherben von der letzten Nacht beseitigt waren.
Leise öffnete sich die Tür und Aki lugte um die Ecke „He, auch schon wach?“
Gähnend reckte sich Lauri, lockte mit einem Lächeln Aki näher „Wer war das?“
Nun kniete sich Aki über ihn, musterte den spärlich bekleideten Lauri „Der Lieferservice. Ich hab Frühstück, Mittag oder Kaffeetrinken bestellt. Wie du es nennen möchtest.“
Vorsichtig strich Lauri mit seiner Hand über die nackte Brust von Aki, konnte feine, rotblonde Härchen unter seiner Fingern fühlen.
„Ich musste heute Morgen auch erst nachdenken, warum wir so zusammen eingeschlafen waren.“, Aki genoss die Berührungen.
„Bereust du es?“
Heftig schüttelte Aki den Kopf „Nein, ich bereue nur, dass wir solange gebraucht haben.“
Zufrieden zog Lauri ihn etwas näher zu sich und presste seine Lippen auf die von Aki. Trotz der Decke die zwischen ihnen lag, konnte er genau die Konturen von Akis schmalem Körper auf seinem fühlen. Provozierend hob er das Becken, brachte Aki damit aus der Fassung das dieser ihm fast auf die Zunge biss.
„He das ist fies.“, schmollte Aki.
„Ich weiß, aber es macht Spaß.“, wieder ließ er das Becken leicht kreisen, was Aki an den Rand der Verzweiflung brachte.
„Lauri….lass das. Unser Essen wird kalt.“, hilflos zappelte Aki auf ihm herum, kam nicht runter, da Lauris Beine sich um seine Hüften geschlungen hatten.
„Was gibt’s?“, fies grinsend ließ er Akis Bund von der Boxer schnappen.
„Chinesisch. Ente mit Reis, Frühlingsrollen und so.“, im nächsten Moment fand sich Aki auf dem Rücken liegend auf dem Bett wieder. Lauri hatte ihn runtergeschubst und war ins Wohnzimmer gestürmt, wo große Tüten mit dem köstlich duftenden Essen standen.
„Muss ich jetzt eifersüchtig auf die Ente süß-sauer sein?“, breit grinsend lehnte sich Aki einen Moment in den Türrahmen.
Mit einer Gabel in der Hand drehte sich Lauri um „Nur, wenn du nicht gleich herkommst.“
Lachend setzte sich Aki neben ihn und nahm sich auch eine Schachtel „Du bist manchmal verfressener als ich.“
Es war Nachmittag, draußen hatte es wieder angefangen zu schneien und Lauri zog die Tageszeitung vom Tisch.
„Hier.“, er deutete auf die Schlagzeile, „sie haben keine Spuren gefunden.“
Interessiert las sich Aki den Artikel durch, strich sich durch die zerzausten Haare „Es ist, als wenn das nicht geschehen ist. Es fühlt sich an, wie ein Traum. Aber es ist passiert und ich hab es gesehen.“
Lauri stellte seine Schale mit den Frühlingsrollen weg, legte dann seine Arme um Aki und bettete dessen Kopf in seinem Schoß „Es tut mir leid, dass du es sehen musstest. Aber wiederum, wenn du es nicht gesehen hättest, würden wir dann hier sein?“
„Solange du bei mir bist geht es. Aber die Bilder werde ich nie vergessen.“, leicht schauderte Aki.
„Vergiss nie, er hat es verdient. Durch ihn waren viele andere Menschen zu Tode gekommen. Er hat unzählige Menschenleben zerstört. Und das von Emma und deren ungeborenen Baby.“, Lauri hatte auch das Aki erzählt.
„Du hast ja recht. Aber zu sehen, wie ein Mensch aus nächster Nähe erschossen wird. Das ist erschütternd.“
Zärtlich streichelte Lauri ihm die Haare „Es geht vorbei. Aber rede mit mir darüber, das wird dir helfen. Und sage dir immer, er hat es verdient. Ich habe nur ihn getötet, aber er hat viele Menschen getötet.“
„Ich glaube ich werde noch hunderte Fragen haben.“, hungrig sah Aki auf die Schachteln, die noch auf dem Tisch standen.
„Stell sie mir alle. Aber lass uns erstmal entspannen. Hab keine Angst.“, damit nahm Lauri eine Schachtel und fing an Aki mit Frühlingsrollen zu füttern.

~*~*~

„Aki, ich hab keine Kippen mehr.“, hektisch durchwühlte Lauri alle Klamotten, auf der Suche nach einer Schachtel.
„Ich hab sie ganz sicher nicht. Musst du wohl welche holen.“, grinsend lag Aki auf dem Sofa und schaute über die Rückenlehne.
Grummelnd zählte Lauri sein Kleingeld „Bin ja schon auf dem Weg. Mach keinen Unsinn, bis ich wieder da bin.“, er stockte, drehte sich vor der Tür noch mal um, „und guck bitte immer durch den Spion, wenn es klingelt.“
Aki schien zu verstehen was Lauri meinte, nickte leicht „Versprochen. Und beeil dich.“
Rasch rannte Lauri die Treppen herunter, knöpfte sich nebenbei den Mantel zu. Zum Glück hing der Automat gleich an der nächsten Ecke, wo es zu einer kleinen Grünfläche ging. Es waren in der Nacht etliche Zentimeter Schnee gefallen, selbst die Straßen waren völlig Schneebedeckt.
Vorsichtig, um nicht auszurutschen, lief Lauri zum Automaten. In seiner Manteltasche spielte er mit den Münzen, die er zusammengesucht hatte. Die ganze Zeit schon hatte er dieses besondere Kribbeln in seinem Magen. Er fühlte sich glücklich, auch wenn er sich immer wieder Gedanken darüber machte, was werden sollte. Nicht nur, das er durch seine Geheimnisse Aki in Gefahr brachte, es waren auch Dinge, wie es Eero und Pauli beizubringen.
Erleichtert sah Lauri am Automaten, das die Anzeige bei seiner Lieblingsmarke noch halb voll war. Mit kalten Fingern klaubte er die Münzen zusammen, ließ sie klappernd in den Schlitz verschwinden.
Fast hätte er aufgeschrieen, als sein Späher neben ihm auftauchte, sich an den Automaten lehnte.
„Ich sag’s dir, du bist noch mal mein Sargnagel. Musst du dich immer so anschleichen?“, fauchte Lauri.
Der junge Mann grinste „Das ist mein Beruf. Übrigens, saubere Arbeit. Ging alles glatt?“
„Ja, alles bestens. Und gibt es neue Infos?“, er zog sich weitere Schachteln aus dem Automaten.
„Nein, derzeit nicht. Erhol dich erstmal.“, der Späher strich sich über die kurzen braunen Haare, sah sich rasch um. Dann holte er wieder einen Umschlag hervor, der sofort unter Lauris Mantel verschwand. Er erinnerte sich in dem Moment, wie er den Späher kennen lernte. Es war der erste Abend, den er bei Jere war, wo er seine Aufgabe bekam. Dabei wurde ihm eben jener Späher zugeteilt. Ein Profi auf seinem Gebiet, erst viele Wochen später erfuhr Lauri, das er im wahren Leben Teemu hieß und früher als Privatdetektiv gearbeitet hatte. Es hatte sich eine gewisse Freundschaft zwischen ihnen aufgebaut. Zwar wusste Lauri bis heute nicht, wer alles mit seinem Späher zusammenarbeitete. Aber sie harmonierten sehr gut und konnten trotz der Gefahren einige Späße machen.
„Wusste gar nicht, das du auf kleine süße Drummer stehst.“, riss ihn sein Späher aus den Gedanken.
Hochrot starrte ihn Lauri an „Man, warum zum Teufel musst du immer alles wissen?“
„Das ist mein Job. Aber keine Sorge, ich hab damit keine Probleme. Pass nur gut auf ihn auf. Das gestern hat ihn arg mitgenommen.“
Noch mal sahen sie sich an, dann hörte Lauri eine Gruppe Schüler auf der anderen Straßenseite.
„Bis bald.“, murmelte Teemu noch und weg war er. Verschwunden wie ein Schneeschleier zwischen den Bäumen.
Kopfschüttelnd stopfte sich Lauri die Zigarettenschachteln in die Manteltaschen und lief wieder zurück. Nun war auch dieses Gefühl verschwunden, ihn würde jemand beobachten. War das vielleicht wirklich Aki gewesen? Das er dessen Blicke auf sich gespürt hatte?
„Bin wieder daaaaa!“, rief er laut, als er die Wohnungstür hinter sich ins Schloss knallte.
„Ja, nicht zu überhören. Hast du die Kippen am anderen Ende der Stadt geholt?“, faul lag Aki immer noch auf dem Sofa.
Grinsend warf Lauri ihm den Umschlag auf den Bauch „Hier, sieh rein. Und überleg dir, was wir damit machen.“
Leise raschelte das Papier und dann hörte er Aki quieken „Ach du Schande. Was ist das denn?“
Lauri zündete sich eine Zigarette an, nahm Aki dann eines der Bündel Geldscheine aus der Hand „Meine Bezahlung. Dieses Mal das doppelte. Ich hatte Jere schon immer gesagt, das es nicht nötig wäre. Aber er sah es eher als eine Art Gefahrenzulage an und wenn ich neue Magazine oder Waffen brauchte.“
Mit tellergroßen Augen strich Aki über die drei Bündel „Wie viel ist das?“
„Wenn mich nicht alles täuscht dreißigtausend. Was meinst du? Was machen wir damit?“
Kurz schwieg Aki, dann grinste er „Es gibt da was ganz verrücktes, das wollte ich schon immer mal machen.“

~*~*~

Mit einem erneuten Rascheln flogen die Geldscheine in die Luft, segelten zurück auf Aki und Lauri.
Zuerst konnte Lauri nicht glauben, was Aki vorhatte. Doch dann war er ihm bereitwillig ins Schlafzimmer gefolgt. Im schwachen Schein der Nachttischlampe, hatte Aki die Scheine aus dem Bündel gelöst. Im nächsten Moment schwebten sie wie Blätter im Herbst auf das Bett.
Lachend wälzten sie sich zwischen den Decken, bewarfen sich mit den schon leicht zerknüllten Scheinen.
„Aki, du hast manchmal so dermaßen irre Ideen.“, lachte Lauri, ließ die Scheine auf sich fallen.
„Ich weiß.“, grinste dieser, beugte sich über Lauri um ihn zu küssen. Immer leidenschaftlicher küssten sie sich, erkundeten mit ihren Händen den Körper des anderen.
Das Geld raschelte um sie herum, Lauri spürte, das er auf einigem auch lag. Aber er richtete seine Sinne nun lieber auf Aki, der über ihm kniete und sich an seinem Shirt zu schaffen machte.
Hungrig küssten sie sich weiter, erkundete mit den Zungen den Mund des anderen. Immer stärker werdendes Prickeln rann durch Lauris Körper, hinunter zu seinen Lenden. Er begehrte Aki und wollte ihn Haut an Haut spüren.
Ihre Shirts landeten zwischen dem Geld auf dem Fußboden, grinsend nahm Aki wieder ein paar der Scheine, strich mit ihnen über Lauris nackte Brust.
Lachend wand er sich unter den Berührungen, musste stöhnen als die Ecke der Scheine seine Brustwarzen berührten. Trotz der geschlossenen Augen wusste er, dass ihn Aki genau beobachtete, jede Bewegung wahrnahm.
„Aki.“, flüsterte er, zog diesen näher zu sich und begann an Akis Ohrläppchen zu knabbern, „ich will mit dir schlafen.“
Ein kurzes Keuchen neben sich, verriet ihm das Aki genau das gleiche wollte. Lauri ließ nicht von dem Ohr ab, küsste und knabberte an der zarten Haut darunter. Nebenbei drehte er Aki auf den Rücken, streichelte dessen muskulösen Brustkorb, die kräftigen Oberarme.
Ihm gefiel es, das Aki ausgeliefert unter ihm lag, sich ihm völlig hingab. Die Beule in der tief sitzenden Hose war nicht zu übersehen. Als Lauri leicht darüber strich, riss Aki die Augen auf, stöhnte laut „Ahh….“
Diabolisch grinsend griff Lauri etwas mehr zu, massierte die härter werdende Erregung durch den Stoff. Schweiß sammelte sich auf Akis Brust, er keuchte heftig und presste sein Becken fester an Lauris Hand.
Mit der freien Hand knöpfte Lauri die Hose auf, zog sie mit einem Ruck nach unten und warf sie aus dem Bett. Deutlich konnte er die Steifheit in der hautengen schwarzen Shorts sehen, spürte selbst, wie ihn dieser Anblick härter werden ließ.
Doch zuerst widmete er sich dem, was er schon lange machen wollte. Mit spitzer Zunge strich er über eine Ansammlung von Leberflecken auf Akis Schulter. Sie zogen eine Landkarte über den Brust, den Bauch bis zu den Beinen. Selbst genau über dem Bauchnabel prangte ein kleiner Fleck.
Halt suchend hatten sich Akis Nägel in Lauris Rücken gekrallt, als dessen Zunge um die Brustwarze herum glitt, sie mit den Zähnen leicht reizte, krallte er sich noch fester.
Bei jeder Bewegung raschelten die Geldscheine unter ihnen, einige musste schon völlig zerknüllt oder eingerissen sein. Doch nichts würde sie davon abbringen, nun aufzuhören.
Irgendwie schaffte es Aki, seine Hände in Lauris Hose zu schieben, umfasste den kleinen festen Hintern um ihre Becken aneinander zu pressen.
Stöhnend ließ Lauri seinen Kopf auf Akis Brust fallen, verlieh mit einer kurzen, kräftigen Stoßbewegung seines Beckens, seiner Lust noch mehr Ausdruck.
Gemeinsam schafften sie es, auch Lauri seine Hose auszuziehen. In Shorts pressten sie ihre schweißnassen Körper aneinander, bewegten sich, um den anderen noch mehr zu erregen.
„Hast du?“, murmelte Aki und sah zum Nachttisch.
Lauri wühlte in einer Schublade, holte eine Blechdose hervor. Grinsend setzte stellte er sie neben Aki auf das Bett und zupfte am Bund von seinem Shorts. Bereitwillig hob Aki sein Becken und kurz nach seiner Shorts flog auch Lauris irgendwo in den Raum davon.
Mit großen Augen musterten sie sich, ihre Blicke gingen wie von allein zwischen die Beine des anderen. Besonders Lauri schluckte einen Moment, es stimmte also wirklich, dass Aki ziemlich gut von Gott gesegnet worden war.
„Was hast du da?“, raunte Aki, sah neugierig zu der Blechdose.
„Ein Geschenk von Hanna, sie meinte etwas Abwechslung würde nicht schaden.“, er öffnete den Deckel und zeigte Aki den Inhalt. Viele kunterbunte Kondome in alle Ausführungen, Geschmacksrichtungen oder Besonderheiten.
„Sieh mal, mit Noppen. Oder hier. Schokolade.“, lachend nahm Aki das ein oder andere Kondom heraus.
Doch Lauri suchte bewusst ein ganz schlichtes, wedelte damit vor Akis Nase rum „Ich denke mit der Box haben wir eine ganze Weile Spaß.“
Akis Hand streichelte über Lauris Po, konnte endlich die feste, pralle Haut kneten „Will ich wohl meinen.“
Vorsichtig riss Lauri die Hülle auf, nahm es heraus und zögerte eine Sekunde. Doch dann stülpte er es langsam über Akis steil aufgerichtete Erregung.
Verwundert sah dieser ihn zuerst an, verstand dann aber und erwiderte den gierigen Kuss.
Nun kniete sich Lauri über Akis Becken, ließ sich von ihm beim eindringen helfen. Schmerzerfüllt keuchte er auf, meinte innerlich zu zerreißen. Besorgt hielt Aki inne, umfasste wieder Lauris Po um ihn zu stützen. Dann nach endlos erscheinenden Minuten war Aki völlig in ihn eingedrungen.
Fast brach Lauri über diesen Empfindungen zusammen. Fühlte es sich im ersten Moment sehr ungewohnt und fremd an, berührte Akis Erektion nun einen Punkt in ihm, der ihn immer wieder stöhnen ließ.
Gleichmäßig begann er sein Becken vor und zurück zu bewegen, spürte dabei immer wieder Aki tiefer in sich. Dieser hatte seine Hände auf Lauris Hüften gelegt, dirigierte so die Bewegungen.
„Ahh Aki.“, stöhnte Lauri auf, als dieser mit einem Mal noch tiefer in ihn eindrang. Wellen der Lust überrollten sie, ihre Stimmen waren schon ganz rau vom Stöhnen und den leisen Schreien der Lust.
Immer schneller bewegt sich Lauri auf Akis Becken, die Erregung in ihm wurde härter, zuckte im herannahenden Orgasmus. In dem Moment wie Akis Hand anfing Lauris Erektion zu massieren, schrie dieser auf, ergoss sich zitternd zwischen sie.
Sein Inneres verkrampfte sich und damit brachte er auch Aki zum Höhepunkt.
Schwitzend und keuchend lag Lauri auf Akis Brust, kleine Beben ließen ihn erschauern. Sanft strich Aki über Lauris zitternden Körper, zog die Decke über beide „Ich liebe dich.“

~*~*~

Nervös sah sich Lauri immer wieder um. Es war brechend voll in der Flughafenhalle von Vantaa und er hatte laufend Angst, jemand würde die Waffen in seiner Tasche entdecken.
„Ganz ruhig.“, raunte ihm Aki zu, drückte kurz seine Hand.
Eine Woche nach ihrem Liebesgeständnis war Lauri beim Einkaufen Teemu begegnet. Er hatte ihm endlich die lang ersehnten Infos übermittelt. Seine Rache konnte ausgeführt werden, er hatte den Dealer in Stockholm gefunden.
Stundenlang hatte Lauri versucht, Aki davon zu überzeugen, dass es für ihn zu gefährlich war Lauri zu begleiten. Aber genauso lange hatte sich Aki stur gestellt und immer wieder Argumente gefunden, die für seine Mitreise sprachen. Schließlich hatte er auch noch angefangen Lauri zu küssen und hatte ihm ins Ohr geflüstert, das sie danach in Lauris Hütte ganz allein Urlaub machen würden.
Wenn auch mit einem Kloß im Magen, hatte Lauri schließlich zugestimmt und nun standen sie vor dem Terminal um einzuchecken. Das Geld, welches sie nach der ersten Liebesnacht in jeder Ecke des Bettes gefunden hatten, verwendeten sie für erste Klasse Tickets und für eine kleine Suite in einem Stockholmer Nobelhotel.
Einerseits kribbelte alles in Lauri, in Aussicht, das er bald Miro rächen könnte. Andererseits machte er sich nun aber ununterbrochen um Aki Sorgen. Gestern als dieser nur für ein paar Stunden außer Haus war, um bei sich Kleidung und eine Tasche zu holen, war Lauri aller fünf Minuten zum Fenster gerannt um auf die Straße zu sehen. Als Aki unbeschadet wieder auftauchte, war ihn Lauri glücklich um den Hals gefallen.
Leichtes zupfen an seinem Ärmel ließ ihn wieder aufsehen. Aki wedelte mit dem Tickets und deutete auf das Gate „Komm schon oder sie fliegen ohne uns.“
Ein letztes Mal sah sich Lauri um, er vermutete, dass auch Teemu mit irgendeinem Flieger nach Stockholm reisen würde. Auch für ihn war dies der letzte Auftrag, er wollte sich dann irgendwo eine Auszeit gönnen.
Sie wurden von einer Stewardess überschwänglich begrüßt, die sie zu ihren Plätzen brachte und sofort fragte, ob die Herren denn nach dem Start Wünsche hätten.
Lauri bestellte für beide einen Saft, weil Aki nicht antworten konnte. Dieser musste sich die ganze Zeit das Lachen verkneifen.
Als die Stewardess selig lächelnd davongeeilt war, lehnte sich Aki lachend an Lauri „Pass bloß auf, die würde uns beide mit Haut und Haaren verspeisen.“
„Ja, dieser Blick hat einem echt Angst gemacht.“, vorsichtig spähte Lauri zwischen den Sitzen zum Eingang, ob die gute Frau wieder auftauchen würde. Aber scheinbar war sie mit einem Manager beschäftigt, der ihr fast in den Ausschnitt fiel.
„Wie fühlst du dich?“, riss Aki ihn aus seinen Gedanken.
„Nervös. Ziemlich sogar. Aber auch erleichtert. Es schwankt immer von einem Gefühl zum anderen.“, kläglich versuchte Lauri zu lächeln, was aber misslang.
Sanft umfasste Aki seine Hand und drückt sie, während das Flugzeug zur Startbahn rollte „Es wird sicher alles gut gehen.“
Der Start war, aufgrund des kalten Wetters und einem ziemlichen Wind recht holprig. Aki wurde leichenblass, klammerte sich fester an Lauris Hand.
„Ach Aki.“, Lauri tat es leid, seinen Freund so leiden zu sehen, „ich glaube wir nehmen für die Rückfahrt doch die Fähre. Was meinst du?“
Stumm nickte Aki, lehnte sich dankbar ein Lauris Schulter und langsam bekam sein Gesicht wieder etwas Farbe.
Das Flugzeug durchquerte dicke Wolkenschichten, es war eigenartig die Wolken an den Tragflächen zu sehen, wie sie geradezu durchschnitten wurden.
Die grinsende Stewardess brachte zwei Gläser Saft, flötete ob noch andere Wünsche bestehen würden. Doch als sie sah, das Lauri immer noch Akis leicht zitternde Hand hielt, war sie so perplex, das sie kein Ton mehr herausbrachte.
Die beiden warfen sich nur einen viel sagenden Blick zu, nippten dann an dem Saft.
Nun, wo Aki neben ihm saß, war Lauri doch froh, das er sich hat überreden lassen. Denn Aki gab ihm Kraft und Ruhe. Er hatte ein Gefühl in seinem Magen, was er nicht beschreiben konnte. Als wenn einer seiner Sinne ihn vorwarnen wollte, das etwas nicht richtig laufen würde. Sonst hatte er dieses Kribbeln, was sich wie kleine elektrische Schläge anfühlte, noch nie gehabt. Und es war auch nicht das verliebte Kribbeln, was sich durch den Rest seines Körpers zog.
Endlich kam der Flieger aus den dunklen Wolken heraus und unter ihnen erstreckte sich die schimmernde Ostsee. Aki hatte seinen Kopf auf Lauris Schulter gelegt, döste etwas.
Sie waren die letzten Nächte selten dazu gekommen, viel zu schlafen. Es hatten winzige Berührungen genügt, um Leidenschaft zwischen ihnen zu entfachen und sie hatten es in vollen Zügen genossen.
Beide hatten festgestellt, dass der andere genau das gewesen war, nachdem sie solange gesucht hatten. Sie kannten einander blind, wussten oft was der andere dachte und fühlte. So konnten sie ohne große Worte miteinander harmonieren und sie akzeptierten auch ihre ganzen Macken.
Wieder drückte Aki leicht Lauris Hand und einen Moment sahen sie sich tief in die Augen, bevor sie durch eine Stewardess mit Snacks gestört wurden.

~*~*~

„Na was sagst du? Das ist doch Luxus.“, lachend ließ sich Aki auf das riesige Doppelbett fallen und sah zu der stuckverzierten Decke hinauf.
Ohne Probleme hatten sie den Flughafen verlassen und sich mit einem Taxi zu dem Hotel in der Stadt fahren lassen. Und die Webseite des Hotels hatte nicht übertrieben. Die kleine Suite mit einer Teeküche und gigantischem Bad war perfekt ausgestattet.
„Aki, die haben hier einen Whirlpool im Bad.“, grinsend lehnte sich Lauri in den Türrahmen, ließ seinen Blick genüsslich über Akis Körper schweifen.
Mit einem Sprung war dieser auf den Beinen, lugte über Lauris Schulter in das große, in weiß und blau gehaltene Bad.
„Ich finde den müssten wir mal testen, ob er gut ist.“, raunte er dann in Lauris Ohr, leckte blitzschnell über die Ohrmuschel.
Überwältigt von seinen Gefühlen, krallte sich Lauri in Akis Oberteil, beugte den Kopf noch etwas mehr beiseite, damit Aki mehr Spielraum hatte. Dieser zog mit seiner Zunge kleine Kreise über die dargebotene Fläche, saugte sich an einer Stelle leicht fest.
„Aki….keine Knutschflecken.“, kicherte Lauri, wand sich unter den kalten Händen, die sich den Weg unter sein Shirt gesucht hatten.
„Hmm zu spät.“, Aki zog ihn mit sich ins Bad und zeigte ihm im Spiegel den kleinen roten Fleck an seinem Hals.
Lachend strich Lauri darüber, boxte dann Aki in die Seite „Toll nun werden alle da drauf starren und sich fragen, woher der wohl sein mag.“
„Können sie gleich. Ich hab Hunger.“, kritisch sah Aki auf die Uhr. Es war erst nachmittags, aber durch den Flug und die Zeitverschiebung knurrte beiden der Magen.
„Wollen wir uns irgendwo in der Stadt ein Cafe suchen? Mir ist nach was Süßem.“, prüfend sah Lauri in den Spiegel, zupfte die Mütze zurecht.
Knurrend biss ihm Aki in den Hals „Bin ich dir etwa nicht süß genug?“
Lachend umarmte Lauri ihn, hauchte ein Kuss auf die vollen Lippen „Schon, aber von dir kann ich so schlecht ein Stück abbeißen.“
„Dann lass uns etwas zu essen suchen. Und heute Abend hab ich was Besonderes mit dir vor.“
Neugierig stupste Lauri ihn an „Was?“
„Wirst du schon erfahren.“
Während sich Aki ein anderes Oberteil suchte, hockte sich Lauri auf eines der breiten Fensterbretter. Das Hotel war perfekt, keiner würde es bemerken, wenn er morgen Nacht mit seinen Waffen das Zimmer verlassen würde und dann ein paar Stunden später wieder käme. Die Angestellten würden vermuten er war feiern und ihm keine Fragen stellen. Trotzdem war dieser nervöse Knoten nicht verschwunden und er versuchte immer wieder herauszufinden, was das zu bedeuten hatte.
„Lauri? Was schaust du so?“, Aki stand vor ihm, versuchte in seinem Augen zu lesen.
Seufzend legte er seinen Kopf auf Akis schmale Schulter „Irgendwas in mir ist beunruhigt. Da ist so ein Gefühl, das hatte ich noch nie vor einem Auftrag. Als wenn ich meine innere Stimme warnen will.“
Sanft streichelte ihm sein Freund über den Rücken „Das ist bestimmt die Aufregung. Es ist der King, der auf den du solange gewartet hast.“
Leicht nickte Lauri, umfasste dann Akis Gesicht und eroberte dessen Lippen. Immer näher schmiegte er sich an ihn, presste seine Knie in Akis Seiten um ihn festzuhalten. Er liebte es ihn zu küssen, die weiche Zunge mit seiner eigenen zu massieren und über die Lippen zu streifen. Langsam ließ er seine Hände unter Akis Pullover gleiten, spürte die Muskeln am Bauch, kraulte schließlich die feinen Härchen an seinem Nabel. Die andere Hand strich nach oben, nahm eine Brustwarze in Besitz und reizte diese.
Der Kuss wurde nicht unterbrochen auch wenn sich Akis Atmung beschleunigt hatte und er gelegentlich stöhnte, wenn Lauri über seinen Beckenknochen strich.
Auch Akis Hände waren nicht untätig geblieben. Die eine kraulte Lauris Nacken, was dieser besonders gern mochte, die andere strich unter dem Shirt den Rücken auf und ab.
Immer wieder erneuerten sie den gierigen Kuss, ließen minutenlang ihre Zungen in der Luft miteinander spielen, um dann wieder in einem ihrer Münder zu versinken.
Leicht rieb Aki sein Becken an Lauris Schoß, was diesen nun auch aufstöhnen ließ. Hätte sie der knurrende Magen von Aki nicht unterbrochen, wären sie vielleicht auf der Stelle übereinander hergefallen.
Doch krümmte sich Aki kurz zusammen „Man das tut schon richtig weh.“
„Na dann aber los. Vielleicht gibt’s irgendwo Waffeln oder Crepes.“, Lauri hatte in Deutschland einmal Crepes gegessen und konnte seitdem nicht mehr genug davon bekommen.
Sie nahmen sich ihre Jacken und verließen das Zimmer. Die dicken blauen Teppiche schluckten alle Geräusche. Aufmerksam sah sich Lauri um, damit er morgen Nacht ohne viel Aufsehen das Hotel verlassen konnte.
Draußen schien die helle Sonne von einem dunkelblauen Himmel, Schnee glitzerte überall und beide warfen sich immer wieder kleine, verliebte Blicke zu.

~*~*~

Lauri liebte Stockholm, sie hatte all das und noch etwas mehr, was er auch an Helsinki so schätzte. Überall sah und spürte man den Hauch des Königshauses, aber auch die alten Wikinger waren allgegenwärtig. Nicht zuletzt durch die vielen Schilder die zum Museum der Vasa führten. Das alte Schlachtschiff, was sank und nun ein Museum war.
„Aki, wollen wir uns das nachher mal ansehen? Endlich haben wir mal etwas Zeit.“, leicht zog er an dessen Hand und deutete auf eine der Stadtkarten am Wegrand, wo auch der Weg zu dem Schiff eingezeichnet war.
Neugierig sah er sich die kleine Beschreibung an, nickte „Das klingt interessant. Der Weg ist auch nicht so weit.“
Sie liefen durch einen kleinen Park, wo sie aber kaum einer weiter beachtete. Lauri war froh, das sich keiner für sie interessierte. Er wollte kurz vor dem Auftrag nicht durch Starrummel abgelenkt werden, sich weiterhin innerlich sammeln.
Ab und zu streifte Aki seine Hand, lächelte immer und immer wieder. Er sah seinen Freund nun mit anderen Augen. Zwar noch immer Aki, aber auch den Mann den er liebte und von dem er nun wusste, wie er im Bett war.
„Schau mal da vorn. Das sieht gemütlich aus.“, Aki deutete auf eine Häuserreihe auf der anderen Seite der Straße. Es waren alte, manchmal recht schiefe Häuser, restauriert und überall mit kleinen Läden. Und eines davon beinhaltete ein kleines Cafe.
Vorsichtig überquerten sie die recht glatte Straße, lasen die Angebote in der Schautafel durch.
„Kaffee in jeder Art, Tee, Snacks, Kuchen und Crepes. Perfekt.“, ratterte Lauri herunter und zog Aki bereits hinter sich her.
Dieser stolperte fast, nur um gleich darauf wieder gegen Lauri zu prallen, da dieser stehen geblieben war um die Tür zu öffnen.
Sie fanden einen kleinen Ecktisch in einer Nische, von wo aus sie das ganze Cafe im Blick hatten. Alles war in warmen Holztönen gehalten und kleine Lampen tauchten den Raum in sanftes Licht.
„Schön hier, oder?“, Lauri hängte den Mantel an einen Haken gleich neben sich, schnappte sich die Karte.
Aki dagegen sah sich noch etwas um, beobachte die hin- und hereilenden Kellnerinnen die passender weise auch etwas rustikaler gekleidet waren.
„Wow, schau dir mal die Karte an. Das ist unglaublich was die alles haben.“, hungrig ging Lauri die Liste mit den angebotenen Crepes durch. Doch er kannte sich, mit nur einer Mahlzeit im Bauch würde er das Cafe sicher nicht verlassen.
„Zeig mal, ich will erst was herzhaftes.“, Aki nahm ihm die Karte weg, doch Lauri wollte sie wieder.
Peinlich berührt wurden beide hochrot, als eine Kellnerin ihnen grinsend eine zweite reichte und die Getränkebestellungen aufnahm.
Als sich Lauri die kleinen Gerichte ansah, gab sein Magen ein lautes Knurren von sich „Oh, da hat einer Hunger.“
Kichernd versteckte sich Aki hinter der Karte, entschied sich für etwas zu essen „Dann gönn es dir. Ist doch nichts dabei.“
Kurz darauf standen zwei Kännchen mit verschieden zubereitenden Kaffees vor ihnen und sie plauderten leise über den Ausflug zum Wasamuseum.
Unter dem Tisch, wo es keiner sah, hatten sich ihre Hände miteinander verschlungen strichen unablässig über den Handrücken der anderen Hand.
„Ich bin froh, dass du mich doch überredet hast.“, meinte Lauri irgendwann.
Über den Rand seiner Tasse blinzelte ihn Aki an „Ich wäre wahnsinnig geworden vor Angst. Sieh mal, da kommt unser Essen.“
Es wurden zwei Teller mit großen, lecker duftenden Omeletts verteilt und um diese zu verspeisen lösten beide sogar ihre Hände voneinander.
Gefräßige Stille war zwischen ihnen, sie sahen ab und an Gäste kommen und gehen. Die Kellnerinnen schwirrten mit Gläsern, Tabletts oder Rechnungen hin und her.
Sich den Bauch reibend lehnte sich Lauri nach einer Weile zurück „Oh ja, das war wirklich verdammt lecker.“
„Auf jeden Fall. Aber auf was Süßes hab ich jetzt auch Hunger.“, pflichtete ihm Aki bei, nahm sich nochmals die Karte.
Grinsend bestellten beide Crepes mit Schokosoße und Nugat. Wenn sie noch etwas gemeinsam hatten, war es die Leidenschaft für Süßigkeiten. Im Tourbus hatten sie immer eine ganze Kiste voll mit Süßigkeiten. Besonders Sachen mit Nugat oder Marzipan waren gefragt und wurden Riegelweise verdrückt.
Ihr Dessert wurde serviert und sie konnten nicht anders, als sich immer wieder anzugrinsen, schließlich in Lachen auszubrechen. Beiden klebte die Schokosoße im kleinen Kinnbart und zierte die Mundwinkel.
Nach gründlicher Reinigung mit den Servietten tranken sie die letzten Reste des Kaffees und verließen schließlich satt und zufrieden das Cafe.
~*~*~

Mit einem Ächzen fiel Lauri auf das breite Doppelbett, warf seine Jacke irgendwo in das Zimmer. Ihm schmerzten die Füße und er war ziemlich erschöpft. Der Ausflug zu dem Schiff hatte mehr Zeit in Anspruch genommen, als er gedacht hatte.
„Alles o.k?“, Aki beugte sich über ihn, sammelte die Jacke auf.
„Ich bin völlig erledigt.“, murmelte Lauri, rieb sich die Augen.
Leicht strich ihm Aki über die Haare „Dann ruh dich etwas aus. Ich hab schließlich noch eine kleine Überraschung für dich.“
Fürsorglich zog ihm Aki noch den Pullover und die Hose aus, deckte ihn dann zu. Das letzte was Lauri sah, bevor er einschlief war, das Aki die Klamotten aufräumte und die Gitarre in eine Ecke stellte, wo keiner darüber fallen konnte.
Ein seltsamer Duft weckte Lauri, noch mit geschlossenen Augen ergründete er diesen. Es war, als wenn sich Rosen mit dem Duft vom Meer vermischen. Blinzelnd öffnete er die Augen, hörte Wasser im Bad rauschen.
„Aki?“, fragte er einfach und wartete auf eine Antwort.
Einen Augenblick später hörte das Rauschen auf und Aki kam aus dem Bad „He, du bist wach. Geht’s dir besser?“
„Ja. Was hast du gemacht?“
Geheimnisvoll grinsend setzte sich Aki auf das große Bett „Das ist meine Überraschung. Ich war ganz froh, dass du eingeschlafen warst, so konnte ich alles vorbereiten. Komm und sieh es dir an.“
Gespannt folgte er Aki ins Bad, blieb völlig sprachlos stehen. Überall waren Teelichter aufgestellt, deren Licht sich mit der kleinen, schwach leuchtenden Wandleuchte vermischte.
„Oh Aki.“, hauchte Lauri.
Der Whirlpool war mit einer Schaumkrone bedeckt, von dort kam auch der Duft. Und auf einem kleinen Tablett auf der Ablage hinter der Wanne standen Gläser, eine Flasche Wein und ein abgedeckter Teller.
„Gefällt es dir?“, flüsterte Aki, der nun hinter ihm stand.
„Das ist toll. Aki ich liebe deine Ideen.“, lachend drehte er sich um, zog ihn an sich um die vollen Lippen in Besitz zu nehmen.
„Komm, das Wasser wird sonst kalt.“
Unter weiteren kleinen Küssen kleideten sie sich aus und stiegen in das duftende Wasser.
„Ich würde gern wissen was die Hotelangestellten dachten.“, kichert Lauri und entdeckt Rosenblüten die sich im Wasser langsam auflösen.
„Hmm, die haben nicht zu denken. Zumindest nicht bei so was. Und nun….“, er beugte sich zu dem kleinen Tablett, zog es näher.
„Sushi? Wo hast du das denn her?“
„Ganz frisch zubereitet von der Küche. Alle Sorten die du magst und dazu Garnelen im Reismantel.“, grinsend nahm Aki eine Gabel. Ihm war die Kunst mit Stäbchen zu essen verwehrt geblieben, er schaffte es einfach nicht damit umzugehen.
„Aki, du bist einfach wundervoll.“, gierig schnappte Lauri nach einem Stück Fisch mit Reis.
„Ich weiß.“, grinste dieser, goss dann tiefroten Wein in die hohen Gläser, „auf uns, das wir uns gefunden haben und keine Geheimnisse mehr haben müssen.“
„Auf uns.“, lächelte Lauri und nippte an dem schweren Wein.
Erschrocken zuckte er zusammen, als um ihn herum plötzlich das Wasser sprudelte. Aki hatte heimlich die Düsen angeschaltet, grinste unschuldig „Nicht schlecht, oder?“
Schnurrend lehnte sich Lauri zurück, kuschelte sich an Akis Schulter „Oh ja.“
Das warme, blubbernde Wasser umspielte seinen Körper, ließen ihn sich schwerelos fühlen.
„Mund auf.“, befahl Aki und steckte ihm noch ein Stück der Sushi zwischen die Lippen. Etwas von der Sojasoße lief das Kinn hinunter und Aki leckte es zärtlich weg „Du schmeckst ausgezeichnet Lauri.“, kicherte er.
Brummend schloss dieser die Augen, ein paar der Düsen massierten seine schmerzenden Füße, während die anderen immer wieder den Schaum in Wallung brachten.
„Aber Rosenblüten. Das ist wirklich wunderbar romantisch.“, murmelte er, sank noch ein Stück tiefer ins Wasser.
„Denk ja nicht, das das alles war.“, flüsterte ihm Aki ins Ohr, bevor er anfing selbiges mit spitzen Zähnen zu bearbeiten.
Leise keuchte Lauri, ihm kam das Wasser gleich noch etwas wärmer vor.
„Ich möchte dich heute Nacht verwöhnen. Und ich versprech dir, du wirst schwören, das es deine beste Nacht überhaupt war.“, flüsterte Aki mit versautem Unterton.

~*~*~

„Leg dich hin.“, Aki umfasste Lauris Badehandtuch und zog es ihm von den schmalen Hüften.
Das Zimmer war abgedunkelt, die schweren Vorhänge ließen alles Licht draußen. Nur eine kleine Lampe, die mit einem roten Tuch abgedeckt war, warf einen dünnen Lichtschein auf das weiß bezogene Bett. Sie hatten, als das Sushi aufgegessen war und das Wasser kalt wurde, den Whirlpool verlassen.
Erregtes Schaudern jagte eine Gänsehaut über Lauris Rücken, er genoss die Blicke die über seinen nackten Körper huschten. Dadurch fühlte er sich begehrt und konnte sich ausmalen, welche versauten Bilder durch Akis Gedanken huschten.
Langsam, jede Bewegung betonend kroch er auf das riesige bett. Hörte Aki einen Moment nach Luft schnappen, als er gekonnt mit dem Hintern wackelte.
Liegend drehte er sich seitlich, stützte seinen Kopf auf dem Arm ab und sah Aki abwartend an.
Verlangende Blicke brannten heiß auf seiner Haut, er konnte sich vorstellen, dass Aki am liebsten sofort über ihn herfallen würde. Denn die Erhebung unter dessen Handtuch war mehr als offensichtlich.
„Auf den Bauch, Süßer.“, hauchte Aki und schwenkte eine kleine Flasche.
Willig drehte er sich um, konnte nicht anders, als die Beine leicht zu spreizen. Hinter sich senkte sich die Matratze ein Stück und er wusste, dass ihm Aki nun unverholen auf den Hintern starrte.
„He. Willst du mich warten lassen?“, fragte er grinsend, spannte den Po kurz an.
Schon strich eine Hand über seinen Oberschenkel, streifte kurz sein Gesäß und kam auf dem Rücken zum liegen „Nicht so voreilig.“, raunte Aki heiser.
Die Flasche schnappte auf und duftendes Massageöl tropfte auf Lauris Rücken, den Po, wo ein winziges Rinnsal den Weg zwischen die strammen Backen fand.
Lauri spürte, das seine Erregung mit jeder kleinen Bewegung von Aki wuchs, sich fast schmerzhaft in die Laken presste. Doch so einfach würde es sich Aki sicher nicht machen.
Schon begannen dessen Hände das Öl auf dem ganzen Rücken zu verteilen, strichen es in jede kleine Hautpore. Das reizende Spiel daran war aber, das sich Akis inzwischen ebenfalls nackter Körper, immer wieder an Lauri rieb.
Leise stöhnend vergrub Lauri seinen Kopf im Kissen, reckte seinen Po etwas nach oben um mehr von dem Gefühl von Akis Erregung zu spüren. Ab und an glitt dessen steifer Penis zwischen seine Pobacken, worauf er sie leicht anspannte. Die massierenden Bewegungen gerieten immer mehr außer Takt, bis ihn plötzlich Akis kräftige Hände herumrollten.
„Das machst du mit Absicht.“, keuchte er, seine grauen Augen waren lustverschleiert, die Pupillen ungewöhnlich groß.
Mit einem diabolischen Grinsen warf Lauri ihn auf den Rücken, biss zart in Akis Brustwarze „Das ist Absicht.“
Sie rangelten etwas, wobei sich Lauri immer wieder aufreizend an Akis Körper rieb. Das Massageöl verteilte sich auf ihren Körpern, ließ sie glänzend und rutschig werden.
Doch gegen die Kraft, die in Akis Armen ruhte, kam Lauri nicht an. Er fand sich erneut unter Aki wieder, der ihn auf dem Bettlaken festnagelte.
Leicht leckte er über Lauris Brustwarze, ließ sie in seinem Mund verschwinden, um immer stärker daran zu saugen. Stöhnend wand sich dieser unter den Liebkosungen, umfasste Akis festen Po um ihre Becken aneinander zu reiben.
Irgendwie ertastete er mit der anderen Hand die kleine Ölflasche die auf dem Bett lag. Grinsend ließ er wieder den Verschluss schnappen.
Ein überraschtes Keuchen kam von seiner Brust, als das inzwischen warm gewordene Öl über Akis Po ran, sich den Weg suchte, welches es schon bei ihm selbst genommen hatte.
„Hmmm.“, knurrte er, warf den Kopf in den Nacken. Lauris Finger strichen über Akis Po, schlichen sich Stück für Stück dazwischen.
„Ahhh.“, stöhnte Aki nun laut auf, als ein Fingern ein Stück in ihm verschwand.
Dunkel lachte Lauri auf, sah wie Aki die Augen verdrehte „Drehen wir den Spieß einfach mal um.“
Unfähig etwas zu sagen, rieb sich Aki an seinem Körper, wusste nicht wohin mit seiner Lust. Die schmalen Finger von Lauri drangen nun zu zweit in die Enge ein, weiteten sie und machten sie dank des Öls geschmeidig.
„Knie….dich hin.“, Lauri war seiner Stimme vor lauter Lust kaum noch Herr.
Zitternd kam Aki dem Wunsch nach, sein Körper war zum zerreißen gespannt.
Einen Moment genoss Lauri den Anblick, wie sein Freund vor ihm kniete, ihm einladend seinen kleinen, festen Po entgegenstreckte und auf Erlösung wartete.
Mit ölverschmierte Händen umfasste er sich selbst, bereitete sich darauf vor.
„Entspann dich.“, raunte er, setzte die Spitze seiner Erregung an Akis Eingang an.
Ein leiser Schrei, der in lautes Stöhnen überging, zerriss die Stille. Akis Arme sackten ihm weg, er reckte sich Lauri noch mehr entgegen.
„Nimm….mich….“, bettelte er.
Lauris bebte, er spürte eine unglaublich heiße Enge um sich, umfasste Akis Hüften um ihm von sich weg zuschieben. Mit einem leichten Ruck zog er ihn wieder zu sich, beide schrieen ihre Lust heraus.
Immer schneller drang er in Aki ein, seine Bewegungen wurden unkontrolliert, ließen beide stöhnen und schreien.
Als sich Aki begann noch mehr um ihn zu verengen umfasste er dessen Erektion, rieb sie auf und ab.
Der Aufschrei ging in erschöpftes Keuchen über, heiß ergoss sich Aki über Lauris Hand. Mit einem letzen Stoß bäumte sich Lauri auf, verströmte sich ruckweise in Aki.
Schweißgebadet, am Ende ihrer Kräfte brachen sie auf dem klatschnassen Laken zusammen. Keiner konnte sprechen, ihnen fehlten die Worte das gerade erlebte zu beschreiben.
Doch das liebevolle, müde Lächeln des anderen waren Worte genug in dem Augenblick.

~*~*~

Faul zog sich Lauri wieder die Decke über den Kopf, er hatte keine Ahnung wie spät es war und es interessierte ihn in diesem Moment auch nicht.
Vor ein paar Minuten oder vielleicht waren auch schon wieder Stunden vergangen, weckte ihn Aki, der leise aufstand. Da sie auf dem versauten Laken eingeschlafen waren, folgte er Aki unter die erfrischende Dusche und fand in einem Schrank ein neues Bettlaken, welches er rasch ausbreitete.
Neben ihm schnorchelte Aki leise und zufrieden, seine Nase war halb auf das Kissen gedrückt und auf dem Hals prangte ein großer Knutschfleck.
Wieder gähnte Lauri herzhaft, krabbelte dicht zu Aki und ließ sich wieder von der Wärme einlullen. Dessen Haut duftete nach dem hoteleigenen Duschgel, war ganz weich und anschmiegsam. Versonnen strich Lauri mit seinen Fingern den Weg des Brustbeins nach, erfreute sich an der leichten Gänsehaut, die Aki im Schlaf bekam.
Er war nicht mehr richtig müde, aber auch zu faul aufzustehen. Irgendwo in seinem Kopf fing an, der Killer aus seinem dunklen Versteck zu kommen. Heute Nacht war es endlich soweit, er würde diese fies grinsende Visage des Kings wieder sehen. Er hatte sich selbst so genannt, nachdem er das Drogengeschäft in Helsinki regiert hatte. Nun würde er dafür bezahlen.
Doch mit der Erkenntnis, dass es nun endlich geschehen würde, fing dieser seltsame Knoten in seinem Magen an zu wachsen. Es war wieder das Gefühl, etwas würde nicht richtig laufen.
Aber er hatte seine Gedanken in den letzten Tagen auch in eine ganz neue Richtung gelenkt. Was wäre, wenn er diese Sache nicht überlebt. Was dann mit Aki wäre. Und eine Nacht, als Aki tief und fest schlief, hatte sich Lauri mit einem Block feinsten Briefpapiers in die Stube gesetzt und hatte einen Brief geschrieben. Nun trug er ihn bei sich, versteckt in seinem Rucksack. Es war mehr, als nur ein simples Testament, es waren seine Gefühle Aki gegenüber, die er versucht hatte in Worte zu fassen.
„Lauri?“, Akis verschlafene Stimme riss ihn aus seinen Gedanken, kleine, verquollene Augen blinzelten ihn an.
„Hallo. Gut geschlafen?“, zärtlich strich Lauri über die zerzausten Haare.
„Hmmm sehr gut.“, schnurrte dieser leise, reckte sich, „und du? Du siehst so nachdenklich aus.“
Noch etwas näher rückte Lauri zu ihm, malte mit den Fingern unsinnige Muster auf Akis Haut „Ich versuche mich vorzubereiten.“
Einen Moment schnaufte Aki, nickte dann „Wenn du heute Abend Ruhe brauchst, sag es mir.“
„Nein, bleib hier. Dann fühle ich mich wohl. Aber versprich mir, egal was passiert, dass du mir nicht folgst. Bitte. Und…und wenn ich nicht wiederkomme….“
Blitzschnell legte sich Akis Hand auf seinen Mund „Du wirst wiederkommen. Das weiß ich. Hörst du? Du wirst es schaffen.“
Tief sah er in Akis graue Augen, konnte eine Spur von Angst darin entdecken „Ich werde wiederkommen.“
Mit dem Versprechen zufrieden, legte Aki seinen Kopf auf seine Brust und lauschte Lauris Herzschlag.
Mit den Fingerspitzen strich Lauri über Akis nackten Rücken, konnte die Muskelstränge verfolgen. Als sich dieser aufrichtete und seine Lippen besitz ergreifend auf Lauris presste, überließ er sich gern diesen hungrigen Küssen. Akis samtweiche Zunge drang in seinem Mund, forderte seine eigene zu einem kleinen Spiel auf.
Inzwischen war Aki komplett auf Lauris bloßen Körper gerutscht, ihre Haut presste sich der Länge nach fest aneinander.
Lange Zeit lagen sie so da, küssten und streichelten sich immer wieder. Irgendwann warf Lauri doch einen Blick auf den kleinen Wecker.
„Es dauert nicht mehr lange. Lass uns etwas zu essen bestellen. Ich habe noch einiges vorzubereiten.“, unterbrach er seufzend die Liebkosungen
Akis Gesichtsausdruck wandelte sich, er sah nervös aus „Willst du etwas Bestimmtes?“
„Etwas leichtes, ohne viel Fett.“, meinte Lauri, ging ins Bad.
Eine Weile musterte er sein Gesicht im Spiegel, tief in sich war der Killer erwacht, er versuchte so viele Empfindungen wie möglich auszuschalten. Würde er zu viel nachdenken, was geschehen würde wenn es schief ginge, würde er unsicher werden.
Im Zimmer hörte er Aki mit der Rezeption sprechen, verstand etwas von Baguette und Salat.
Gründlich wusch er sein Gesicht, kämmte die schlicht herabfallenden Haare. Er würde sich später anziehen. Erst musste die Stadt zu Bett gehen, bevor er hinausgehen würde.
Die Infos seines Spähers ratterten durch seinen Kopf, er sah die Liste mit den Punkten vor seinem inneren Auge. Er wusste wo er zuschlagen musste und das dieser Ort gefährlich war. Doch er hatte eine Schuld zu begleichen „Für dich, Miro.“, flüsterte er dem Gesicht zu, was er meinte, einen Moment im Spiegel zu sehen.

~*~*~

Leise klapperten die Patronenmagazine, als Lauri sie sorgfältig auf dem Tisch ausbreitete. Hinter ihm auf dem Bett verspeiste Aki die letzten Reste des Salats, man hörte die Salatsblätter knacken.
Gründlich reinige Lauri den Schalldämpfer, ölte den Schraubverschluss etwas und prüfte die Festigkeit des Gummirings an der Mündung. Er hatte sich wieder für seine Lieblingswaffe entschieden. Das matte Metall spiegelte sich nur etwas im Schein der Stehlampe.
Ohne Magazin in der Pistole, nahm er sie, stellte sich vor den langen Spiegel. Er sah sich selbst, die zerzausten Haare, die perfekt sitzende Hose und seine nackte Brust. Genau auf das Herz seines Spiegelbildes richtete er die Mündung.
„Wie fühlt sich das an?“, hinter ihm tauchte Aki auf, sah über seine Schulter.
„Was meinst du?“, er ließ de Waffe sinken.
„Herr über eine Waffe zu sein.“
„Komm her.“, Lauri zog ihn vor sich, sah über Akis Schulter, „halt sie fest, aber nicht verkrampft.“
Ihre Hände umschlossen beide den Griff, Aki legte den Finger an den Abzug „Es ist…..erregend.“, stammelte er.
Langsam ließ er wieder los, was Lauri nutzte, ihm das kühle Metall auf die Haut zu legen „So geht es mir auch. Gefährlich und erregend.,“ die Mündung glitt über Akis nackten Oberkörper was diesen sichtlich anmachte. Er erschauderte unter den Berührungen, presste seinen Rücken an Lauris Brust.
„Wenn ich wieder da bin, packen wir unsere Sachen und nehmen die Fähre nach Turku und von da aus einen Mietwagen. Und dann werden wir beide für eine ganze Weile, ganz allein und ungestört sein.“, flüsterte Lauri in Akis Ohr, küsste die zarte Haut auf der Schulter.
Dann löste er sich von ihm, legte die Waffe wieder auf den Tisch. Schweigend ging er zu seiner Tasche, zog seine Klamotten heraus.
Aki saß auf dem Bett, es brannten nur zwei kleine Lampen in dem großen Raum „Pass auf, dass dich keiner sieht.“
Geschickt band sich Lauri das Kopftuch um, schlüpfte in die weichen Turnschuhe „Und du, öffne niemandem mehr die Tür, halte dich von den Fenstern fern und wenn irgendwas ist, verlasse das Hotel so schnell wie möglich. Ich werde dich finden.“
Stumm nickte Aki, die Sorge war ihm deutlich anzusehen.
In seine Atemübungen vertieft, legte Lauri ein Patronenmagazin in die Waffe, kontrollierte sie ein letztes Mal.
Aus einem Strauß weißer Lilien, die sie sich zusammen mit anderen Blume hatten aufs Zimmer bringen lassen, suchte er sich eine schöne Blüte aus.
„Warum Lilien?“, Aki hatte sich in eine Decke gewickelt, sah Lauri mit großen Augen an.
„Für mich stehen sie für die Reinheit, für das Vergängliche. Ich finde sie wunderschön.“, langsam ging Lauri zum Bett, beugte sich zu Aki, „pass auf dich auf. Es kann spät werden.“
Aki Lippen bebten unter dem sinnlichen Kuss, er schloss seine Augen für einen Moment.
In seinen Mantel gehüllt, ging Lauri zur Tür, lauschte nach draußen. Dann, einem Schatten gleich, war er nach draußen verschwunden, um sich auf den Weg zu seiner Rache zu machen.

<°Sichtweise Aki°>
Unruhig huschte Akis Blick immer und immer wieder zu der blau leuchtenden Digitalanzeige des Weckers. Es war erst eine Stunde vergangen, seit Lauri den Raum verlassen hatte, aber Aki kam es vor, wie ein ganzer Tag.
Er hatte versucht zu schlafen, doch er fand einfach keine Ruhe. Aus Angst, waren alle Lichter gelöscht, nur eine Taschenlampe leg neben ihm. Zwar konnte er Lauri verstehen, das in ihm die Rache brannte. Doch deswegen Menschen zu töten, egal wie böse sie waren, das überstieg Akis Sinne.
Vor draußen fiel etwas Licht von der dünnen Mondsichel herein, doch es drang nicht bis in alle Ecken.
Stumm betete er das Lauri unbeschadet zu ihm zurückkam und sie endlich hier verschwinden könnten.
Müde rieb er sich die Augen, putze anschließenden die Gläser seiner Brille. Verwirrt sah er, als er sie wieder aufsetzte, rote Punkte durch das Zimmer huschen.
„Jetzt geht’s los.“, murmelte er noch entnervt, schob diese Einbildungen auf seine Müdigkeit.
Urplötzlich spannte sich sein Körper an, er sah ein zweites Mal hin. Das war keine Einbildung, das war ein Laserpointer, der durch das Zimmer huschte.
Entsetzt drückte sich Aki an das Bettende, was zwischen den beiden großen Fenstern stand. Lauri hatte ihm zig Mal erzählt, das Killer, die als Scharfschützen arbeiteten, solche Pointer nahmen.
Panisch begriff er, dass scheinbar jemand hinter ihnen her war und sie nun gefunden hatte.
„Lauri.“, schoss es aus Aki heraus. Er folgte dem Pointer mit den Augen, versuchte sich zu erinnern was gegenüber dem Hotel war. Doch da war nichts außer einem alten Bürogebäude. Dort musste der Scharfschütze sitzen.
Lautes Sirenengeheul ließ ihn zusammenzucken, draußen fuhr ein Polizeiwagen vorbei. Und im gleichen Moment erlosch der Pointer.
Wie von der Tarantel gestochen sprang Aki auf, riss die Vorhänge vor die Fenster. Im Schein der kleinen Nachttischlampe zog er sich wahllos einige Kleider an. Auf dem Tisch sah er das Metall der zweiten Waffe aufblitzen. Ehe er wusste was er tat, hatte er sich diese genommen, dazu das Magazin was daneben lag.
Schnell und ohne Aufsehen verließ er das Hotel, er wusste wo Lauri war und er wusste genauso, dass es nun um Sekunden ging. Die Waffe ungeschickt ladend, rannte er los.

~*~*~

Die kalte Nachtluft setzte sich in kleinen Wassertropfen auf Lauris Wollmantel fest. Der Boden schimmerte im Schein der Straßenlaternen glänzend glatt.
Es war nicht weit, doch er lief langsam, machte seine Gedanken frei. Die Sorgen um Aki verblassten, er wusste, dieser würde auf sich allein aufpassen können.
Langsam näherte er sich einem alten, verfallenen Industriegebiet in der Nähe der Werftanlagen. Sein Späher hatte herausgefunden, dass der King neben seinem Drogengeschäften auch Boote stahl, diese umlackierte und nach Russland verkaufte.
Einmal in der Woche kam der King wohl zu später Stunde in die Fabrikhalle, um sich seine Errungenschaften anzusehen. Und genau dort wollte Lauri ihn abpassen.
Inzwischen war aus dem Nebel feiner Schneefall geworden, der die Geräusche um ihn herum noch mehr abdämpfte.
Fröstelnd zog Lauri die Schultern hoch. Seine Hände steckten wieder in den hautengen Lederhandschuhen, damit sie nicht zu kalt wurden.
Misstrauisch sah er sich zwischen den alten Fabrikhallen um, überall rosteten große Löcher in die Flachdächer, waren die Fensterscheiben geborsten oder eingeschlagen worden.
Der Boden war mit Unrat übersäht und kurz zuckte er zusammen, als vor ihm eine fette Ratte über den Weg huschte.
Nervös spielten seine Finger mit dem Pistolenhalfter unter seinem offenen Mantel, lauschte er auf jedes noch so kleine Geräusch.
Wenn er sich nicht geirrt hatte, müsste es die nächste Halle sein, wo der King die Boote versteckte. Immer wieder war er die Karten durchgegangen, hatte sich von Aki abfragen lassen.
Rasch suchten seine Augen die Halle nach einem Eingang ab. Eines der großen Tore war ein Stück aufgeschoben, ein Lichtstrahl erhellte die Pfützen vor dem Eingang.
Mit einem Klicken entsicherte er seine Waffe, betrat blitzschnell die Halle, nur um sofort wieder im Schatten, hinter einer alten Maschine abzutauchen.
Vor ihm, auf großen Holzbohlen standen drei kleine Motorboote, wovon noch eines feucht vom neuen Lack glänzte.
Der Gestank des Lacks ließen Lauri die Nase kräuseln, er schüttelte sich kurz und suchte dann sein Opfer. Gerade, als er sich näher herantrauen wollte, sah er ihn.
Der King war einen Kopf größer als er, seine schwarzen langen Haare sahen aus wie in Öl getaucht. Am Jackenrevers prangte eine goldene Taschenuhr, die Schlangenlederschuhe klapperten auf dem alten Betonfußboden.
Selbst aus seinem Versteck heraus konnte Lauri den Goldzahn in der grinsenden Visage erkennen. Dieser Mensch war durch den Tod und das Verderben anderer armer Seelen reich geworden.
Ein letztes Mal sammelte sich Lauri, dann trat er aus seiner Deckung hinaus und richtete seine Waffe auf den King.
Einen Moment zuckte dessen Mundwinkel, er sah sich der Waffen gegenüber.
„Wer bist du denn?“, fragte er mit einem fast spöttischen Unterton.
„Du Schwein hast meinen Freund auf dem Gewissen.“, fauchte Lauri.
Grinsend kratzte sich der King an seinem Doppelkinn „Hmm, ich glaube ich erinnere mich. Wirklich schade um das arme Kerlchen. Aber er hatte einfach kein Geld mehr. So ein Pech aber auch.“
„Halt dein verdammtes Maul, du Ratte!“, schrie Lauri und zielte.
Doch ehe er abdrücken konnte, hörte er neben sich ein metallisches Klicken.
Laut lachend deutete der King mit dem Finger in den Schatten „Trottel! Denkst du wirklich ich würde mir allein die Zeit hier totschlagen. Darf ich vorstellen? Björn, früher Bärentöter in Nordschweden.“
Aus dem Schatten tauchte ein riesiger Mann auf, sein Gesicht war von einer zentimeterdicken Narbe verunstaltet und er zielte mit einer Pistole auf Lauris Kopf.
Im gleichen Moment zog auch der King eine Waffe und richtet diese seinerseits auf Lauris Herz.
„Tausende kleiner Teenieherzen werden wohl brechen, wenn sie erfahren das ihr Liebling tot ist.“, säuselte der King mit verstellter Stimme.
Todesangst machte sich in Lauri breit, nun da es zu spät war, wurde ihm bewusst was sein inneres Gefühl gemeint hatte. Er war in eine Falle getappt, aus der es kein Entrinnen gab.
Er spürte wie eine Träne über seine Wange lief, seine Gedanken galten nun ganz allein Aki, der im Hotel auf ihn wartete und nicht ahnte, dass er Lauri nie wieder küssen dürfte.
Dann fielen Schüsse….


~*~*~

Alles raste wie im Zeitraffer an Lauri vorbei. Plötzlich hörte er einen Schuss, im gleichen Moment schrie jemand seinen Namen lauter, als es je ein Mensch getan hatte. Weitere zwei Schüsse fielen in unmittelbarer Nähe.
Doch alles wurde überflutet von einem stechenden Schmerz, der sich wie Feuer in seinem Arm ausbreitete, kurz darauf seinen ganzen Körper erfasste.
Seine Knie sackten ihm weg, hart schlug er auf den Boden auf. Doch er hörte einen weiteren dumpfen Schlag. Neben sich konnte er eine Gestalt erkennen, die rechte Gesichthälfte fehlte fast vollständig, dafür war dort eine große klaffende Wunde, aus der Blut sickerte. Erst mit dem zweiten Blinzeln erkannte er den Typen mit der Narbe wieder. Gerichtet durch einen unprofessionellen Kopfschuss.
„Lauri? Lauri! Sag was!“, eine Stimme schrie ihm ins Ohr, er wurde geschüttelt. Als er eine nicht gerade zimperliche Ohrfeige bekam, kehrte sein Geist wieder in seinem Körper zurück.
„Was?“, brachte er hervor, spürte noch immer den rasenden Schmerz im Arm.
„Gott, du lebst.“, es war Aki, der neben ihm kniete, die andere Waffe in seinen zitternden Händen hielt.
Endlich schaffte es Lauri sich umzusehen. Neben dem Typen mit dem Kopfschuss, lag etwas weiter weg der King in einer immer größer werdenden Blutlache, die Kugel hatte scheinbar die Lunge zerfetzt.
„Aki…du…?“, stammelte er.
„Erzähl ich dir alles dann. Warte, du bist verletzt, zieh die Jacke aus.“, er schälte Lauri aus dem Mantel, entdeckte den aufgerissen Ärmel am linken Oberarm.
„Nur…ein Streifschuss.“, murmelte Lauri, Schwindel erfasste ihn.
Hektisch suchte Aki seine Taschen ab, fand eine Packung Tempos. Zusammen mit Lauris Kopftuch verband er die blutende Wunde so gut wie es ging.
„Komm Lauri, wir müssen weg hier. Draußen fahren überall Streifenwagen herum. Du hast es geschafft, er ist tot.“, trotz Aki selbst wie Espenlaub bebte, zog er Lauri auf die Beine.
Unsicher taumelte Lauri näher zur Leiche des Kings „Du hast es nicht anders verdient. Ich hoffe du musstest leiden.“, dann warf er die Lilie auf den toten Körper.
Aki hantierte hinter ihm herum, plötzlich schoss Wasser aus einem Rohr „Los, die Spuren müssen verwischt werden und nun komm.“
Verwundert folgte Lauri ihm nach draußen, wo sie sofort im Schatten der nächsten Fabrikhalle untertauchten.
„Das Wasser?“
Beruhigend legte Aki ihm eine Hand auf den gesunden Arm „Es wird abfließen und dein Blut wegwaschen. Wir müssen ins Hotel und deine Wunde versorgen.“
Sie taumelten beiden so sehr das man eher vermutete hätte, sie wären Sturzbetrunken und hätte nicht gerade zwei Morde mit angesehen.
Lauri hatte sich wieder den Mantel angezogen, damit niemand den Verband sah. Aber der Schmerz wurde immer stärker, er wollte schreien, aber gleichzeitig nur noch schlafen.
Wie durch Watte drang Akis Stimme zu ihm. Er erzählte ihm von dem Laserpointer und davon, dass er einfach losgerannt war.
„Ich bin müde.“; murmelte Lauri.
„Nein, schlaf jetzt nicht ein. Noch nicht. Lauri, komm schon, da vorn ist das Hotel.“, immer mehr musste Aki ihm beim laufen helfen.
In der Einganghalle stütze er Lauri auf die Kante eines Sofas, ging zur Rezeption und redete leise mit dem Nachtportier. Nachdem er diesem hundert Euro zugesteckt hatte, wurde ihm eine neue Schlüsselkarte ausgehändigt und Aki zog Lauri mit sich.
„Was…hast du gesagt?“, Lauri wurde an die Wand des Fahrstuhls gelehnt.
„Das du so besoffen bist, das ich ein Zimmer mit getrennten Betten und einem zweiten, separaten Klo haben wollte. Mir fiel nichts Besseres ein.“
Trotz der Schmerzen musste Lauri grinsen „In Ausreden warst du….schon immer gut.“
Der Fahrstuhl hielt und ein paar Schritte später, ließ Aki ihn in ihrem neuen Zimmer auf eines der Betten sinken.
Kurz darauf klopfte es „Hier ist der Zimmerservice, ich habe ihre Taschen und Utensilien.“
Vorsichtig öffnete Aki, ließ dann aber erleichtert den in Uniform gekleideten jungen Mann ein. Sorgfältig und ohne Lauri weiter zu beachten, stellte er alles ab, legte die Gitarre auf das Sofa und holte von dem kleinen Gepäckwagen noch die Waschsachen.
„Ich hoffe ich habe nicht vergessen. Und der Portier bat mich Ihnen das zu geben.“, damit überreichte der Junge noch einen Kasten, verschwand dann.
„Was hast du da?“, Lauri lag bewegungslos auf dem Bett.
„Hab erzählt du hättest betrunken in eine kaputte Flasche gegriffen. Verbandskasten und Aspirin.“, mit diesen Worte begann Aki ihn auszuziehen.
Die Wunde war nicht tief, doch die Wundränder klafften recht stark auseinander. Lauri bekam eine Aspirin und danach steckte ihm Aki eines der kleinen Handtücher etwas in den Mund.
Trotzdem schrie Lauri auf, wie das Desinfektionsmittel die Wunde berührte. Sorgfältig prüfte Aki mit der Lupe ob Schmutz in der Wunde war, nahm dann Wundcreme und verband den Arm geschickt.
Dank der Aufregung, der Erschöpfung und vor allem wegen der Schmerzen, fiel Lauri noch während der Behandlung in tiefen Schlaf. Alles war vorbei und er war in diesem Augenblick mit seinem Leben davongekommen.


~*~*~

Mit einem dumpfen Pochen in Arm und Kopf, schlug Lauri die Augen auf. Schmerzhaft stach ihm Tageslicht in die Augen, er stöhnte gequält auf.
„Lauri?“, Akis Stimme kam von irgendwo aus dem Raum, er hörte Rascheln und schließlich Schritte.
„Hmm.“, er schaffte es nicht den Mund aufzubekommen. Alles fühlte sich an wie mit viel zu viel Watte ausgestopft.
„Komm, mach die Augen und schau mich an.“, liebevoll strich ihm Aki über die Haare.
Unter größten Anstrengungen schaffte es Lauri zu Aki hinauf zu sehen „Was ist los?“
„Erinnerst du dich an die Nacht? Du hast einen Streifschuss.“
Wie Aki das alles erwähnte, kamen auch die Erinnerungen zurück „Das Zimmer, die Fähre.“, murmelte er.
„Ganz ruhig. Setz dich erstmal auf.“, vorsichtig stopfte Aki ihm einige Kissen in den Rücken, setzte sich aufs Bett, „ich habe mit der Rezeption gesprochen. In etwa einer Stunde bekommen wir die Fahrkarten für die Viking Line nach Turku. Wir nehmen die Nachtfähre die kurz nach zwanzig Uhr heute abfährt. Ich habe für uns eine Luxuskabine außen gebucht. Und in Turku bekommen wir einen Jeep geliehen, den können wir an jeder Autovermietung wieder abgeben.“
Tief atmete Lauri durch, strich über Akis Wange „Du hast mir mein Leben gerettet. Ich kann es nicht fassen.“
Sanft küsste Aki die Innenfläche der Hand „In diesem Moment wusste ich doch selbst nicht, was ich tat.“
Ein Klopfen an der Tür ließ sie auseinander fahren, Aki ging zur Tür und rief „Ja bitte?“
„Zimmerservice.“
Scheinbar fiel Aki wieder ein, dass er diesen gerufen hatte, er schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn, ließ den Jungen mit dem Servierwagen ein.
„Ihr Essen und es wurde das hier für Mister Ylönen abgegeben.“, rasch überreichte der Junge einen Umschlag, nahm das Trinkgeld im Empfang und verschwand wieder.
„Was ist das?“, Lauri reckte den gesunden Arm aus, um den Umschlag entgegen zu nehmen.
„Weiß nicht.“, Aki war damit beschäftigt den kleinen Wagen zu Lauris Bett zu schieben.
Es war eine Nachricht von Jere und ein Brief von Teemu. Beide beglückwünschten Lauri zu dem erfolgreichen Auftrag. Teemu bedauerte, das Lauri beinah ums Leben kam und lobte Aki für seinen Mut.
„Hier.“, Lauri nahm die fünf Bündel Geld und reichte sie Aki, „damit besorgen wir uns in Turku noch ein paar Klamotten und reichlich Vorräte.“
„Jetzt lass die Sache erstmal ruhen. Du musst wieder gesund werden.“, Aki nahm ihm den Umschlag weg, schob ihn in seinen Rucksack, „iss was. Du brauchst Kraft.“
„Ja Mama.“, ein leichter Schlag auf dem Oberschenkel folgte, bevor ihm Aki eine Schüssel mit Suppe in die Hand drückte.
„Da, gibt dann noch mehr.“, energisch sah Aki ihn an und sofort begann Lauri zu essen.
Brav aß Lauri die Suppe, bekam dann einen Teller mit Reis und Geschnetzeltem.
„Aki, nun schau mich nicht so an. Es ist nur eine Schramme.“
Ein Schnauben kam von dessen Seite „Dafür, dass es nur eine Schramme ist, hast du gestern getorkelt wie halb tot und geschrieen, als wenn ich dir den Arm abschneiden würde.“
Rote Flecken bildeten sich auf Lauris Wangen, er stocherte beschämt in seinem Essen „Tut mir leid. Du hast ja recht. Aber ich will es einfach nicht wahr haben, das ich es hätte nicht überleben können.“
Beruhigend umschloss Aki seine Hand „Bald sind wir raus aus der Stadt und dann kannst du alles vergessen.“
Seufzend stellte Lauri den Teller weg, schmiegte sich an Akis Schulter „Es ist vorbei. Miro ist gerächt und mit ihm viele andere zerstörte Seelen.“
„Auch wenn ich es nie völlig verstehen werde, so akzeptiere ich es.“, dann stellte Aki seinen Teller beiseite, sah auf die Uhr, „geh dich duschen, ich werden anfangen zu packen. Etwa eine Stunde zuvor müssen wir einchecken.“
Mit zittrigen Knien erhob sich Lauri, sammelte sich einen Moment, bevor er in das kleine Bad tappte. Als er sich in dem kleinen Spiegel sah, erschrak er. Seine Augen waren rot unterlaufen, die Haut blass und schmutzig.
Schaudernd schälte er sich aus seiner Hose, Aki hatte es scheinbar nicht geschafft sie ihm auszuziehen. Mit zusammengebissenen Zähnen wickelte er den Verband an seinem Arm ab, die Kompresse war mit der Wunde verklebt. Etwas Blut trat aus, als er sie abzog.
Durch die Hitze der Kugel war die Haut verbrannt, doch Akis rasche Desinfektion hatte Schlimmeres verhindert.
Trotzdem schossen Lauri ein paar Tränen in die Augen, als die Wunde mit dem warmen Wasserstrahl aus der Dusche in Berührung kam. Erst nach einigen Momenten hatte er sich daran gewöhnt, wusch Schmutz und Reste der Creme ab.
Sauber und mit einem weniger wattigem Gefühl im Kopf, stieg Lauri schließlich wieder aus der Dusche, wickelte sich in eines der große Badehandtücher.
Im Zimmer lief der Fernseher und Lauri kam gerade zum Sofa, als der Newsflash kam.
„Guten Tag, meine Damen und Herren.“, die junge Sprecherin sah auf ihre Zettel, „heute, in den frühen Morgenstunden, wurden in einer verfallen Fabrikhalle in der stockholmer Werft zwei Leichen gefunden. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei, muss es sich beim Täter erneut um den Lilienkiller handeln. Den ersten Pressemeldungen nach zu urteilen, war aber dieses Mal eine weitere Person beteiligt. Nach polizeilichen Angaben wurden die Morde unprofessionell ausgeführt. Es gibt wieder keinerlei Spuren, da der Boden mit Wasser überflutet war. Bei den Toten handelt es sich…..“
Aki dreht den Ton leiser, sah zu Lauri hinüber „Sie werden nichts finden, die Waffen sind hier und es gibt kein Blut.“
Stumm setzte sich Lauri dicht zu Aki, ließ sich in eine sichere Umarmung ziehen „Es ist vorbei.

~*~*~

„Herzlich Willkommen an Bord der Viking Line. Ich hoffe, Sie werden eine angenehme Reise haben.“, die junge Stewardess öffnete mit einem Lächeln die Tür zur Kabine.
Ein Laufbursche schob ihr Gepäck in das Zimmer, ließ sie dann allein. Alles war in maritimen Farben gehalten, draußen vor dem kleinen Bullauge sahen sie den Hafen von Stockholm, der immer kleiner wurde. Leicht vibrierte der Boden, wie die Maschinen ihre Fahrt aufnahmen und den Weg nach Âland einschlugen.
Erschöpft setzte sich Lauri auf das breite Doppelbett, die Schmerzen hatten wieder zugenommen und er kramte nach Aspirin. Doch schon reichte ihm Aki ein Glas, indem sich eine Tablette auflöste.
„Bequem, nicht wahr?“, Aki inspizierte das winzige, aber trotzdem moderne Bad, setzte sich dann neben Lauri, „morgen früh, kurz vor acht legen wir in Turku an.“
„Sehr gut.“, murmelte Lauri müde. Dieser ständige Schmerz, der mehr in seinem Kopf, als in seinem Arm hämmerte, machte ihm zu schaffen
„Leg dich doch etwas hin. Wir können doch später etwas essen. Hier hat alles die ganze Nacht über offen.“, Aki schüttelte die Kissen auf, hielt Lauri einladend die Decke hin.
„Und was machst du solange?“, vorsichtig legte er sich hin, polsterte den verletzen Arm mit einem Kissen.
„Die kleine Dusche einweihen.“, sorgsam deckte Aki ihn zu küsste, sanft die blassen Lippen, „ruh dich aus. Wir sind in Sicherheit.“
Tief atmete Lauri durch, kuschelte sich in die weiche Decke und sah Aki noch etwas zu. Dieser kramte in seiner Reisetasche, suchte sich frische Kleidung heraus.
Die Geräusche lullten Lauri ein, und als dann das Wasser im Bad anfing zur rauschen, driftete er in eine ruhige Traumwelt ab.
Er stand am Meer, die Sonne neigte sich langsam dem Horizont zu und vor ihm auf den Wellen schaukelten große, silberne Segelschiffe. Menschen standen an Bord, winkten anderen Leuten, die überall an dem Strand standen. Dort waren alte Menschen, aber auch junge Frauen und Männer, einige Kinder. Jeder schien auf den Schiffen jemanden zu erkennen, denn sie winkten und riefen Worte.
Doch dann konnte Lauri ein Gesicht ausmachen, er hob den Arm und winkte Miro zu. Dessen Gesicht erhellte sich, er lächelte und winkte zurück.
Langsam lösten sich die Taue, die Schiffe hissten die schneeweißen Segel und mit einer leichten Böe bewegten sie sich fort von dem Kai. Immer kleiner wurden sie, segelte in einem großen Konvoi dem Sonnenuntergang entgegen. Lauri wusste das er nun Miro endgültig reisen lassen könnte.
Er spürte eine Träne auf seiner Wange, murmelte „Wir sehen uns wieder, alter Freund.“, bevor die Schiffe am Horizont verschwanden.
Etwas anderes schlich sich zu ihm, ein Arm der sich um ihn legte, die Wärme eines Körpers. Die Augen, der er beim Anblick der verblassenden Schiffe geschlossen hatte, öffnete er nun wieder und sah Akis graue Augen, die ihn voller Liebe anblickten.
„Du hast im Schlaf gesprochen.“, murmelte Aki, seine Haut duftete nach Duschbad.
Noch immer sah Lauri die Bilder in seinem Kopf „Da war das Meer, ein Sonnenuntergang. Und auf großen, glänzenden Schiffen standen Menschen. Und Miro war dort. Ich glaube sie sind ins Jenseits gefahren. Es war wunderschön. Die Farben und dieser Frieden.“, stammelte er verwirrt, spürte das seine Augen feucht wurden.
Ohne ihm weh zu tun, nahm Aki ihn in seine Arme „Ja, das muss der Weg zum Paradies gewesen sein. Und du hast Miro seine Überfahrt ermöglicht. Sicher wird es dort, wohin er nun reist, wunderschön sein.“
Schluchzend verbarg Lauri sein Gesicht an Akis Brust „Es war so friedlich. Am Ufer standen andere Menschen und keiner weinte, sie sahen glücklich aus. Aber…da waren auch Kinder auf dem Schiff. Aki es war so…so…..“, ihm fehlten die Worte, er weinte stumm weiter, klammerte sich fest an seinen Freund.
„Schsch, ist ja gut. Ich denke, jeder der einen Menschen verlor, hat so die Möglichkeit noch einmal Abschied zu nehmen.“, beruhigend streichelte ihm Aki über den bebenden Rücken, trocknete die großen Tränen.
Stück für Stück beruhigte sich Lauri wieder, wischte sich über die schmerzenden Augen „Es war wunderschön.“
Leicht lächelte Aki, fuhr durch Lauris Haare, um sie glatt zu streichen „Ist ja gut. Du bist ja ganz aufgewühlt. Weißt du was, du machst dich jetzt etwas frisch. Und dann nehmen wir unsere dicken Jacken und schauen uns an Deck den Vollmond an. Was meinst du?“
Schniefend wickelte sich Lauri aus der Decke, drehte sich nochmals zu Aki „Ich kann dir gar nicht sagen, wie gut es ist, das du hier bist.“

~*~*~

Laut krachend zerbarsten Eisschollen unter dem Gewicht der Fähre. Nur ein paar kleine Scheinwerfer erhellten die Wasseroberfläche kurz neben dem Schiff. Auf dem schwarzen Wasser schwammen große, lose Eisschollen wie einsame Inseln in einem unwirklichen Meer.
Kalt wie eine Scheibe aus gelblich weißem Eis stand der Mond hoch am Himmel. Sein Licht warf helle Flecken auf das Oberdeck.
Gefrorener Schnee knirschte laut unter ihren Schritten, Lauri ging voran, darauf bedacht über keine Stufen oder Eisklumpen zu steuern. Gleich hinter ihm lief Aki, der sich mit seinen Schritten Lauri völlig anpasste.
Für einen außen stehenden Betrachter sah dieser schleichende Gang auf dem Deck einem vorsichtigen Tanz ähnlich. Zwei Tänzer, darauf bedacht, die gleichen Schritte zu machen, um den anderen nicht aus dem Takt zu bringen.
Leicht blieb der Wolle von Lauris Handschuhe am Geländer kleben, als er stehen blieb und die Arme abstütze „Unheimlich und doch schön, nicht wahr?“
Weiße Atemwolken standen vor Akis Mund, er atmete tief die schneidend kalte Luft ein, sah über die schwarze Ostsee „Ja, fast gruselig. Man könnte sich vorstellen, dass hier irgendwo zwischen den Eisschollen Wesen lauern, wie keiner von uns sie kennt. Und die sich dann doch wieder aus Angst verstecken.“
Ganz weit entfernt, dass man es kaum erkennen konnte, blinkte ein Licht in der Dunkelheit.
„Ob das bereits Âland ist?“, fasziniert starrte Lauri zum Horizont.
„Kann gut möglich sein, wir legen irgendwann gegen drei bei den Inseln an.“, er rückte näher zu Lauri, da dieser anfing leicht mit den Zähnen zu klappern.
„Nein, lass mich noch einen Moment. Es sieht so schön aus.“, versonnen sah Lauri in die dunkle Nacht. Zwischen den Eisschollen quoll immer wieder schwarzes Wasser nach oben, ergoss sich über das Eis, um wieder zu verschwinden.
„Vielleicht kommt uns ein Eisbrecher entgegen, die Schollen sehen schon sehr dick aus.“, Aki zog die Jacke fester um sich, schlug die Kapuze mit dem Fellrand hoch.
„Kann gut möglich sein. Aber vielleicht ist zu Finnland hin die Küste auch frei. Das Wetter schlägt seltsame Kapriolen.“
Ein heftiges Zittern durchfuhr Aki „Lass uns bitte reingehen. Es ist kalt und du bist noch nicht auf dem Posten.“
Mit einem letzten Blick sah Lauri zum Mond hinauf, bevor er Aki ins warme Innere des Schiffes folgte.
Es war wie der Sprung in eine andere Zeit. Es liefen einige Leute herum, die meisten gingen zum Vergnügungsdeck, wo ein kleines Casino und ein Restaurant die ganze Nacht über offen hatten. Andere kamen aus dem Duty Free Shop, beladen mit Alkohol und Zigaretten.
„Was hältst du davon, wir trinken etwas Warmes und essen was? Ich hab einen Bärenhunger.“, Aki legte den Kopf leicht schief, putzte die beschlagene Brille.
Schmunzelnd nickte Lauri, mochte den Anblick eines halbblinden, herumblinzenden Akis, der kaum die Hand vor Augen richtig erkennen konnte „Klingt gut. Ich hab auch Hunger.“
Es waren sehr viele ältere Leute auf dem Schiff, einige schienen nur bis zu den Inseln zu fahren, sie hatten ihre Taschen und Rucksäcke schon neben sich stehen.
Gerade wurde am Fenster ein Tisch frei, den Aki sofort ergatterte und Lauri grinsend aus der Jacke half.
„Aki, aus dir wird noch mal ein richtiger Gentleman.“, kicherte Lauri und nahm die Speisekarte.
Kurz zwinkerte dieser, nahm sich die andere Karte.
Ein paar der anderen Gäste musterten sie neugierig, tuschelten hin und wieder leise. Doch so was waren sie gewohnt und machten sich nicht daraus. Sie hatten gemerkt, das, wenn sie sich normal und unauffällig benahmen, auch andere sie in Ruhe ließen.
Als erstes bestellten sie sich eine große Kanne Tee, denn Aki maulte leise „Mein Bauch ist total kalt.“
Lachend legte lauri die Karte beiseite „Du bist und bleibst eine Frostbeule.“
Frech streckte er ihm die Zunge raus „Selber, du rennst immer mit drei Pullovern und zwei Schals durch die Gegend.“
Bevor Lauri ihn kneifen konnte, kam jemand und nahm ihre Bestellungen auf.
Draußen war tiefste Nacht, ab und an tauchte mal eine blinkende Boje auf oder Lichter die vielleicht zu anderen Schiffen gehörten. Ansonsten war sie völlig allein hier.
Gähnend reckte sich Aki, leise knackte ein Rückenwirbel „Ich könnte jetzt glatt Winterschlaf machen.“
„Dazu fehlt dir aber der dicke Pelz und der Speck. Außerdem, was soll ich die ganze Zeit ohne dich machen?“, großzügig kippte sich Lauri Zucker in den Tee.
Lächelnd berührte Aki einen Augenblick seine Hand „Kannst ja mit in meine Höhle kommen.“
Ihre Blicke trafen sich, Lauri musste grinsen, als Aki die Lippe hochzog und seine weißen Zähne präsentierte „Du bist unmöglich.“
„Ich weiß.“, meinte er noch stolz, bevor das Essen serviert wurde.

~*~*~

„Au.“, maulte Lauri, zuckte zusammen als Aki den Verband löste.
„Tut mir leid, die Wunde nässt etwas. Das müssen wir auswaschen.“, Aki ließ Lauri sich auf den Klodeckel setzen und machte einen Waschlappen nass.
Schmerzhaft zuckte Lauri wieder zusammen, als Aki die Reste der Wundcreme abtupfte „Wie sieht’s aus?“
Konzentriert sah sich Aki das aufgerissene Fleisch an „Besser, es hat sich Schorf gebildet. Bald werden auch die Schmerzen nachlassen.“
Die ganze Zeit hielt Lauri so still wie möglich, ließ eine neue Wunderversorgung über sich ergehen „Es wird eine Narben geben, oder?“
„Sicherlich, du musst die Stelle, auch nach dem abheilen, immer schön eincremen.“, aus dem Schrank nahm Aki neue Mullbinden und band den Arm wieder ein.
Sie verließen das Bad, gingen in den schwach beleuchtenden Wohnraum, wo das kleine Bullauge geöffnet war.
„Brrr, kalt.“, fröstelnd zog Lauri die Schultern hoch.
Gähnend schloss Aki das Fenster, zog sich wie Lauri die Kleidung aus und beiden krabbelten in Boxershorts unter die warmen Decken.
Lauri konnte nicht genug davon bekommen mit Aki zu kuscheln. Dieser hatte dann nicht, wie seine Ex Freundinnen, das dringende Bedürfnis ununterbrochen zu reden. Meist war es Lauri der Aki etwas fragte.
Ohne Brille blinzelte Aki recht hilflos herum, stellte noch das Wecksignal auf dem bordeigenen Digitalwecker ein.
Sie hörten wie die Maschinen die Fahrt verlangsamten, es huschte immer wieder ein kurzer Lichtstrahl eines Leuchtturms durch das Zimmer.
„Wir werden bald auf den Inseln anlegen.“, flüsterte Aki, rieb sich die kleinen Augen.
Wortlos schmiegte sich Lauri näher an ihn „Die erste Nacht in Stockholm hab ich dir beim Schlafen zugesehen. Und du hast immer wieder gelächelt. Was hast du geträumt?“
Einen Moment überlegte Aki, dann erzählte er „Dass wir in Hawaii sind. Weißt du noch unseren Urlaub da? Ich fand das so toll dort. Und ich hab uns beide an einem weißen Sandstrand gesehen, das Meer war türkis und überall blühten exotische Blumen.“
Auch vor Lauris Augen entstand dieses Bild, fast meinte er den Geschmack von Kokos auf seinen Lippen zu spüren „Ja, ich erinnere mich. Die ganze Zeit habe ich dich bewundert, wie mühelos du Surfen gelernt hast. Und du hattest eine tolle Figur auf dem Brett gemacht.“
„He, hier schwärmt ja jemand.“, kicherte Aki, nahm ihn fester in seine Arme, begann mit einer Hand kleine Kreise auf Lauris Rücken zu ziehen.
„Jetzt kann ich es dir ja auch endlich sagen. Es gab Momente, da hätte ich dich mit Haut und Haaren auffressen können.“, kichernd biss er leicht in Akis nackte Schulter.
Mit einem liebevollen Lächeln beugte sich sein Freund über ihn und eroberte zärtlich seine Lippen. Genießerisch seufzte Lauri in den Kuss, schlang seinen gesunden Arm um Akis nackten Rücken. Immer wieder saugte dieser an seiner Unterlippe, nahm sie zwischen die Zähne um sich Einlass zu verschaffen. Nach endlosen Momenten, die Aki darum bettelte, gewährte ihm Lauri Zugang zu seinem Mund erwartete seine samtweiche Zunge. Neckisch spielte Aki mit seiner Zunge, fing sie ein um sie gleich wieder los zu lassen.
Ein kribbelndes Gefühl rann durch Lauris Körper, er fühlte sich schwerelos und wohl. Diese Küsse machten ihn süchtig und je öfter Aki ihn küsste, desto mehr wollte er davon.
Auch die Wärme die Akis Körper fortwährend ausstrahlte, ging auf Lauri über. Sanft strich er über den zarten Rücken von ihm, spürte die feinen Knochen der Wirbelsäule. Während Lauri gern zu etwas Winterspeck neigte, war und blieb Aki immer dünn und schlaksig. Und das, obwohl er manchen Tag von früh an, bis spät in die Nacht, laufend irgendetwas in sich hinein stopfte. Dazu trank er manchmal auch noch drei Flaschen Cola oder andere süße Limos.
Langsam ließ Aki von ihm ab, hauchte Lauri noch einige kleine Küsse auf die Lippen. Halt suchend legte Lauri seine Hand auf Akis Hüfte, robbte so dicht an ihn, das ihre Bäuche aneinander lagen.
„Sieht aus wie zwei schwangere Austern.“, kicherte Aki, stopfte die Decke hinter Lauris Rücken fest.
„Eher ist eine schwanger und die andere nur zum Schein.“, gluckste Lauri.
Gähnend streichelte Aki über Lauris Haare „Schlaf gut meine schwangere Auster. Bald sind wir da.“
„Schlaf auch gut. Schön, das du mit schwanger bist.“
Ein letztes Lachen, ein kleiner Kuss und sie schliefen dicht aneinander gekuschelt ein.

~*~*~

„Lauri! Ach komm schon. Man nun hör doch auf zu schmollen.“, verzweifelt lief Aki neben ihm zu dem Autoverleih am Rand des Hafens.
Doch Lauri würdigte ihm keines Blickes, seine Taschen fest umklammert, stürmte er weg von der Fähre. In ihm glühte die pure Eifersucht.
Bevor das Schiff in Turku angelegt hatte, waren sie in dem Restaurant frühstücken gewesen. Ein junger Steward hatte sie bedient und Aki mehr als eindeutig angeflirtet. Dieser war davon so überrascht, dass er den Steward angelächelt hatte. Das nutze dieser sogleich und hatte Aki um ein Autogram gebeten. Lauri, der daneben saß wurde mit keinem Blick gewürdigt. Als Aki dann auch noch meinte, dass der Typ ganz nett gewesen war, war Lauri der Kragen geplatzt und wutentbrannt war er in die Kabine gestürmt
Seitdem wechselte er kein Wort mehr mit Aki. Zu groß war die Eifersucht und er fühlte sich auch ziemlich verletzt. Vielleicht übertrieb er in dem Moment, aber er hatte solange um Aki gekämpft, dass er immer Angst hatte, dieser würde es sich doch noch anders überlegen.
Scheinbar hatte Aki für den Moment aufgegeben, denn er knurrte nur „Na gut, dann eben nicht. Ich werd sehen ob sie Geländewagen oder so was haben.“
Unsicher sah ihm Lauri nach, hockte sich missmutig auf einen Poller, der die Ausfahrt absperrte. Das schlechte Gewissen begann an ihm zu nagen. Manchmal reagierte er wirklich viel zu heftig und hatte gleich darauf Gewissensbisse.
Auf dem überdachten Parkplatz lief Aki, zusammen mit dem Händler, zu einer Reihe von geländegängigen Wagen. Er sah nicht zu Lauri, sein Gesicht wirkte verschlossen.
Langsam war Lauri dem Zweifeln nahe, er wusste nicht wie Aki das nun sah. Ob er sich wieder abregte oder Lauri zum Schluss irgendwo auf der Fahrt aussetzte. Andererseits war Lauri aber selbst dran Schuld, er hatte schließlich Aki angeschwiegen.
„Mister? Wollen Sie einen Mistelzweig kaufen?“
Erschrocken sah Lauri hoch, vor ihm stand ein junges Mädchen mit einem Korb in der Hand. Drin lagen kleine und große grünliche Zweige mit weißen Früchten.
„Wie viel kostet ein Zweig?“, er suchte in seinen Taschen nach einigen Münzen.
„Einen Euro.“
Lauri drückte ihr einen zwanzig Euro Schein in die Hand, suchte sich einen Zweig heraus „Hol dir da drüben einen warmen Tee.“
Sie strahlte überglücklich „Danke, vielen Dank.“, verschwand dann zwischen den anderen Leuten auf dem Kai.
Vorsichtig verstaute Lauri den Mistelzweig in seinem Rucksack. Vielleicht könnte er sich damit irgendwie bei Aki entschuldigen.
Hupen ließ ihn aufsehen, ein silberner Jeep kam auf ihn zugerollt, hielt neben ihm „Ich fand den am besten. Sitzheizung, Navigationssystem und bequem.“, Aki stieg aus, öffnete die Heckklappe.
Schweigend räumten sie die Taschen ins Auto, Lauri stellte seinen Rucksack in den Fußraum des Beifahrersitzes.
Aki hatte recht, die Sitze waren weich und wohlig warm, alles war groß und in hellen Tönen gehalten.
„Hab einen Automatik genommen.“, murmelte Aki noch und ließ den Motor anspringen.
„Warte.“, blitzschnell legte ihm Lauri eine Hand auf den Arm, das Brummen erstarb, „Aki….es tut mir leid.“, stammelte er herum, „ich bei ein Trottel. Aber der Typ hat dich so sehr angegraben, dass bei mir einfach eine Sicherung rausflog. Bitte, ich will nicht das wir uns jetzt tagelang anschweigen.“
Eine ganze Weile schwieg Aki, seine Hände hatte er auf das Lenkrad gestützt „Ich hab nicht kapiert, warum du so sauer geworden warst. Aber ich glaube ich versteh es langsam.“
Unsicher wechselten sie einen Blick, Lauri kramte den Mistelzweig aus dem Rucksack „Ich liebe aber nur dich.“
Nun zauberte sich ein Lächeln auf Akis Lippen „Ich dich doch auch.“
Mit einem Seitenblick vergewisserten sie sich, dass keiner beim Auto stand und küssten sich kurz, aber gefühlvoll unter dem Mistelzweig.
„Den hängen wir an die Schlafzimmertür.“, gluckste Aki und ließ endlich den Motor an.
Vorsichtig reihte sich Aki in den morgendlichen Berufsverkehr ein, mit dem Ziel zur Tiefgarage des größten Einkaufscenter. Eine ganze Liste an Kleinigkeiten war ihnen noch eingefallen und davon wollten sie möglichst viel hier noch kaufen.
Lauri spürte, das er über das ganze Gesicht grinste. Er war überglücklich, dass der kleine Streit vorbei war und Aki ihm verziehen hatte. Aber besonders freute er sich auf eine lange Zeit, die er nun mit Aki allein verbringen könnte, wo niemand stresste und sie ihre kleine, frische Liebe vollkommen genießen könnten.


~*~*~

Lachend stand Aki zwischen den Umkleidekabinen und besah sich Lauri, der vor dem Spiegel auf und ab hüpfte „Nein….Lauri….hör auf.“, er musste sich bereits an einer Wand festhalten.
„Gib zu, ich seh aus wie das Michelinmännchen.“, grinsend versuchte Lauri, nicht über die viel zu langen Beine der Skihose zu fallen.
Seit zwei Stunden schon suchten sie sich durch die Auslage eines großen Klamottenladens, aber Lauri wurde einfach nicht so recht fündig. Er wollte eine warme Skihose, aber die waren ihm grundsätzlich zu lang, dass er aussah wie aufgehängt.
Noch immer lachend sah Aki über die Etage mit Klamotten, bis ihm etwas ins Auge fiel „Ha, ich hab eine Idee. Lauf nicht weg.“
„Wie denn?“, murmelte Lauri noch, der wieder in seine Kabine schlurfte. Ihn ärgerte es, dass keine der Hosen passte. Bei anderen Hosen war es doch auch so, dass die Länge perfekt war, aber die Skihosen konnte er gleichzeitig noch als Schuhe nehmen.
Mühevoll schälte er sich aus der Hose, warf sie zu den anderen auf einen Stapel. Etwas zufriedener betrachtete er sich anschließend die Auswahl an Jeans und Pullis. Vorhin hatte er zusammen mit Aki immer wieder neue Sachen anprobiert und das Geld von Jere verprasst.
Im Spiegel sah er den Verband an seinem Arm, es schmerzte kaum noch und die Wunde schloss sich.
„Lauri?“, Aki lugte durch die Schwingtür, grinste über seinen Anblick in Socken und Shorts.
„Hast du was?“
Aki gab ihm eine Hose „Probier die mal.“
Gespannt zog Lauri sie an, strahlte über das ganze Gesicht „Die passt, ich fass es ja nicht. Aki wo hast du die her?“
Vorsorglich wich Aki ein Stück zurück „Kurzgrößen.“
Schnaubend schubste Lauri ihn aus der Kabine „Jaja, mach du dich nur lustig. Ich sag’s ja, das sind die drei Zentimeter die mein Verhängnis sind.“
Besänftigend klopfte Aki auf den gut gepolsterten Po „Na komm, lass uns endlich bezahlen und abhauen. Sonst sind wir morgen früh noch nicht da.“
Die Dame an der Kasse staunte nicht schlecht, als sie wahre Berge an Klamotten auf den Tisch warfen und Lauri ohne die Mine zu verziehen, einen Stapel Banknoten über die Theke schob.
Erst, als sie im voll gepackten Auto saßen, lachten sie aus vollem Hals. Denn die gleichen Szenen hatten sich zuvor in einer Drogerie und in einem Supermarkt abgespielt.
Zur Musik im Radio pfeifend, bog Aki auf die Straße, die von Turku hinaus in die Weiten Lapplands führte.
„Was meinst du, wie lange wir brauchen?“, Lauri nippte an seinem Becher Milchkaffee, knabberte ein Donut.
„Gute Frage, wenn die Straßen frei sind, vielleicht zwei oder drei Stunden. Und dann noch eine Weile durch den Wald holpern.“, das Ortsausgangsschild huschte an ihnen vorbei, Aki beschleunigte.
Lauri genoss die leichte Wärme an seinem Rücken, die Sitze waren in allen möglichen Varianten verstellbar und er lümmelte zusammengesunken neben Aki.
Tage hätte er mit ihm fahren können, denn Aki fuhr so entspannt und ruhig das es eine Wohltat war. Dagegen hasste er es mit Pauli zu fahren, der Lauris Meinung nach manchmal dachte einen Panzer unter dem Hintern zu haben. Nur wenn Aki in seinem Ferrari saß, wurde er mal übermütig, aber niemals in anderen Autos.
„Jetzt geht schon wieder die Sonne unter.“, murmelte Aki und suchte den Schalter für die Scheinwerfer.
Der Horizont färbte sich zartrosa, tiefrote Wolken verdeckten immer wieder die sinkende Sonne.
Gebannt sah Lauri nach draußen, verfolgte andächtig dieses Naturschauspiel. Als sich Akis freie Hand zu seiner schlich und sie sanft drückte, war er überglücklich.
„Jetzt ist es wirklich vorbei.“, seufzte Lauri leise, strich über den verletzten Arm. Im Stillen betete er auch darum, das nun auch seine Alpträume vorbei wären, lang genug hatten sie ihn gequält.
Als die Sonne schließlich hinter dem Horizont verschwunden war und die zeitige Nacht anbrach, nahm sich Lauri eine Decke von der Rückbank.
„Und es stört dich wirklich nicht?“, fragte er Aki.
„Schlaf ruhig. Du siehst wieder blass aus. Wenn etwas ist, wecke ich dich.“, kurz sah er zu Lauri, lächelte ihn an.
Wälder huschten vorbei, Begrenzungspfähle schienen vor dem hellen Licht der Scheinwerfer fliehen zu wollen. Und überall glitzerte immer wieder Schnee an Bäumen oder dem Straßenrand auf.
Eine Weile versuchte Lauri noch wach zu bleiben. Doch die monoton vorbeihuschenden Bäume, die leise Musik und vor allem die Wärme, drückten seine Augen zu.


~*~*~

Lauri verschlief fast die ganze Fahrt. Irgendwann merkte er, dass Aki gehalten hatte und leicht an ihm rüttelte.
Bis auf „Klo.“, verstand er nichts, knurrte nur, als Aki die Fahrertür aufmachte und kalter Wind ins Auto kam. Eine Weile später ging die Fahrt weiter, Kaffeeduft stieg ihm in die Nase und er hörte Aki etwas kauen.
Doch statt wieder wach zu werden, sank er nur tiefer zurück in den Schlaf. Die letzten Tage hatten an seinen Kraftreserven gezehrt und nun forderte sein Körper den Tribut dafür.
Er merkte nicht, dass Aki irgendwann von der Schnellstraße abbog und auf kleinen Landstraßen weiter ruckelte. Die Landschaft änderte sich immer mehr, schwarze Seen tauchten zwischen den dünnen Wäldern auf. Schneefall hatte wieder eingesetzt und die Flocken tanzten vor den Scheinwerfern auf und ab.
Neben der Lichtreklame eines Supermarktes, am Eingang eines kleinen Ortes hielt das Auto.
Leichtes Rütteln schrak Lauri auf, er sah sich hektisch um „Was?“
„He. Guten Abend.“, gluckste Aki.
Gähnend rieb er sich die Augen, sah sich um „Wo sind wir?“
Die Scheibenwischer schabten über die Windschutzscheibe, leise brummte der Motor.
„Am Abzweig zu den Waldstraßen. Aber ich weiß die Abfahrten nicht mehr und hab keine Lust mich bei dem Schnee zu verfahren.“, mit einem Piepen erstarb das Navigationssytem.
Mühsam spähte Lauri auf die Fläche, die von den Scheinwerfern erhellt wurde.
In seinem Kopf entstand die Route zu der Hütte „Da runter und dann gleich rechts.“
Den Anweisungen folgend, rumpelte der Jeep den Waldweg hinunter. Immer wieder griff der Vierradantrieb, viele Stücken des Weges waren mit Eis bedeckt, wieder andere von Wurzeln.
Konzentriert sahen beide in die Nacht hinaus, um Hindernisse zu erkennen und nicht den Weg zu verlieren.
„Da vorn.“, meinte Lauri irgendwann und deutete zu einen Haus, was im Scheinwerferlicht abseits des Weges auftauchte.
Vorsichtig, um nicht gegen einen Baum zu schliddern, ließ Aki das Auto neben das Haus rollen, wo ein ziemlicher eingeschneiter Carport stand.
„Willkommen in der Villa Ylönen.“, grinste Lauri und wedelte mit dem Schlüsselbund.
Mit einer Taschenlampe bewaffnet, suchten sie einen Weg zur Treppe, die zum Haus führte. Drinnen war es dunkel, kalt und roch etwas abgestanden.
Während Aki weiter Taschen und Beutel aus dem Auto holte, schaltete Lauri in einer kleinen Kammer den Strom ein, drehte das Wasser wieder auf und stopfte Holzscheite in den Heizkessel.
„Lass uns das alles morgen auspacken.“, meinte Aki, der verschneit vom Auto zurückkam.
Prüfend berührte Lauri den kleinen Heizkörper in der Wohnstube „Langsam werden sie warm.“, hängte dann ihre nassen Jacken daneben.
„Wir könnten morgen auch den Kamin anfeuern. Find ich irgendwie romantisch.“, lächelnd zog Aki ihn in seine Arme und küsste Lauris kalte Lippen.
Schnurrend schmiegte sich Lauri näher an den warmen Körper „Gern. Lass uns ins Bett gehen, es ist mitten in der Nacht.“
Gemeinsam gingen sie ins Schlafzimmer, zogen die große Tagesdecke vom Bett, warfen sich dann halbnackt und kichernd auf die weichen Matratzen.
„Morgen haben wir viel zu tun.“, gähnte Lauri, robbte dicht zu Aki und ließ sich in die Arme nehmen.
Im Schein der Nachttischlampe wickelte Aki den Verband von Lauris Arm ab „Ich denke das müsste auch ohne den gehen.“
„Denkst du die Polizei wird es je herausfinden?“; fragte Lauri unvermittelt.
Man sah Aki an, das er seine Antwort abwog „Ich weiß es nicht. Vielleicht legen sie es auch zu den ungelösten Fällen und es gerät in Vergessenheit. Doch sie haben, wenn überhaupt, nur kleinste Spuren. Mach dir bitte nicht so viele Gedanken. Wir sind hier weit ab von allem und nur die Jungs wissen bescheid.“
Seufzend schloss Lauri die Augen, strich mit seinen Fingerkuppen über Akis nackte Brust „Solange du da bist ist alles in Ordnung.“
Aki hob Lauris Kopf an, küsste ihn erneut und streichelte seine Wange „Ich werde dich nie verlassen. Lass uns schlafen.“
Draußen segelten weiter dicke weiße Flocken zur Erde, füllten die Spuren im Schnee wieder auf und hingen für winzige Augenblicke an den Fensterscheiben bevor sie, nach einem Blick auf die schlafenden Gestalten, zerschmolzen.

~*~*~

Klappern und Kaffeeduft weckten Lauri am nächsten Tag. Gähnend reckte er sich, bis leise einige Gelenke knackten. Er fühlte sich frisch, ausgeruht und verdammt hungrig.
Die Nase in die Luft reckend stand er auf, stellte dabei fest, dass es inzwischen angenehm warm im Haus war.
„Morgen Schatz.“, wurde er in der Küche von einem grinsenden Aki in Boxershorts begrüßt.
„Morgen.“, murmelte Lauri noch verschlafen, holte sich einen kleinen Kuss ab, „wie lange bist du schon auf?“
„Nicht lange. Aber ich hab die Einkäufe aufgeräumt, den Heizkessel angefeuert und das Wasser wird auch warm.“, aus einem Schrank nahm er zwei Tassen, stellte sie mit auf den Ecktisch bei den Fenstern.
„Das schaut gut aus.“, neugierig sah Lauri in den Backofen, wo ein paar Brötchen goldgelb wurden. Er ging rasch ins Bad, würde sich später duschen. Derzeit hatte er noch Sorgen, das das Wasser mittendrin wieder kalt werden würde. Erst musste der große Wasserboiler warm werden, dann konnte man an richtig heißes Wasser denken.
Gerade als die Brötchen aus dem Ofen kamen, stand Lauri wieder in der Küche.
„Wir können dann auslosen, wer welchen Weg frei schippt. Es ist alles völlig eingeschneit.“, Aki goss starken, tiefschwarzen Kaffee ein.
Gierig trank Lauri einen Schluck, lehnte sich dann zurück um sich am Bauch zu kratzen. Erst nach ein paar Momenten registrierte er das Grinsen von Aki, der nun wieder an seinem Kaffee nippte.
„Mach ruhig weiter.“, lächelte er versaut.
Lauri spürte wie seine Ohren begannen zu glühen, er schnappte sich ein Brötchen und schnitt es akribisch auf.
Das Schaben der Stuhlbeine ließ ihn aufblicken, Aki setzte sich nun genau neben ihn.
„Was Süßes?“, er tauchte den Finger in das Marmeladenglas und hielt ihn vor Lauris Nase.
Einen Moment huschte dessen Blick vom Finger, zu Aki und öffnete schließlich seine Lippen. Langsam tauchte Akis Finger in seinen Mund und die süße Kirschmarmelade zerfloss auf seiner Zunge. Blitzschnell umschlang seine Zunge die Fingerspitze, saugte den Finger tiefer in den Mund. Haargenau beobachtete er Akis Gesicht, sah das gewisse Glitzern in dessen Augen, spürte wie sich Akis Atem beschleunigte. Ohne ihn aus den Augen zu lassen, zog nun Lauri die Marmelade zu sich, versenkte seinen Zeigefinger in der kühlen Masse.
„Mund auf.“, raunte er und strich etwas der Marmelade auf Akis Lippen. Mehr vor Verblüffung, als wegen Lauris Aufforderung öffnete er den Mund und ließ den Finger ein.
Die feuchte Wärme von Akis Mund umschloss nun auch Lauris Finger. Sie saßen sich gegenüber, spielten mit ihren Zungen am Finger des anderen. Ihre Blicke sprachen Bände, das Begehren, die Gier nach dem anderen blitzte aus ihnen.
Mit leichtem Widerstand entzog Lauri seinen Finger den sanften Saugattacken von Aki, legte seine freie Hand in dessen Nacken um den Abstand zwischen ihnen zu verringern.
Süß und klebrig trafen ihre Lippen aufeinander, verschmolzen zu einem innigen Kuss. Auf Akis Zähnen erwischte er noch etwas von der Marmelade, verteilte sie auf ihren Zungen.
Die Eckebank knarrte protestierend, als sich Aki aufs Lauris Schoss hockte, vorsichtig mit einer Hand den Tisch weg schob, der sich ihm in den Rücken presste.
Lauris Hände legten sich auf Akis Po, um ihn zu halten, er fand diesen kleinen Überfall gewagt, denn viel Platz war nicht. Doch weiche Lippen an seinem Hals lenkten ihn wieder ab.
Behutsam saugte sich Aki Stück für Stück an der weichen Haut fest, zog sie zwischen die Zähne, um sie danach wieder freizulassen. Er wusste genau, das Lauri absolut willenlos wurde, wenn Aki ihn am Hals küsste.
Lauris Kopf sackte auf die Lehne der Bank, krallte seine Hände in Akis festen Po, der sich unter der dünnen Boxer abzeichnete. Er fühlte nicht die Lust in sich sofort mit Aki zu schlafen, vielmehr war es die Lust dessen Berührungen zu fühlen, die Nähe und Liebe.
Irgendwann war sein Hals scheinbar mit genug Knutschflecken übersäht, denn Aki ließ ab, legte seinen Kopf auf Lauris Schulter „Das sieht witzig aus.“
Leise brummte Lauri, betastete die angeschwollene Haut „Du bist unersättlich.“
Kichernd langte Aki nach dem inzwischen lauwarmen Kaffee „Ich weiß.“
Mit einer erneuten akrobatischen Einlage rutschte er danach wieder neben Lauri, kuschelte sich an dessen Seite.
„Ich würde duschen wollen.“, murmelte Lauri, biss in sein Brötchen.
Grinsend ließ Aki den Bund von Lauris Boxern schnappen „Ich komm mit. Für zwei wird das warme Wasser nicht reichen und ich dusch sicher nicht kalt.“
Beide mussten sich an frühere Urlaube erinnern, mindestens einer von den Jungs kam immer kreischend aus der Dusche gesprungen, weil das Wasser mit einem Schlag eiskalt geworden war.
Grinsend verputzten sie die anderen beiden Brötchen, ließen sich Schokocreme, Marmelade oder Honig schmecken.
„Haben wir auch Wurst?“, kaute Aki.
„Glaube nicht. Müssten wir vorn an die Straßen zum Supermarkt fahren oder laufen, brauchen sicher noch mehr.“
Prustend verschluckte sich Aki „Fahren? Dazu müssen wir erstmal das Auto ausgraben. Ich würde auch die Schneeketten aufziehen.“
Gähnend reckte sich Lauri erneut „Eines nach dem anderen. Erstmal gehen wir jetzt duschen.“
Lachend und sich neckend verließen sie den Frühstückstisch, schubsten sich gegenseitig in das große Bad. In einer Ecke war die großzügige Dusche, es gab sogar eine Wanne und in eine Wand war eine kleine Holztüre eingelassen. Dahinter befand sich ein kleiner Gang mit einer Tür die sich zum See hinunter öffnete und dann zu einer gemütlichen Sauna führte.
Sie streiften sich die Boxer ab, prüften, ob das Wasser wirklich warm war. Küssend und den anderen streichelnd, duschten sie sich kurz, aber gründlich. Irgendwann aber, als Aki gerade Lauris Po umfasste, kreischten sie erschrocken auf. Prustend und trotzdem lachend flohen sie vor dem plötzlich kaltem Wasser und hüllten sich in die weichen Bademäntel.

~*~*~

Laut knirschte der Schnee unter Lauris Schuhen, mit aller Kraft stemmte er sich gegen die Schneeschaufel. Unweit von ihm arbeitete sich Aki von der Haustüre zum Carport.
Lauri hatte entschieden den Weg in Richtung des Bootssteges frei zu schippen. Was ihn überraschte, trotz der Eiseskälte und dem vielen Schnee war der See nur an den Rändern etwas zugefroren. Schon am Ende des Steges schlugen kleine dunkle Wellen an die Pfeiler.
Schnaufend stützte er sich auf den Schieber, wischte den Schweiß von der Stirn. Aber ihm tat es gut, sich an körperlich schwerer Arbeit anzustrengen. Es verwischte die Erinnerungen an die Geschehnisse der letzten Tage und gab ihm ein zufriedenes Gefühl.
Plötzlich gab es ein seltsames Geräusch hinter ihn, gleich darauf einen erschrockenen Jauchzer von Aki.
Als sich Lauri umdrehte, musste er unwillkürlich anfangen zu lachen. Das Dach des Carports war leicht abgeknickt, das sich nicht zuviel Schnee darauf sammelte. Und genau in dem Moment, wie Aki darunter schippte, hatte sich ein Stück der überhängenden Schneelast gelöst und Aki begraben.
„Man lach nicht.“, maulte Aki und strampelte in dem Schneehaufen herum. Überall in der Kleidung verschwand der Schnee, schlich sich bis an die nackte Haut heran.
So schnell es ging, stapfte Lauri zu ihm, half ihm aus dem Schnee „Sorry, aber das sah einfach zu herrlich aus.“, gluckste er vergnügt.
Grummelnd klopfte sich Aki den Schnee ab, warf ein wenig davon nach Lauri „Warte du, wirst schon sehen was du davon hast.“
„Nicht schmollen Aki. Komm wir schaufeln die Wege zusammen fertig und gehen wieder ins Warme.“
Während Lauri dann die Ausfahrt des Carports frei schippte, zog Aki auf den Jeep die Schneeketten auf.
Es war eine wundervolle Stille, nur die Natur zauberte einige Hintergrundgeräusche. Der Schnee knirschte leise, ein paar Bäume knarrten im leichten Wind, der vom See kam.
Die nächsten Nachbarn waren etwa eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt und die kleine Straße, die zum Haus hin durch immergrüne Ginsterbüsche verdeckt wurde, war mehr ein Forstweg und wurde kaum benutzt.
Zusammen marschierten sie zu Lauris angefangenem Weg und schippten auch diesen frei. Gerade als Lauri einen Moment nicht aufpasste, spürte er plötzlich einen Stoß im Rücken. Erschrocken schrie er auf, fand sich mit dem Gesicht zuerst im Schnee wieder.
„Tja das hast du nun davon.“, lachte Aki und drehte ihn auf den Rücken.
„Nein Aki. Wehe dir.“, drohte ihm Lauri noch, aber schon fand eine große Handvoll Schnee den Weg auf seinen bloßen Bauch. Kreischend wand er sich unter Aki, die Kälte war ekelhaft und breitete sich rasend schnell rund um den Bauch aus. Das langsam entstehende Wasser rann seine Seiten hinab oder suchte sich den Weg unter den Hosenbund.
„Friede?“, Aki kniete über ihm und hielt noch mehr Schnee in der Hand.
„Pah.“, schnaubte Lauri, schubste Aki mit Schwung von sich, um seinerseits Schnee in Akis Klamotten verschwinden zu lassen.
Lachend und Quiekend rauften sie sich auf dem Schnee, seiften den anderen immer wieder ein. Irgendwie hatte es Aki zwischendrin geschafft, die Brille in eine Tasche zu stecken, bekam prompt eine Ladung Schnee in sein Gesicht.
Doch schließlich gewann Aki die Überhand, nagelte den völlig durchnässten Lauri unter sich fest „Und?“
„Du bist der Größte.“, fiepte Lauri erschöpft, seine Stimme war völlig heißer.
„Will ich meinen. Und als Strafe kochst du das Mittagessen.“, grinsend half Aki ihm auf, klopfte die dicken Schneeklumpen von der Jacke. Die Schneeschaufeln stellten sie gleich neben die Tür, streiften auf dem Abtreter die Schuhe ab.
Polternd betraten sie das Haus, wo die Stube inzwischen wundervoll warm war.
„Gib deine nassen Sachen, die hängen wir auf.“, fürsorglich pellte Aki ihn aus seiner Jacke und den anderen Klamotten.
Während Aki anschließend versuchte den Kamin in Gang zu bekommen, schlurfte Lauri in seinen viel zu großen Freizeitklamotten in die Küche, um ein deftiges Mittagessen zu zaubern. Weil Aki sie so liebte, briet er eine große Pfanne Bratkartoffeln mit Speck und Ei.
Schon beim anbraten kam Aki schnüffelnd in die Küche, strahlte „Oh lecker.“
„Aber noch nicht fertig. Was macht das Feuer?“, Lauri schob ihn von der heißen Pfanne weg.
„Da schau selbst. Brennt und rußt kein bisschen.“, stolz schwellte er seine Brust.
Lachend wand sich Lauri wieder der Pfanne zu „Jaja, der Mann hat die Natur besiegt.“
Ein Kniff in den Po folgte, dann biss ihm Aki leicht in die Schulter „Du bist manchmal so….“
„Na wer wird denn? Oder willst du doch keine leckeren, krossen Bratkartoffeln mit viel würzigem Speck.“, Lauri wusste, das er von einem Ohr zum anderen grinste.
Murrend ließ Aki ab, setzte sich auf einen Stuhl und verschränkte die Arme „Gemein.“
Kichernd nahm Lauri einen Löffel, fischte eine Kartoffelscheibe aus der Pfanne und hielt sie Aki vor die Nase „Du bist so süß, wenn du schmollst.“

~*~*~

Leise knackten die Holzscheite im Kaminfeuer, die Geräusche vermischten sich mit dem Rascheln von Papier und gleichmäßigen Atemzügen.
Lauri lag auf dem Bauch, hatte sich seinen Stapel an Musikzeitschriften und andere Magazine auf den kleinen Tisch neben der breiten Couch gelegt.
Endlich hatte er ausreichend Zeit, den neuesten Klatsch und Tratsch aus dem Musikerbusiness zu verfolgen. Neben ihm, eine Hand auf Lauris Rücken liegend, schlief Aki tief und fest.
Anscheinend hatte dieser sich am Mittagessen überfressen, zumindest war er danach nur noch zum Sofa gegangen, hatte sich zugedeckt und kaum das Lauri neben ihm lag, war er eingeschlafen.
Sich die Augen reibend sah Lauri aus dem Fenster, was unweit des Sofas war. Dichte weiße Flocken segelten auf die Erde, das kleine Dach, was zur Sauna gehörte, war unter Schneemassen begraben.
Wieder vertiefte er sich in einen Artikel, genoss Akis schlafenden Körper neben sich. Unbewusst war er näher an ihn herangerückt, spürte den Atem leicht über seinen Arm streifen.
Sicher, sie würden auch mal etwas unternehmen, die Gegend erkunden oder in das kleine Dorf gehen. Doch derzeit sehnten sie sich nach Ruhe und Erholung. Besonders Lauri machte sich noch immer Gedanken, ob die Sache auffliegen würde. Nervös hatte er vorhin die Weltnachrichten verfolgt, doch es wurde schon gar nicht mehr erwähnt.
„Lauri?“, winzige graue Äuglein blinzelten ihn an, Aki zupfte leicht an seinem Ärmel.
„Ausgeschlafen?“
„Nee, aber du blätterst so laut um.“
Glucksend legte Lauri die Zeitschrift weg „So was kann nur von dir kommen.“
Besitz ergreifend schlang Aki seine Arme um Lauri, kuschelte sich an dessen Brust „Du warst vorhin unruhig. Haben die Nachrichten etwas gesagt?“
Es überraschte Lauri immer wieder, wie haargenau Aki seine Ängste und Sorgen deuten konnte, es ihm einfach an der Nasenspitze ansah.
„Nein, gar nichts mehr.“, murmelte Lauri und grub seine Nase in Akis weiche Haare. Seit neustem war dieser vernarrt in Shampoos, die nach exotischen Früchten oder Kräutern rochen. Und Lauri liebte es, wenn Aki danach duftete, er beruhigte ihn geradezu. Spielerisch ließ er einige Strähnen durch seine Hand gleiten, massierte mit den Fingerspitzen die Kopfhaut.
Schnurrend legte Aki den Kopf auf das Kissen, zerging fast unter der sanften Massage. Immer enger schmiegte er sich an Lauri, umarmte diesen erneut.
„Irgendwie hab ich kalte Füße.“, murmelte Aki aus dem Kissen hervor, lugte zu Lauri.
„Und was willst du dagegen machen?“
Kurz kaute Aki nachdenklich auf seiner Lippe „Wenn wir uns die Sauna warm machen? Ich meine nicht glühend heiß, aber so das wir etwas schwitzen und uns schön warm wird.“
Leichtes Rot schlich sich auf Lauris Wangen, bevor er nickte „Klingt sehr verlockend.“
Er ließ Aki unter der Decke liegen, schlenderte ins Bad und suchte zwei große Handtücher aus dem Schrank.
In der Sauna feuerte Lauri den kleinen Ofen an, warf einen Scheit nach dem nächsten ins Feuer. Zufrieden sah er, wie das kleine Thermometer in die Höhe kletterte. Noch den Eimer mit Wasser gefüllt und daneben stellte er den Korb mit den Saunazubehör.
„Lauri?“, er hörte Akis Stimme durch den schmalen Gang zwischen Sauna und Haus schallen.
„Hier bin ich. Die Sauna ist gleich heiß.“, er verließ den Raum und ging zu Aki, der auf dem Rand der Wanne saß.
Dieser schlang seine Arme um Lauris Bauch, lehnte seinen Kopf dagegen und seufzte „Es ist immer wieder schön, dich so berühren zu können, wie ich es mir so lange gewünscht habe.“
„Aber ich habe dich in Gefahr gebracht. Und du wirst immer in Gefahr sein, denn andere Dealer werden auf der Suche nach mir sein.“
Nun sah er auf, sein Blick traf den von Lauri „Es war es mir wert. Zwar bin ich in Gefahr, aber ich habe dich gefunden und das ist die Hauptsache. Noch viel länger hätte ich diese Ungewissheit nicht ausgehalten. Jeden Tag sehnte ich mich nach dir, konnte dich sehen, umarmen, aber immer nur als bester Freund.“, Aki hatte sich erhoben, stand nun vor Lauri. Sanft berührten sich ihre Nasen, rieben einen Moment aneinander, bevor ihre Lippen aufeinander trafen und sich sanft neckten.
Ein unglaublich warmes, geborgenes Gefühl machte sich in Lauri breit, er schlang seine Arme um Akis schmalen Körper, drückte ihn an sich. Nie wieder wollte er ihn loslassen, Aki sollte für immer bei ihm sein und er würde ihn beschützen.
„Die Sauna wartet.“, flüsterte er schließlich an Akis Lippen, spürte unter dessen Shirt die recht kühle Haut.
Stück für Stück fiel die Kleidung auf den Boden, sie wickelten sich kurze Saunakilts um die Hüften und tappten barfuss über die Holzbohlen zur Sauna. Aki hielt sich an Lauris Hand fest, da er ohne Brille fast gegen die Tür gelaufen wäre.
Warme Luft schlug ihnen entgegen, sie hockten sich auf die kleinen Bänke und Lauri goss mit dem Schöpflöffel Wasser auf die Steine. Es zischte einmal laut und feuchter Nebel quoll durch den Raum.

~*~*~

Ein kleines Rinnsal von Schweiß löste sich von Lauris Schläfe, sickerte nach unten, tropfte auf die Schulter und verlor sich zwischen den anderen Rinnsalen auf seinem Oberkörper. Schwer hob und senkte sich seine Brust, die feuchte Hitze machte ihm das Atmen schwerer.
Über sich nahm er eine Bewegung war, Aki wischte sich den Schweiß vom Gesicht, tupfte die Augen trocken.
Die feucht glänzende Haut an Akis Hüfte zog Lauri in seinen Bann, er hob die Hand, strich vorsichtig über zwei Schweißtropfen. Aki zuckte unter der Berührung zusammen, drehte seinen Kopf zu Lauri und sah ihn an.
Sie sagten nichts, sahen sich einfach in die Augen und lasen in den Blicken. Es dauerte nicht lange und Lauris Finger führten ihren Weg fort. Winzige Kreise und Muster hinterließen ein kribbelndes Gefühl in Lauris Fingerspitzen. Seine eigene Erschöpfung durch die Hitze war vergessen, alle Sinne richteten sich nur noch nach Aki aus.
Dieser hatte sich zurückgelehnt, sah durch halb geschlossene Augen zu, wie Lauri über seine Hüfte strich.
Langsam richtete sich er sich auf, setzte sich auf den schmalen Rand, der neben Aki über blieb und betrachtete dessen Körper ausgiebig. Über die flache, fast mager erscheinende Brust lief der Schweiß, sammelte sich rund um den Nabel um dann im tief sitzenden Handtuch zu versickern.
Kurz zuckten die Bauchmuskeln, dann senkte sich die Brust wieder unter einem kleinen Seufzer. Akis Augen flimmerten, er hielt sie geschlossen, tastete nach Lauris Hand die neben seiner lag. Vorsichtig drückte er sie, zog leicht daran.
Stück für Stück rückte Lauri näher, verstand schließlich und ließ sich neben Aki sinken. Sofort umschlang dieser ihn mit seinen Armen, um ihn vom herunterfallen zu bewahren.
Sie sahen sich wieder an, Akis Hand strich sanft über Lauris Rücken und verursachte trotz der Wärme eine Gänsehaut.
Gerade, als Lauri seine Hand leicht auf Akis Hinterteil platzierte, hörten sie einen dumpfen Schlag irgendwo außerhalb der Sauna.
Erschrocken zuckten sie zusammen, Lauri war mit einem Sprung auf den Beinen und lief in den Vorraum.
„Lauri?“, rief Aki ihm nach, doch er nahm sich einen Bademantel und öffnete die kleine Tür, die von dem Vorraum nach draußen zu See führte. Doch nichts als den See und eine glatte Schneefläche war zu sehen. Verwundert sah er sich um, suchte Spuren, doch er entdeckte nur unweit von der Tür einen Ast im Schnee.
„Was ist los?“, Aki war hinter ihn getreten, spähte über Lauris Schulter nach draußen.
„Ein Ast. Scheinbar von einem der Bäume abgebrochen und gegen die Wand geknallt.“, mit einem letzten Blick verriegelte Lauri die Tür wieder, zupfte am Bademantel, „lass uns duschen.“
Trotzdem saß Lauri der Schreck noch in allen Gliedern, er hatte immer noch Angst, dass andere Auftragskiller sie hier ausmachen würden. Aber mehr hatte er um Aki Angst, als um sein eigenes Leben. Immer wieder tat es ihm leid, dass Aki davon erfahren hatte, selbst wenn dieser sagte, dass er mit der Gefahr leben könnte. Doch vielleicht war Aki gar nicht bewusst, um was es hier ging. Es ging um ihr Leben und darum, dieses zu behalten, nicht mehr und nicht weniger.
„Alles in Ordnung?“, sanftes Streicheln auf seiner Wange holte ihn zurück in die Gegenwart.
„Ja, war nur in Gedanken.“, leise raschelnd fielen Bademantel und Handtuch zu Boden und er folgte Aki in die großzügige Dusche.
Kühles, aber nicht eiskaltes Wasser prasselte auf sie brachte ihren Kreislauf wieder in Schwung und wusch den Schweiß ab. Aki machte sich daran beide mit würzig duftendem Duschgel einzureiben, massierte Lauri etwas den Nacken. Dieser entspannte sich immer mehr, verdrängte seine negativen Gedanken in eine dunkle Ecke seines Kopfes.
Erschöpft und schläfrig lagen beide ein paar Minuten später auf der großen Couch im Wohnzimmer, sahen zu, wie in der leicht rötlichen Glut ein neuer Holzscheit von Flammen angetastet wurde.
Lauri horchte immer wieder nach draußen, ob er wieder etwas hörte. Doch alles war so still, wie es sein musste.
Aber so sehr er es auch versuchte, Aki schien seine Anspannung zu spüren, denn er robbte näher an ihn heran und zog Lauri in seine Arme. Beruhigens Streicheln brachte Lauri die ersehnte Entspannung, er schloss die Augen und war kurz darauf leicht eingedöst.

~*~*~

Bis zu den Knien versank Lauri in einer Schneewehe. Er fluchte leise, kämpfte sich frei und zerrte den Korb mit Feuerholz hinter sich her.
Sie waren aufgewacht, als das Wohnzimmer kühl geworden war. Die dicken Holzscheite waren aufgebraucht und die schmalen, die sie für die Sauna nahmen, gaben kaum Wärme.
Aki stand an der Haustür, fegte den neu angewehten Schnee beiseite. Mit der Dämmerung war Wind aufgekommen und trieb Schneeschleier vor sich her.
Fröstelnd zog Lauri die Schultern hoch und registrierte aus den Augenwinkeln, den Ast, welcher sie so erschreckt hatte.
Gerade als er weiterlaufen wollte, stutzte er, blieb stehen und starrte den Ast an. Unsicher legte er seinen Kopf in den Nacken und sah in die Baumkronen, die gleich neben dem Haus im Wind schwankten.
Ein ungutes Gefühl machte sich in ihm breit und er stapfte näher zu dem Ast. Was dort lag war eindeutig kein Ast von einer der Tannen oder Lärchen die neben dem Haus standen. Dies war der Ast eines Laubbaumes, groß und breit, wie der einer Eiche. Und diese Bäume wuchsen erst neben dem Grundstück zum See hinunter.
Nervös sah sich Lauri um. Bekam er nun schon Verfolgungswahn? Bildete er sich irgendetwas ein?
„Lauri? Wo bleibst du denn?“, Akis weiche Stimme schallte über den Schnee.
Kopfschüttelnd nahm Lauri wieder den Griff von dem Korb und zog ihn zu der Treppe. Gemeinsam schafften sie ihn nach drinnen und Aki warf Lauri einen besorgten Blick zu „Was hast du? Du siehst aus, als wenn du einen Geist gesehen hast.“
„Nichts. Mir ist nur etwas schummrig.“, Lauri hasste es, Aki anlügen zu müssen, aber er wollte ihm keine Angst machen. Zum Schluss war es ja doch nur falscher Alarm.
„Du hättest nicht rausgehen sollen. Erst die Hitze, dann der Schlaf und nun die Kälte. Das bekommt dir einfach nicht.“, fürsorglich wurde er von Aki auf das Sofa platziert und in eine Decke gewickelt.
Doch seine Gedanken kamen nicht von diesem Ast los. Irgendwie versuchte er sich einzureden, dass er einfach nur fantasierte. Wer sollte sie denn in dieser Einöde finden? Hier kamen nichts und niemand her.
„Was hast du da draußen solange gemacht?“, Aki drückte ihm eine Tasse Kaffee in die Hand.
„Stiefel du mal durch knietiefen Schnee, da brauchst du auch eine Weile.“, redete sich Lauri raus und klammerte sich an die warme Tasse.
Scheinbar gab sich Aki mit dieser Antwort zufrieden, denn er rutschte hinter Lauri und legte seine Arme um ihn. Sie sahen, wie das neue Holz von den Flammen verschlungen wurde. Akis Hände hatten sich einen Weg unter die Decke gesucht, streichelten sanft über Lauris Bauch, kraulten den kleinen Nabel.
Nun lösten sich auch Lauris erneute Sorgen in Luft auf, er lehnte sich an Aki und genoss die kleinen Liebkosungen. All die Zeit als Killer hatten wohl doch mehr an seiner Psyche gezehrt, als er vermutet hatte. Die laufende Angst aufzufliegen, hatte einen leichten Verfolgungswahn aufkommen lassen und er konnte es einfach nicht aufgeben, immer und überall auf der Hut zu sein. Er fühlte sich selbst als Paranoid und hatte bedenken, Aki mit in diese Spinnerein hinein zu beziehen.
Kleine Küsse auf seinem Ohr brachten ihn zurück aus seinen dunklen Gedanken. Er schnurrte zufrieden und kuschelte sich in Akis Umarmung. Ab heute würde er die Augen offen halten und abwarten, ob dieser Ast wirklich nur ein komischer Zufall war oder mehr dahinter steckte. Zum Schluss gab es eine völlig simple Erklärung und er machte sich völlig grundlos zig Gedanken um so ein einfaches Stück Holz.
„Ich mach uns mal eine Kanne Tee. Kaffee gab es genug für heute.“, langsam löste sich Aki wieder von ihm und ließ ihn auf dem Sofa zurück.
Nachdenklich erhob sich Lauri, zog die große Decke fester um sich und ging zu einem der Fenster.
Da Aki nur die winzige Stehlampe auf dem Tisch angeschaltet hatte, lagen die Fenster und das Drumherum in Dunkelheit. Draußen leuchtete der Schnee in grellem Weiß und das Wasser des Sees wirkte wie pechschwarzer Samt. Unruhig huschte sein Blick zwischen den Bäumen hin und her, doch nichts außer ein paar Büschen war zu sehen. Kurz strich er sich mit der Hand über die Augen, verdrängte seine Gedanken und wandte sich Aki zu, der als Spiegelbild im Fenster auftauchte. Vielleicht schnappte er wirklich früher oder später über.

~*~*~

Mit aufgerissenen Augen lag Lauri im Bett, starrte in die Schwärze um ihn herum. Ein Geräusch hatte ihn aus seinen Träumen geschreckt und er hatte für einige Minuten mit wild rasendem Herzen auf dem Rücken gelegen und gelauscht.
Leise schlug er die gemeinsame Decke ein Stück zurück und stellte die nackten Füßen auf den weichen Bettvorleger. Mit einer Hand tastete er nach der kleinen Taschenlampe auf seinem Nachttisch.
Schnaufen ließ ihn den Atem anhalten, im Dunkel erkannte er die Umrisse von Aki der sich gerade auf den Bauch drehte und weiter schnorchelte.
Schritt für Schritt schlich er vom Schlafzimmer hinüber ins Wohnzimmer. Es war kühl und die Luft roch leicht abgestanden. Das Geräusch war seiner Meinung nach von der Veranda gekommen.
Langsam ging er zu einem der Fenster, stellte sich hinter die Vorhänge aus dunklem, schweren Stoff und schob diesen einen winzigen Spalt beiseite.
Es war nur eine dünne Mondsichel am Himmel, die es trotz allem schaffte den Schnee unnatürlich hell wirken zu lassen. Aber zwischen den Bäumen waren lange Schatten, die es kaum ermöglichten etwas zu erkennen.
Gewissenhaft ließ er seine Augen über alles wandern, suchte den Schnee nach Spuren ab und ob sich zwischen den Schatten etwas bewegte. Doch alles lag so ruhig da, wie es sich für morgens um drei gehörte.
Seufzend lehnte Lauri seinen Kopf an die Wand neben dem Fenster. Es war verrückt, inzwischen hörte er nun wirklich die Flöhe husten und brachte sich damit sogar schon um den Schlaf.
Doch auf keinen Fall sollte Aki etwas mitbekommen. Irgendwie musste sich Lauri Ausreden einfallen lassen, wenn dieser nachfragen würde. Aki sollte keine Angst haben und sich ununterbrochen Gedanken machen.
Gähnend reckte er sich, die Augen brannten ihm unangenehm und außerdem kroch die Kälte seine nackten Waden hinauf. Noch einmal spähte er nach draußen, beschloss dann aber, wieder zurück ins warme Bett zu Aki zu gehen.
Dieser hatte sich in den wenigen Minuten durch das halbe Bett gerollt und lag nun mit dem Rücken zu Lauris Hälfte, der Rücken selbst war nicht mehr zugedeckt. Dafür sah er umso wärmer und einladender aus.
Bibbernd krabbelte Lauri aufs Bett, robbte zu Aki und kuschelte sich an den weichen, nach Duschbad duftenden Rücken. Einen Arm legte er um die Hüfte, saugte die Wärme in sich auf.
Das Schnorcheln setzte einen Moment aus, Gänsehaut überzog Akis Haut und er rollte sich im Schlaf etwas mehr zusammen.
Liebevoll lächelte Lauri gegen die Haut, küsste das Schulterblatt und zog die Decke so gut wie möglich über sie.
Wenn er Aki so nah sein konnte, ihn spürte und roch, dann konnte die Welt untergehen und er wäre glücklich gewesen. Nun wusste er, was es hieß, sein Leben für einen anderen aufgeben zu wollen.
Tief atmete er durch, schloss die Augen und ließ sich wieder in den Schlaf lullen. Akis langsamer Herzschlag war unter seiner Hand zu spüren, er streichelte abwesend den Brustkorb.
Doch als Akis leise Stimme zu ihm drang, schrak er entsetzt zusammen.
„Wo warst du?“, fast war Akis Stimme nicht zu hören, er rollte sich vorsichtig herum und blinzelte durch winzige Augen zu Lauri hin.
„Nur kurz auf dem Klo und so.“, murmelte er ausweichend, vergrub sein Gesicht an Akis Hals.
Leise schnaufte Aki, schüttelte sich kurz „Du bist eiskalt.“, dann klemmte er sich Lauris Füße zwischen die Waden und wärmte ihn somit noch mehr.
„Danke.“, flüsterte Lauri schläfrig, gähnte einmal kräftig.
Fest nahm Aki ihn in die Arme, küsste sanft Lauris Ohr und legte dann wieder seinen Kopf auf die Kissen.
Zärtlich streifte Lauri ihm mit einem letzten Blick, bevor er die Augen schloss und tief einschlief.

~*~*~

Erschöpft war Lauri am nächsten Vormittag erwacht. Trotz das er lange geschlafen hatte, fühlte er sich ausgelaugt und neben der Spur. Selbst im Schlaf schien sein Körper wachsam zu sein und er hatte geträumt, jemand wäre um das Haus geschlichen und hätte ins Schlafzimmer geblickt.
„He. Was ist mit dir?“, Aki drehte sich zu ihm um, als er die Küche betrat.
„Weiß nicht, schlecht geschlafen.“, murmelte Lauri, wurde in Akis Arme gezogen.
Besorgt musterte dieser die schlafverklebten Augen, strich über die blasse Haut auf den Wangen „Wirst du krank? Du siehst schlecht aus. Setz dich, ich mache dir einen Tee.“
Seufzend nahm Lauri Platz, stützte seinen Kopf auf den Handflächen ab und sah aus dem Fenster „Wollen wir uns heute etwas umschauen? Bis zur Straße ist es ja nicht so weit und vielleicht hat der Supermarkt offen.“
„Können wir machen. Etwas raus aus der Bude.“, Aki stellte ihm eine Tasse mit dampfendem Tee vor die Nase, dazu noch Brötchen und Aufstrich.
Der starke Tee ließ Lauri wacher werden, er knabberte lustlos an einem Brötchen, spürte immer wieder besorgte Seitenblicke von Aki.
„Es ist alles in Ordnung Aki.“, murmelte er, lehnte sich an dessen Seite. Ein starker Arm legte sich um seine Schultern, drückte ihn näher an die warme Brust.
„Trotzdem, du wirkst so unruhig. Mach dir nicht so viele Sorgen.“, flüsterte Aki und kraulte ihm den Nacken.
Stumm seufzend legte er seinen Kopf auf Akis Brust, hörte das Herz gleichmäßig schlagen. Ein Teil in ihm wollte es Aki sagen, doch der andere sprach dagegen, weil sich Aki dann nur Sorgen machen würde. Und noch immer war sich Lauri nicht sicher, ob er sich all das nicht einfach nur einbildete. Zulange hatte er mit der Gefahr gelebt, das alles auffliegen könnte und das sie hinter ihm her waren. Vielleicht hat das ihn etwas paranoid werden lassen.
Nach einer Weile beendeten sie das Frühstück und Lauri ging ins Bad um sich frisch zu machen. Müde, verquollene Augen sahen ihm aus dem Spiegel entgegen, das Haar hing ungestylt und schlaff an den Seiten herunter. Sie waren nicht mehr so kurz wie früher, und immer öfter ließ er sich fast ohne Styling, weil er kein Bedürfnis mehr hatte sich herauszuputzen wie ein Pfau.
Mit der Zahnbürste im Mund schlenderte er zum Fenster, sah hinaus in die weiße Winterlandschaft. Er mochte den Schnee an sich, doch Stunden durch Tiefschnee wandern war auch nicht seine Sache. Immer wenn sie so etwas gemacht hatte, war er nachher so erschöpft gewesen, wie nach einem kompletten Konzert.
Draußen polterte Aki herum, scheinbar suchte er die alten Schneeschuhe im Wandschrank. Doch wie er Aki kannte musste dazu der halbe Schrank ausgeräumt werden.
Rasch beendete er seine Katzenwäsche, sah lieber nach, was sein Schatz da draußen tat.
Bis auf einen, mit engen Boxershorts bekleideten, hin und her wackelnden Hintern sah er aber nichts. Der Rest von Aki steckte kopfüber im Schrank, drum herum lagen Decken, ein Schlafsack und ein paar Schneeschuhe.
Frech grinsend ließ er den Bund der Boxer schnappen, woraufhin leiser Prostest aus dem Schrank kam „He, lass das.“
Dann tauchte Akis verstrubbelter Kopf auf, die Wangen gerötet „Wieder typisch. Immer ärgern.“
„Sorry, aber es sah verlockend aus.“, sanft streichelte er, die mit rötlichen Bartstoppeln bedeckte Wange und küsste ihn kurz.
„Aber dafür hab ich endlich diese Teile gefunden.“, stolz hielt er die Schneeschuhe nach oben.
Kritisch begutachtete Lauri die Dinger „Gut, das uns damit keiner sieht. Bestimmt sehen wir damit aus, wie zwei bekiffte Pinguine.“
Lachend hielt sich Aki den Bauch „Lauri, wenn du so was jetzt schon sagst, schaff ich keine zwei Schritte damit.“
Sich über die Schneeschuhe weiter lustig machend, gingen sie ins Schlafzimmer und zogen sich fertig an.
Zufrieden betrachtete sich Lauri in der Skihose, als ihm Aki auf den abgepolsterten Po klopfte „Das fühlt sich witzig an.“, kicherte er, versuchte in das pralle Fleisch zu kneifen, erwischte aber wieder nur Stoff.
Doch er selbst trug auch so eine Hose, da er aber etwas längere Beine als Lauri hatte, sah er nun nicht noch kleiner, als sonst schon aus. Mit einem dicken Pullover, Mütze und der gefütterten Jacke kam sich Lauri vor, wie ein kleiner Wichtel.
„Mir fehlt nur noch mein Elch und ich kann zum Weihnachtsmann reiten, um ihm beim Geschenke einpacken zu helfen.“, lachte Lauri. All die Witze über die Klamotten, das viele Lachen von Aki lenkten ihn wunderbar von seinen Sorgen ab.
Gemeinsam schafften sie es bis vor die Tür und schnallten sich die Schneeschuhe an.
„Du hast den Vortritt.“, grinste er und gab Aki einen kleinen Schubs, der diesen nach vorn auf die unberührte Schneefläche stolpern ließ.
Weitaus vorsichtiger folgte er nach, umfasste die Griffe der alten, abgewetzten Skistöcke und rückte ein letztes Mal den Rucksack zurecht. Nun könnte das Abenteuer eines Ausflugs in den Schnee für sie beginnen.

~*~*~

Wie sie befürchtet hatten, kamen sie wirklich nicht weit. Denn schon lag Aki lachend im Schnee und schaffte es nicht aufzustehen.
„Lauri….du….“, er konnte kaum noch reden, jappste hektisch nach Luft.
Mit hochgezogenen Augenbrauen beugte sich Lauri zu ihm hinunter „Sei bloß ruhig. Die läufst auch wie ein schwuler Pinguin.“
Kreischend hielt sich Aki die Hände vor sein Gesicht, versuchte sich wieder zu beruhigen. Doch auch Lauri musste verdächtig glucksen, beim Anblick von Aki mit diesen Schneeschuhen, die ihn aussehen ließen wie Yeti.
„Komm Dicker, hoch mit dir.“, versuchte Lauri ihn zum aufstehen zu bewegen.
„Bin nicht dick.“, kam es von unten und kurz darauf stand Aki wieder auf zwei Beinen.
Noch immer kichernd sortierten sie ihre Skistöcke und Lauri deutete mit der ausgestreckten Hand den kleinen Hang hinauf „Da lang, da kommen wir zu der Forststraße.“
Gemächlich stapften sie durch den tiefen Schnee, versuchten nicht über Wurzeln oder Steine zu stolpern, die sich darunter verbargen.
Bis auf das Knirschen des harschen Schnees und dem leise keuchenden Atem war kein Geräusch zu hören. Lauri hatte sich trotzdem ein paar Mal umgedreht, einfach aus Sicherheit und zur Bestätigung, das nichts und niemand hinter ihnen war.
Schräg vor ihm, die Haare von einer Mütze und der Kapuze verdeckt, versuchte sich Aki durch die Schneewälle am Hang zu kämpfen. Er liebte es, Akis Bewegungen zuzusehen, sie wirkten immer geschmeidig und fließend. Auch wenn er derzeit Füße wie ein Bär hatte.
„Wir….sind gleich oben.“, keuchte Aki, wischte sich über die Stirn.
Mit einem leichten Ziehen in der Brust stützte sich Lauri auf seine Knie ab, sah den verschneiten, aber flach verlaufenden Weg entlang „Endlich.“, schnaufte er.
Neben ihm rang Aki nach Luft, suchte in dem Rucksack nach einer Flasche Wasser „Meine Güte, das war echt hart.“
Als beide wieder zu Atem gekommen waren, stapften sie weiter. Unter den dichten Tannen, die die Straße säumten, war weniger Schnee und den Spuren nach, war erst vor kurzem eine Schneeraupe hier entlang gekommen.
Nachdenklich betrachtete Lauri diese einen Augenblick, schüttelte wie für sich selbst den Kopf, versuchte dann Aki einzuholen.
Dieser war schon ein Stück vor ihm, drehte sich nun um „Komm schon, bevor uns wieder die Nacht über den Hals kommt.“
Er holte auf, lächelte Aki an „Du willst dich doch nur im Supermarkt eindecken.“
Weit streckte er ihm die Zunge raus „Nun tu nicht so, als wenn du nichts willst. Du bist auch so verfressen.“
Grinsend schnappte Lauri nach Akis Zunge „Mal nicht so frech. Und jetzt komm.“
Laut knirschte der Schnee untern den Schuhen, immer wieder fielen kleine Schneehäufchen von dem Bäumen und klebten sich an ihren Jacken fest.
„Weißt du noch, wie wir zuletzt hier waren?“, meinte Aki auf einmal.
„Klar, im Sommer. Und es war unerträglich heiß. Noch nie hatte ich so einen Sonnenbrand wie damals.“
Mit einer fahrigen Bewegung wischte sich Aki etwas Schnee von der Kapuze „Wir waren beiden total verbrannt. Und dann kam uns Eero mit Buttermilchumschlägen.“
Laut lachte Lauri „Ich dachte, dass er nun völlig durchgedreht war. Aber es hat echt geholfen. Den einen Abend, wir lagen mit den Wickeln auf den Liegen und Eero belehrte Pauli wie man Fisch richtig grillt.“
Auch Aki lachte nun „Oh ja, und Pauli war völlig verdattert.“
Kurz schwieg Lauri, kratzte mit dem Skistock auf einem Eisklumpen entlang „Hast du damals schon etwas für mich empfunden?“
„Ja.“, antwortete Aki sofort, „ich habe mich oft nach dir verzehrt, hatte mir vorgestellt deine von der Sonne gebräunte Haut zu berühren und mit dir zu kuscheln.“
Leichte Röte überzog Lauris Wangen, er grinste verlegen „So in etwa ging es mir auch. Wenn wir baden gingen und du nur Badehosen an hattest, musste ich aufpassen dich nicht anzustarren.“
Wieder musste Aki lachen, lief weiter „Das beruhte auf Gegenseitigkeit. In solchen Momenten konnte ich jeden Fan verstehen, der dich verehrt.“
Erstaunt sah ihm Lauri nach, rief dann „He warte doch.“, und versuchte so schnell wie es diese Riesenfüße erlaubten, wieder zu Aki aufzuschließen. Dieser nahm die Skistöcke in eine Hand und gab Lauri die freie. Sich anlächelnd, wie zwei verliebte Teenies, stapften sie weiter auf den lichter werdenden Waldrand zu.

~*~*~

Es wurde bereits wieder dunkel, wie Lauri und Aki den Rückweg antraten. Ihre Rucksäcke waren prall gefüllt und Lauri trug noch einen Beutel in der Hand. Zwischen den Bäumen zogen sich lange Schatten über den Weg, die Sonne war hinter grauen Wolken verschwunden.
„Ich bin müde.“, murmelte Aki erschöpft, zupfte an einem seiner Tücher, welche er seit Wochen wie einen Schatz hütete.
Sanft ließ Lauri seinen Daumen über Akis Handrücken kreisen „Hinter der nächsten Kurve müssten wir das Hausdach sehen.“, doch er stolperte selbst immer wieder über die Schneeschuhe.
„Lauri? Sieh mal dort.“, Aki zog an seiner Hand und zeigt nach vorn an den Rand des Weges.
Verwirrt blieb Lauri stehen, beugte sich ein Stück nach vorn, um besser zu sehen „Das sind Fußspuren.“, murmelte er leise.
Tief in den Schnee gedrückt waren dort Abdrücke von schweren Stiefeln zu erkennen, das Profil hatte sich an den Rändern noch nicht wieder abgerundet. Also waren diese Spuren vielleicht erst eine Stunde alt.
Doch was Lauri Gänsehaut bescherte war die Tatsache, das die Spuren in Richtung Hütte zeigten.
„Lass uns nachsehen. Aber sei auf der Hut.“, leicht bebte seine Stimme, er verwünschte den Umstand seine kleine Pistole nicht bei sich zu haben.
„Denkst du?“, Aki traute sich nicht seine Gedanken auszusprechen.
Kurz zuckte Lauri hilflos mit den Schultern, rutschte vorsichtig den Hang hinab. Er wusste das das was sie nun taten lebensmüde war, doch immer noch versuchte er sich einzureden das die Spuren vielleicht einem Nachbarn oder dem Förster gehörten.
Akis Hand umklammerte seine eigene, das Zittern übertrug sich auf den anderen und sie konnten nicht mehr sagen wer sich mehr fürchtete.
„Langsam.“, flüstere Lauri heißer, schob Aki in den Schatten einer Tanne.
Bis auf Akis ängstlich klappernde Zähne war nichts zu hören, selbst die Elstern, die bis soeben in einem Busch stritten, waren verstummt.
„Bleib hier.“, meinte er eindringlich, streifte sich die Schneeschuhe von den Stiefeln, bevor er allein näher ans Haus schlich. Bis auf einem Ast, den er im Schnee gefunden hatte, trug er nichts, was einer Waffe ähnlich hätte kommen können. Doch was nützte dieses Stück Holz wenn dort wirklich jemand mit der geladenen Waffe auf ihn wartete?
Die Spuren führten schnurstracks zum Hauseingang, was Lauri nun doch etwas stutzig machte. Jeder annähernde Profi hätte zuerst das Auto manipuliert oder seine Spuren wären nicht dermaßen auffällig gewesen.
Er schlich zum Fenster, das zum Wohnzimmer ging, erklomm die Bank, die vorm dem Haus stand und spähte vorsichtig hinein. Nichts war zu sehen, die Möbel standen noch so wie sie es verlassen hatten und selbst Akis achtlos fallen gelassene Schuhe lagen noch genau vor der Tür.
Die Spuren waren vor der Tür durcheinander, doch eine Spur führte weg vom Haus, wieder hinein in den Wald.
Mit einer Hand winkte er Aki zu sich, der unsicher am Carport entlang schlich „Was ist los?“
„Egal wer hier war, er ist weg und war nicht im Haus.“, mit klammen Fingern nesselte er den Schlüssel hervor.
Fürsorglich nahm Aki ihm diesen ab und sperrte die Tür auf „Komm, du zitterst am ganzen Leib.“
Drinnen schlug ihnen warme Luft entgegen, alles war so wie es sein sollte.
„Tut mir leid.“, murmelte Lauri, ließ sich mit einem bedrückten Gesicht auf den Hocker neben der Tür sinken.
„Was tut dir leid?“, den Kopf schief gelegt hockte sich Aki vor ihn, seine Hand auf Lauris Knie.
„Das ich dir solche Angst mache. Aber….“, er rang nach Worten, „ich habe das Gefühl das uns jemand beobachtet.“, fügte er im Flüsterton hinzu.
Eine warme Hand streichelte über seine Wange, zog die Mützen vom Kopf und vergrub sich in den Haaren „Warum hast du mir das nicht eher gesagt? Bist du deswegen die Nacht durch das Haus geschlichen?“
Lauri schämte sich, nickte „Ich dachte…..du würdest mich für verrückt erklären.“
„Ach Lauri, das würde ich nie tun. Aber was willst du nun machen?“
Hilflos zuckte dieser die Achseln „Ich weiß es nicht. Vielleicht waren es doch nur Nachbarn oder der Förster.“
„Beruhige dich. Wir werden Augen und Ohren offen halten. Aber nun komm, deine Sachen in klitschnass, du holst dir noch den Tod.“
Lauri folgte ihm ins Schlafzimmer, warf im Vorbeigehen einen Blick nach draußen, wo es dunkel wurde. Und wieder hatte er das Gefühl hinter den Bäumen einen menschlichen Schatten zu sehen.

~*~*~

Wasser rauschte im Badezimmer, Lauri lauschte mit angehaltenem Atem, ob Aki wirklich unter die Dusche stieg. Dann huschte er auf leisen Sohlen ins Schlafzimmer. Kaum, das der dünne Lichtschein aus dem Wohnzimmer zu ihm drang, tastete er blind in die hinterste Ecke der Kommode.
Mit einem leisen Seufzen umfasste er den in viele Tücher geschlagenen Gegenstand, mit einem Finger fuhr er darunter und spürte das kühle Metall seiner Waffe. Aki wusste nicht, das Lauri noch eine Waffe besaß.
Als das Rauschen aufhörte, schob Lauri rasch die Kommode zu und ging wieder ins Wohnzimmer auf das Sofa.
Wenige Augenblicke später kam ein tropfnasser Aki zu ihm, nur mit einem schmalen Handtuch bekleidet.
„Lauri?“, Aki grinste amüsiert, tupfte sich einen störrischen Tropfen vom Bauchnabel.
„Äh ja?“, hochrot nippte er an seinem Kaffee.
Mit einem Schnurren rutschte Aki dicht zu ihm aufs Sofa, schnupperte an Lauris Hals „Mach ich dich nervös?“
„Wie…..wie kommst du da drauf?“
„Du nippst seit einer Minute an der leeren Tasse.“, kicherte Aki und schnappte sich eine der Decken.
Seufzend stellte Lauri sie weg, ließ sich nach hinten fallen und wurde von starken Armen empfangen. Mit geschlossenen Augen schmiegte er sich an Akis warme, gut duftende Brust, genoss das Gefühl der feuchten Haut an seiner Wange. Leicht wurde sein Nacken gekrault, er schnurrte noch etwas mehr.
„Geht es besser?“, flüsterte es an seinem Ohr.
„Etwas, aber da ist so ein Gefühl.“, er deutete auf seinen Kopf, „als wenn das alles die Ruhe vor dem Sturm ist.“
„Denkst du es war ein anderer Killer?“, flüsterte Aki, ein leicht ängstlicher Unterton schwankte in seiner Stimme.
Hilflos zuckte Lauri mit den Achseln „Wenn ich das sagen könnte. Vielleicht bilde ich mir auch alles nur ein, leide an Verfolgungswahn.“, nervös rieb er sich die kühlen Unterarme, sah wieder zum Fenster.
„Beruhige dich.“, sanft umarmte Aki ihn, gab ihm etwas von seiner Wärme ab.
Die Holzscheite im Kamin verglühten zu kleinen Aschehaufen, ein stetiger Wind trieb Eiskristalle ans Fenster.
Wieder musste Lauri an die Waffe in der Kommode denken. Zwar war es ein sichereres Gefühl sie hier zu haben, aber was nütze sie auf der anderen Seite, wenn sie nicht einmal wussten, ob es einen Feind gab.
„Hast du Hunger?“; wurde er erneut aus seinen trüben Gedanken gerissen.
„Ein wenig.“, murmelte er gegen Akis nackte Schulter, hauchte einen kleinen Kuss darauf.
Leider verließ ihn der wärmende Körper, er verkroch sich tief in die Decke, wo noch ein Rest Wärme von Aki zu finden war. Seine Augen folgten ihm, beobachteten wie Aki achtlos das Handtuch beiseite zog und einen Moment Lauri seinen bloßen Hintern präsentierte. Viel zu schnell schlüpfte er in ein paar Boxer, Hose und Shirt.
„Glotz nicht so.“, hörte er Aki grinsen, bevor er in der Küche verschwand und mit ein paar Schüsseln klapperte.
Gähnend rieb sich Lauri die Augen, tapste zu einem der Fenster und zog den Vorhang vollständig zu. Zwar fühlte er sich nicht sicher, aber diese zu auffälligen Anzeichen hatten ihn doch beinahe beruhigt. Derjenige der hier draußen herumgeschlichen war, verstand nicht viel davon.
Vielleicht würde er sich morgen im Tageslicht noch mal umsehen. Doch dank des Windes machte er sich nicht viel Hoffnung, Spuren zu finden. Die feine Schicht von Eiskristallen würde alles bedecken und den Anschein erwecken, als wären hier nie Lebewesen durch den Schnee gelaufen.
Aus der Küche hörte er das vertraute Piepen der Mikrowelle. Beide waren viel zu faul erst großes Menüs zu kochen, Essen aus der Dose war auch lecker und kümmerte sich.
„So bitte, wir servieren…“, Aki kam mit einem Tablett aus der Küche, „Dosensuppe mit Ei.“

~*~*~

Akis gleichmäßiger Atem vermischte sich mit dem Knistern des Feuers im Kamin und dem Abspann der DVD. Lächelnd richtete sich Lauri ein Stück auf, schielte in das Gesicht seines Freundes, der zusammengerollt und leise schnorchelnd vor ihm lag.
Mit gespitzten Lippen hauchte er kleine Küsse auf Akis nackte Schulter, das Shirt lag irgendwo neben ihnen.
Ein Grummeln war zu hören, Akis Hand patschte nach der Störung, erwischte aber Lauri nicht „Hmmm.“
Grinsend setzten Lauris Lippen ihre Reise fort, erreichten nun die dünne Haut zwischen den Schulterblättern. Mit seinen Zähnen nagte er leicht am Schulterblatt, saugte die Haut zwischen die Lippen und verpasste Aki einen tiefroten Knutschfleck.
Unwirsches Knurren war zu hören, Aki machte einen kleinen Katzenbuckel und versuchte sich Lauris Lippen zu entziehen, doch dieser ließ nicht locker. Inzwischen tanzte seine Zunge über die mit Leberflecken übersäte Haut, kostete sie Stück für Stück.
„Menno.“, brummelte Aki, der nun aufgewacht war, rollte sich trotz Lauris Widerstand auf den Rücken, „du bist unersättlich.“
Frech grinste Lauri „Ich weiß.“, leckte dann über Akis Kinn, die kleinen Bartstoppeln kratzten an seiner Zunge, er schmeckte an dieser Stelle viel mehr den herben, männlichen Geschmack. Das war es auch, was Aki für ihn so anziehend machte. Der Geschmack seiner Haut, der einmal süß wie Honig sein konnte und doch so einzigartig männlich war.
„Wie spät?“, verschlafen rieb sich Aki die Augen, die Brille ruhte auf dem kleinen Tisch.
„Mitten in der Nacht. Du bist einfach so eingeschlafen.“; flüsterte Lauri, kraulte zärtlich Akis Nacken.
„Bevor du mich geweckt hast.“, grummelte Aki.
Mit etwas Nachdruck, versuchte dieser ihn zum aufstehen zu bewegen „Und morgen früh würdest du Jammern, das dir alle Knochen weh tun. Lass uns ins Bett gehen.“
Mehr, als nur die weiche Matratze, freute sich Lauri darüber in Akis Armen zu liegen. Sex stand für ihn an weitaus geringerer Stelle, als diese unendliche Nähe von Aki, die meist schon erreicht war, wenn dieser die Arme um Lauri legt.
Laut gähnend schlurfte Aki voran zum Schlafzimmer, Lauri stocherte die Glut im Kamin herunter, folgte dann seinem Freund.
Er verzichtete auf einen Blick nach draußen, würde etwas geschehen, so waren sie in dieser Situation so oder so hilflos.
„Woran denkst du?“, Aki hielt die Decke hoch, damit Lauri Platz darunter fand.
Leicht schüttelte dieser den Kopf, wollte es nicht aussprechen.
„Bitte sag es mir, gerade wirkte dein Gesicht einen Moment so traurig und besorgt.“, fest umarmte Aki ihn.
„Wenn….weißt du….,“ stammelte Lauri, „sollte nun etwas passieren, ich würde versuchen dich in Sicherheit zu bringen und wenn es dafür zu spät wäre dann….dann möchte ich genau so sterben, in deinen Armen.“
Ein kurzes, scharfes Ausatmen zitterte durch den dunklen Raum, man hörte Aki schwer schlucken „Das….ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich verstehe, dass du über so was nachdenkst, aber es macht mir auch viel Angst. Damals, als ich dich dort vor dem King stehen sah, da sah ich dich mit einer Kugel in der Brust in meinen Armen sterben. Oder….oder wie wir beide in der Halle sterben.“, tief holte Aki Luft, „ich weiß nicht, was bei mir innen drin passierte, das ich so reagierte. Nie hätte ich es für möglich gehalten einen Menschen zu töten und auf diese Weise die Spuren zu verwischen, aber ich tat alles in diesem Moment nur für dich.“
Sie klammerten sich aneinander, versuchten dem anderen so die Gewissheit zu geben, das ihnen gemeinsam nicht geschehen könnte. Doch wussten beide, das irgendeine Gefahr wieder in unmittelbarer Nähe war, doch in Worte wollte dies auch keiner fassen.
„Lass uns schlafen.“, murmelte Lauri, zog die Decke zurecht.
Seufzend kuschelte Aki sein Gesicht in Lauris Halsbeuge, ließ sich von dessen Händen in den Schlaf streicheln. Aber er selbst lag noch lange wach, lauschte in die Stille nur um festzustellen, das es so unglaublich still war, das er selbst die Glut im Kamin knistern hören konnte.
Der Wald um sie herum schwieg sich aus, der Wind war abgestorben und die Spuren im Schnee froren harsch zusammen.

~*~*~

Krachen von einer Axt ließ Lauri erschrocken hochfahren, er fasste sich ans Herz und sprang aus dem Bett „Aki? Aki!“, rief er hektisch.
Die Eingangstür ging auf „Was? Was ist los?“
Mit jagendem Puls ließ sich Lauri an Akis klamme Jacke ziehen, Arme legten sich um ihn „Lauri?“, er spürte die kalte Luft, die in der Kleidung hin. Sie schlich sich selbst durch den Stoff seiner Boxershorts.
„Das…..das Geräusch, ich war so erschrocken.“, stammelte er beschämt.
„Schsch, ich war Holzhacken, weil kaum noch etwa da ist. Es ist alles in Ordnung.“, beruhigend küsste Aki seine Wange.
Tief atmete er ein und aus, wandte sich dann ab um in die Küche zu gehen. Doch noch immer spürte er Akis Blicke auf sich, die von besorgt inzwischen zu verzweifelt gewechselt waren.
„Ich hol das Holz noch rein.“, murmelte er schließlich, verließ das Haus erneut.
Aus dem Küchenfenster konnte ihm Lauri zusehen, Akis Schultern waren gesenkt, genau wie der Kopf. Ihm tat es leid, Aki erneut erschreckt zu haben. Sein Freund musste durch seine Angst leiden, war durch ihn in Gefahr geraten. Lauri hatte keine Kraft mehr stark zu sein, solange hatte es geschafft sich selbst zu betrügen, sich einzureden, dass er all das für die Rache tat. Doch nun war er am Ende, er wollte nicht mehr davonlaufen, er wollte Aki bei sich haben und mit ihm in Frieden leben. Nur wurde ihm dieser Frieden nicht gegönnt, fremde Mächte ließen seinem Herz keine Ruhe.
Es polterte im Wohnzimmer, Aki stapelte neues Holz in den Kamin, kam dann zu Lauri „Du bist so abwesend. Bitte, ich möchte dein Lächeln sehen.“
„Ach Aki.“, kurz lehnte er sein Gesicht in die warme, nach After Shave duftende Halsbeuge, „möchtest du Kaffee?“
„Gern, es ist kalt draußen.“, flüsterte Aki, küsste, mit aller Liebe die er im Herzen trug, Lauris Stirn.
Kurz darauf nahm die Kaffeemaschine mit Fauchen und Gluckern ihre Arbeit auf. Aki, der auf dem Stuhl saß, zog Lauri auf seinen Schoss und legte sein Kinn auf dessen Schulter. Mit seinen Fingerkuppen streichelte er über die bloße Haut am Rücken, verteilte kleine Küsse auf der tätowierten Schulter, küsste die Konturen der Schwanenfigur nach.
Einer von Lauris Armen hatte sich um Akis Hals gelegt, er genoss diese Zärtlichkeiten, schnurrte leise. Immer und immer wieder schaffte es sein Freund ihn von seinem Sorgen abzulenken, ihm zu zeigen, dass er nie wieder allein sein würde.
„Wollen wir dann in Richtung der anderen Seeseite laufen? Ich würde gern wissen ob es noch die kleine Gaststätte bei dem Campingplatz gibt.“, Aki hob Lauri spielerisch leicht auf die Küchenbank und holte die Kaffeekanne.
„Gern.“, dankbar schob Lauri seine Kaffeetasse zu Aki und sog den Duft des starken Kaffees ein.
Wieder hing Lauri seinen Gedanken nach, konnte sich an die Situation von gestern erinnern, noch immer bereitete sie ihm Gänsehaut.
Aki schob ihm Toast vor die Nase, dazu den Aufstrich „Komm iss was.“
Es erschien ihm, als wenn sie seit der Ankunft im Haus die Rollen getauscht hatten. Nun war Lauri, derjenige der immer in Angst und Sorge war. Aki dagegen war nun besonnener, er gab ihm Schutz und überblickte die Sache mit mehr Ruhe.
Ein paar Minuten später stellten sie sich zusammen unter die Dusche, genossen das warme Wasser auf ihrer bloßen Haut. Fürsorglich wurde Lauri eingeseift, sein Nacken leicht massiert.
„Aki?“
Ein kleiner Kuss auf sein Ohr „Was?“
„Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich dich liebe und brauche.“
„Ich weiß.“, flüsterte Aki.

~*~*~

Die Dielen der Terrasse vor dem kleinen Restaurant knarrten unter Lauris Schritten, mit klammen Fingern entzündete er sich eine Zigarette. Aki war noch drin, wollte noch auf die Toilette und die Rechnung bezahlen. Sie waren lange um den See geschlendert, hatten sich das großen Eisschollen auf dem schwarzen Wasser angesehen, waren in Erinnerungen geschwelgt.
Das Restaurant war trotz der Jahreszeit gut besucht gewesen wesen, einige der Leute hatten hier schon ihre Häuser von den Eltern oder Großeltern geerbt.
Für eine Weile konnte Lauri seine Sorgen verdrängen, hatte mit Aki gelacht und gescherzt.
„Ist dir nicht kalt?“, hörte er nun dessen Stimme an seinem Ohr, spürte einen sanften Kuss an seinem Hals.
„Jetzt nicht mehr.“, lächelte er, nahm Akis Hände, die sich um seinen Bauch schlangen, in die eigenen.
Schnurrend schmiegte sein Freund den Kopf an Lauris Schulter, kraulte dessen Handrücken „War schön hier. Das Essen war gut und alles so gemütlich.“
Zischend brannte sich der Zigarettenstummel in den Schnee, gähnend reckte sich Lauri, rieb die müden Augen. Leise kicherte er, als sich Aki dichter an ihn kuschelte, mit der Zungenspitze über das Ohrläppchen fuhr. Knurrend schob er mit der Nase die Mütze höher, tippte die Zunge in die Muschel hinein.
„Ah das kitzelt.“, quiekte Lauri, wand sich unter den Zärtlichkeiten.
Raues, tiefes Lachen drang an seinen Gehörgang, Akis Arme umschlagen ihn fest, gaben ihm Halt „Lass uns hier abhauen.“, murmelte er leise.
Stumm nickte Lauri, umfasste wieder Akis warme Hand und ließ sich von der Terrasse hinunter zu dem verschneiten Waldweg führen.
Verliebt schob er seinen Arm um Akis dünne Taille, kuschelte sich an die dicke Jacke.
„So verschmust?“
Ein gebrummtes Zustimmen kam aus Lauris Kehle, er vergrub seine laufend kalte Nasenspitze hinter dem dicken Schal. In ihm machte diese Sehnsucht nach Akis Berührung breit, dem Gefühl von dessen nackter Haut an seiner, dem Geschmack des Schweißes, wenn er in den hohen Ebenen der Lust schwebte.
„Lauri? An was denkst du?“, fragend legte Aki den Kopf schief.
Leichte Röte huschte über seine Wagen „An dich. Und deine Haut.“
Ein breites Grinsen huschte über Aki, er beugte sich wieder zu Lauris Ohr herunter „An meine Haut also? Hmm das lässt sich bestimmt einrichten.“
Hitze stieg in Lauri auf, er räusperte sich kurz, grinste leicht schief und lief weiter. Glucksend folgte ihm Aki, fing erneut Lauris Hand ein „Hast es aber eilig.“
„Aki!“, maulte dieser, verkroch sich hinter seinem Schal.
Sie foppten sich, schubsten sich in die kleinen Schneewehen am Wegesrand oder warfen dem anderen einen Schneeball an den Kopf.
Ausgelassen lachte Lauri, fühlte sich seit Tagen endlich wieder unbeschwert und frei. Es tat ihm so gut nicht an seine Ängste denken zu müssen und er freute sich auf den restlichen Verlauf dieses Abends.
Zärtlich wurde er von Aki geneckt, mit kleinen Küssen gelockt um dann wieder etwas Schnee abzubekommen.
Sie ließen den See hinter sich, tobten durch den Wald, dass man es sicher noch in den Kilometer entfernten Hütten hörte.
Nach Luft schnappend erreichten sie ihre Hütte, kugelten sich ein letztes Mal im Schnee, bevor sie erschöpft in den warmen Flur stolperten.
Gerade war Lauri dabei, sich aus der Jacke zu schälen, als Akis Hände über seinen Rücken fuhren „Ich habe dir eine nette Abendgestaltung versprochen. Und lass mich machen.“

~*~*~

„Was hast du vor?“, fragte Lauri erneut, doch Aki gab keine Antwort, schnurrte nur und schob ihn weiter vor sich her durch die Hütte.
Draußen war die Dämmerung über den kleinen Hügelkamm gekrochen, hüllte den Wald in Dunkelheit und nahm den Eisschollen auf dem See die Schärfe.
Doch im Haus bekam Lauri nichts davon mit, Aki hatte die schweren Vorhänge zugezogen, nur eine kleine Lampe auf dem Nachttisch neben dem Bett warf Schatten an die Wände.
Genießerisch schloss Lauri die Augen, als sein Freund über die Schultern strich, hinunter zur Brust. Die Fingerkuppen reizten die kleinen Brustwarzen durch den Stoff, bis sie sich Akis geschickten Fingern entgegenstellten.
„Hmm, ich will dich schmecken, spüren, festhalten.“, raunte Aki heißer, zupfte an dem Bund des Pullis.
Bereitwillig hob Lauri seine Arme, ließ sich den Pulli langsam ausziehen. Kurz fröstelte er unter dem kühlen Luftzug, doch Akis warme Hände legten sich augenblicklich auf seinen Bauch.
Sanft streichelten sie die Bauchmuskeln, kitzelten den kleinen Nabel bevor die Finger der Linie feiner Härchen zum Bund der Hose folgten.
„Aki.“, erregtes Beben zuckte durch Lauris Körper, er presste sich den forschenden Händen entgegen, legte seinen Kopf auf die Schulter seines Freundes.
Mit einem kleinen Schubs, machte Lauri zwei Schritte nach vorn, spürte die Bettkante an seinen Schienbeinen und drehte sich um.
Lustverhangende, strahlend blaue Augen sahen ihn an, die schwarz gerahmte Brille war etwas verrutscht. Sorgsam nahm Lauri sie ab, legte sich auf den Nachttisch und musste einen Moment über das hilflose Blinzen von Aki schmunzeln.
Im nächsten Moment keuchte er auf, weil er einen sanften Stoß vor die Brust bekommen hatte und haltlos auf das weiche Bett fiel. Mit einer Hand schob er das große Kunstfellplaid beiseite, bis es raschelnd auf den Boiden fiel.
Doch Aki, der sich soeben langsam aus seinem Pullover schälte, lenkte seine Aufmerksamkeit auf dessen schlanken Bauch, die kräftigen Oberarme.
„Komm her.“, schnurrte Lauri, lockte ihn mit dem Finger.
Grinsend krabbelte Aki zu ihm, schmiegte sein Gesicht in Akis Halsbeuge „Du riechst gut.“
Mit beiden Händen umfasste Lauri seinen Nacken, zog ihn näher um die süßen Lippen zu erobern. Sanft knabberte er an Akis Unterlippe, ließ seine Zunge die glatten Zähne erkunden um dann voller Vorfreude von der weichen Zunge begrüßt zu werden.
Vorsichtig legte sich Aki vollständig auf seinen Körper, immer darauf bedacht Lauri nicht zu schwer zu werden. Doch dieser genoss das Gewicht auf sich, was ihn tiefer in die Kissen drückte.
Leise stöhnte er in den Kuss als eine Hand von Aki sich über seine Brust bewegte, hinunter zum Hosenbund glitt. Geschickt wurde der Knopf aus dem Knopfloch befreit und mit einem leisen Rattern öffnete sich der Reißverschluss.
Verlangend streckte Lauri der neugierigen Hand sein Becken entgegen, biss Aki fast auf die Zunge als sich die Hand fest auf seine noch verhüllte Erregung legte. Feuchte Lippen lösten sich von seinem Mund, strichen langsam über den Hals, saugten sich für wenige Momente an den Brustwarten fest um dann ihrer Erkundungen zum Nabel hin fortzuführen.
Nach Luft schnappend wand sich Lauri unter den Liebkosungen, spürte genau, wie sich Akis Lippen über dem Nabel festsaugten, die Haut röteten und dann erneut beruhigend darüber leckte.
Immer mehr kleine und große Knutschflecken zierten seine Bauchdecke, ergaben schon ein fast kreisrundes Muster. Doch Lauri war der Meinung, dass Aki viel zu kurz kam. Vorsichtig zog er an dessen Nacken, sah in die fragenden Augen und bedeutete Aki schließlich sich auf den Rücken zu drehen.
Ein leiser Seufzer zitterte aus Akis Kehle, als er sich ausstreckte, die Lider schloss und sich den Berührungen von Lauri völlig hingab.

~*~*~

Fasziniert sah Lauri, wie sich Akis schmale Brust heftig hob und senkte, mit den Fingerkuppen zeichnete er die einzelnen Rippenbögen nach, umkreiste erst die eine dann die andere Brustwarze.
Mit einem versauten Grinsen beugte sich Lauri hinab, tippte jeden Leberfleck auf Akis Oberkörper mit spitzer Zunge an.
„Lauri….“, keuchte Aki, krallte sich in die wilde schwarze Mähne, „das ist gemein.“
„Nein, das ist schön.“, lachte Lauri, blies kühlen Atem über die feuchten Stellen. Ganz genau konnte er sehen, wie sich sein Freund schüttelte, überall am Körper die Gänsehaut hervortrat.
Zwei seiner Finger spazierten über den Bauch, drehte eine kleine Pirouette und kamen am Hosenknopf an. Best möglichst ignorierte er Akis verzweifeltes hin und her werfen, das ungehemmte Stöhnen und das leise Betteln. Mühsam schaffte er es, den Knopf an der recht tief sitzenden Hose zu öffnen, zog sie langsam nach unten.
„Schick.“, raunte Lauri als er die hautenge Shorts enthüllte, registrierte mit Wohlwollen den sexy Netzeinsatz an den Seiten.
Knurrend warf Aki den Kopf in die Kissen, wollte endlich mehr von Lauri spüren.
„Ich wusste gar nicht, dass du so was Heißes drunter trägst.“
„Extra für dich.“, stammelte er, presste sein Becken an Lauris.
Brennend heiße Blicken verfolgten ihn, wie er sich nun begann aus der Hose zu befreien sie mit einem Klatschen auf dem Parkett aufkam.
Beide nur noch durch einen Hauch von Stoff getrennt, fielen mit wilden, ungezähmten Küssen übereinander her. Jeder versuchte die Überhand zu gewinnen, sie rollten über das Bett, verpassten dem anderen Kratzspuren überall auf der Haut.
Doch zum Schluss gewann Aki, nagelte Lauri unter sich fest und lachte erschöpft „Ich hätte nie gedacht, wie wild du im Bett sein kannst.“
Zitternd lächelte Lauri, seine Hand streichelte über die warmen Bauchmuskeln „Lass mich nicht so zappeln.“
„Schsch, nicht ungeduldig werden.“, säuselte er in sein Ohr, hauchte warmen Atem in die Ohrmuschel.
Ein Gefühl, als wenn er gleich ohnmächtig werden würde, raste durch Lauris Kopf. Alles um ihn war weit weg, mit den letzten verschleierten Sinnen konnte er gerade noch Aki fassen, dessen Hände sich an seiner Shorts zu schaffen machte.
Mit ausgetrockneter Kehle flüsterte er dessen Namen, raunte nach Erlösung von seinen süßen Qualen.
„Noch da?“, flüsterte Aki, küsste die kleine Nasenspitze.
„Wenn du nicht bald machst, dann nicht mehr.“, ungeduldig presste er sein inzwischen entblößtes Becken an Akis Oberschenkel, rieb seine schmerzende Erregung daran.
Kichernd hielt Aki sein Becken fest, spreizte energisch Lauris Schenkel und sah ihm tief in die Augen.
Zischend stieß Lauri die Luft zwischen den Zähnen hindurch, als eine Welle von Schmerz sein Unterleib erfasste. Mit hastigen Atemzügen entspannte er sich so gut wie möglich, wartete bis Aki völlig in ihm war. Grelle Sterne tanzten vor seinen Augen auf und ab, sein das Herz schlug so hart gegen die Rippen, das es vermutlich auch Aki hörte.
Mühsam öffnete er die Augen, blickte in das schweißüberströmte Gesicht von Aki, konnte die pure Lust darin lesen.
„Tiefer.“, stammelte er, gab sich den kräftigen Stößen in sich völlig hin. Sooft wie sie schon miteinander geschlafen hatten, doch selten hatte er diese absolute Leidenschaft zwischen ihnen gespürt. Diese Nacht war etwas Besonderes für sie.
Akis Hand brachte ihn zurück in die Realität, sie umfasste seine pochende Erektion, stimulierte sich mit sanften pumpenden Bewegungen.
Heißer schrieen sie ihre Lust heraus, kratzten sich die Haut blutig.
„Ja….jaaa….“, stöhnte Lauri lang gezogen, bäumte sich Aki entgegnen und erlebte im nächsten Moment einen Höhepunkt der ihm für Sekunden fast das Bewusstsein raubte.
Über ihm verklang ein dunkler erschöpfter Aufschrei, heiße Flüssigkeit pulsierte in Lauri. Im nächsten Moment sank ein klatschnasser, bebender Körper auf seinen eigenen.
Sie rangen beide nach Atem, hielten ihre Augen geschlossen und erlebten gemeinsam die kleinen, wohligen Nachbeben, die immer wieder einen Hauch Erregung durch ihre Körper schossen.
So gut, wie es Lauri noch möglich war, nahm er Aki in die Arme, spürte wie sich der klebrige Samen zwischen ihnen verteilte. In wenigen Stunden wäre er getrocknet, genauso wie der Schweiß auf dem dünnen Bettlaken.

~*~*~

Nackt und laut gähnend schlurfte Lauri durch das dämmrige Haus. Überall waren noch die Vorhänge zugezogen, hing die, mit einem Hauch Sex geschwängerte Luft unter der Zimmerdecke.
Er kratzte sich am Bauch, auf dem es noch immer klebrig und bröckelig war. Eine Dusche wäre genau das richtige. Und Aki würde sicher noch eine Weile schlafen.
Kurz darauf prasselte das weiche Wasser auf Lauris Körper, wusch den Schweiß und die anderen Überreste der Nacht weg.
Eigenartiger Weise fühlte er sich seit gestern weniger bedrückt als die Tage zuvor. Er wusste nicht ob es nun an Akis Zärtlichkeit lag oder weil er kaum Gelegenheit zum nachdenken hatte.
Da aber auch keine neuen Anzeichen für einen Fremden an diesem Ort aufgetaucht waren, verließ Lauri mit einer gewissen inneren Ruhe die Duschkabine und schlüpfte in seine Klamotten.
An der Tür zum Schlafzimmer sah er in diesem Moment einen braunen Wuschelkopf unter der Decke auftauchen.
„Guten Morgen du Schlafmütze.“, grinste Lauri und streichelte über die leicht stoppelige Wange.
„Morgen.“, gähnte Aki, rieb sich die Augen, „ich könnte gleich weiterschlafen.“
„Ach komm, du hast fast zwölf Stunden durchgeschlafen.“, etwas energischer zupfte Lauri an der Bettdecke.
Grummelnd reckte sich Aki „Ich brauche eine Dusche.“
Lauri musste lachen, hauchte einen Kuss auf die schlafwarmen Lippen „Eine sehr gute Idee. Aber ich muss sagen, diese Nacht war atemberaubend schön gewesen.“
Spielerisch schnappte Aki nach den weichen Lippen „Ganz meinerseits.“, ließ frech seine Hand über Lauris Oberschenkel gleiten.
„Na na nicht gleich wieder so gierig.“, grinsend klopfte ihm Laui auf die Finger, ging zu einem der Fenster und öffnete es weit.
„Brrrrr mach das Fenster zu, das ist eiskalt.“, schlotternd sprang Aki auf und flüchtete ins Badezimmer.
Lauri hingegen ließ seinen Blick über die verschneite Landschaft streifen. In seinen Fingerspitzen begann etwas zu kribbeln, zog sich langsam die Unterarme hinauf und überkam ihn mit einem Schaudern. Es war als wenn jemand soeben über sein Grab gegangen war. So makaber er den Spruch fand, umso mehr Wahrheit steckte in ihm. Hatte er gerade noch das Gefühl gehabt es wäre alles gut, so überkam ihn jetzt eine ängstliche Übelkeit.
„Lauri? Man mach das Fenster zu. Das Haus wird kalt.“, Akis Stimme hinter ihm, ließ ihn zusammenfahren.
„Sorry aber ich fand es so erfrischen.“, log Lauri rasch und schloss es wieder.
Inzwischen war Aki angezogen, polterte in der Küche herum „Oh nein.“
„Was ist denn?“, rasche eilte er zu ihm.
„Wir haben unser Frühstück vergessen.“, enttäuscht hielt Aki die leere Kaffeedose nach oben, rieb sich über den Nacken, „ich fahr rasch in den Markt.“
Widerspruch war zwecklos, er würde so oder so fahren. Das war auch Lauri bewusst. Er gab Aki den Rucksack und küsste ihn sanft „Fahr vorsichtig.“
Draußen hatte Aki Mühe das Auto durch die kleine Schneewehe am Hang zu bekommen, mit quietschenden Reifen erreichte der Jeep die Forststraße.
Lange sah Lauri den Auto nach, sein Herz krampfte sich zusammen und alles was sich in den letzten Tagen zugetragen hatte, ergab plötzlich ein klares Bild vor seinen Augen.
Denn in diesem Augenblick, sah er sein Schicksal genau vor sich aus dem Wald treten.

°Sichtwechsel zu Aki für den Rest der Story°
~*~*~

Hart ruckelte der Jeep über die vereiste Forststraße, brach immer wieder an der Vorderachse aus.
Aki war aber nicht böse, dass er zum Supermarkt musste, denn dann konnte er gleich noch die eine oder andere Leckerei für Lauri einkaufen. Er war froh, dass er ihn so gut hatte ablenken können, dass er sich letzte Nacht Aki so hingegeben hatte.
Vielleicht würde Lauri nun seine Vorahnungen vergessen. Es war gut möglich, dass jemand um das Haus geschlichen war. Doch das konnte genauso gut ein Nachbar, ein verirrter Wanderer oder gar ein Fan gewesen sein. Es war zwar verständlich, wenn Lauri nach all den schlimmen Erfahrungen überall Schatten sah und das Schlimmste erwartete, doch früher oder später musste es aufhören.
Mit einem letzten Rucken kam der Jeep endlich auf der Teerstraße auf und rollte zügig die wenigen Meter bis zum Parkplatz des Supermarktes.
Die ersten Autos standen schon dort, ein LKW wurde ausgeladen und von der kleinen Bäckerei schwebte ein betörender Duft über die morgendliche Dämmerung.
Bibbernd rannte Aki vom Auto aus in den Markt, er hoffte, dass sie auch schon frische Brötchen hatten, denn das würde Lauri besonders freuen.
Hier und da wurde er gegrüßt, man kannte sich in dem kleinen Dorf, wusste wo der andere seine kleinen Hütte hatte.
Als es draußen mit einem Mal einen lauten Knall gab, hoben alle Leute die Köpfe, zwei Frauen begannen sofort zu tuscheln „Klang wie ein geplatzter Reifen.“
„Nein, so was ist nicht so laut.“
Gerade als Aki an der Kasse stand, heulte die Sirene im Dorf auf. Mit einem hellen, eindringlichen Ton schreckte sie die Leute im Markt auf. Schon begann überall heftiges Getuschel.
„Vielleicht ist einer in den See eingebrochen.“
„Nein, da heult keine Sirene. Oder es ist Unfall auf der Staatsstraße.“, flüsterte die nächste.
Beunruhigt stopfte Aki seine Einkäufe in eine der Papiertüten. Draußen sah er plötzlich die beiden Feuerwehren des Dorfes vorbei rasen, dicht gefolgt von der Polizei.
„Es brennt! Ein Haus ist in die Luft geflogen!“, hörte er einen alten Mann rufen, der wie wild in Richtung des Sees fuchtelte.
Krachend kam die Papiertüte auf dem Boden auf, die Flasche Milch zerbarst in tausend Scherben.
„Oh Gott, Lauri!“, entsetzt schlug Aki die Hände vors Gesicht, rannte wie von Sinnen zum Auto.
Mit lauten Donnern rauschte ein Hubschrauber über den Supermarkt hinweg. Inzwischen war das halbe Dorf auf den Beinen, versammelte sich auf dem Parkplatz.
Erneut heulten Martinshörner, zwei Krankenwagen aus der nächsten Stadt tauchten auf, holperten mit halsbrecherischem Tempo den Waldweg hinein.
Wie zu Eis erstarrt saß Aki im Auto, der Motor brummte geduldig, wartete das er Gas gab. Doch er konnte nicht, alles in ihm schrie danach loszufahren und sich von seiner grauenhaften Gewissheit zu überzeugen.
Nur langsam begannen die Räder über den vereisten Boden zu rollen, hinunter zur Straße um gleich darauf in einer Parkbucht zu Stoppen.
Zitternd setzte Aki einen Fuß vor den anderen, konnte nach wenigen Metern das ganze Ausmaß zwischen den Bäumen erkennen.
Mit einem Aufschrei ließ er sich zwischen zwei verschneiten Ginsterbüschen zu Boden sinken.
Etwa zweihundert Meter vor ihm ragten die brennenden Überreste ihrer Hütte aus dem gefrorenen Boden. Feuerwehrmänner rannten umher, versuchten die Bäume vor den Flammen zu schützen.
Polizisten schrieen in ihre Funkanlagen, der Hubschrauber kreiste über den Wasser, das barsche Wellen gegen das flache Ufer schlug.
Doch was Aki erneut trocken schluchzen ließ, waren die Überreste ihrer Kleidung die von dem heißen Feuerwind in den morgendlichen blaugrauen Himmel getrieben wurde.
Voller Hohn ging die Sonne hinter dem Berg auf, hüllte die Katastrophe in weiches rötliches Licht, was sich auf dem Wasser wie frisches Blut brach.

~*~*~

Es war viel Zeit vergangen, in der Aki auf dem kalten Boden gekniet hatte und fassungslos die Flammen angestarrt hatte.
Doch als er sah, wie ein weiterer Polizeiwagen kam und ein Spürhund heraussprang, raffte er sich auf und schleppte sich zum Auto.
Schluchzend legte er den Kopf auf das Lenkrad, ließ den Motor an und rollte mit Schritttempo weg von dem Dorf.
Seine Gedanken rasten, überschlugen sich und immer wieder sah er Lauris Gesicht vor sich.
Er durfte nicht tot sein, nicht Lauri, der schon sooft dem Tod von der Schippe gesprungen war. Warum war Aki zum Markt gefahren? Wäre er daheim geblieben so wäre er nun bei Lauri.
Nach wenigen Kilometern fuhr er von der Straße ab, parkte das Auto zwischen einigen Bäumen. Mit Tränennassen Augen suchte er in seinem Rucksack nach Taschentüchern, als etwas unter seiner Hand knisterte.
Mit einem erneuten Aufschluchzen zog er den etwas zerknitterten Brief auf der Tasche, mit geschwungenen Buchstaben stand sein Name darauf.
Ängstlich vor dem, was er nun lesen würde, faltete er das Büttenpapier auseinander:

[i]Geliebter Aki,

ich weiß, wenn du diesen Brief lesen wirst, rinnen die Tränen über deine wunderschönen Wangen, denn ich werde nicht mehr bei dir sein.
Es fällt mir schwer diese Zeilen zu verfassen, denn ich habe Angst davor, dass du ihn lesen musst. Wir sind gerade in unserer Hütte, du liegst im Bett und ich könnte dich schon dafür wie du schläfst, küssen.
Doch egal was geschehen ist, dass du diese Zeilen lesen musst, bitte ich dich, Finnland für eine Weile zu verlassen. Sie werden nach Indizien suchen, nachforschen und früher oder später an die Wahrheit kommen. Deswegen habe ich uns zwei neue Identitäten verschafft. Wie ich dich kenne, sträubt es dich diese anzunehmen, doch sieh es als letzten Wunsch an.
Verlasse Finnland, vielleicht sogar Europa und lasse die Wogen sich glätten.
Bitte versuche Kontakt mit Eero und Pauli aufzunehmen. Sie werden das alles nicht verstehen.
Es tut mir alles so leid, dass du es damals sehen musstest, das du nun auch in Angst lebst. Doch deine Liebe hat mir Kraft gegeben, bis hierhin durchzuhalten. Und was auch geschehen mag, ich werde immer bei dir sein.
Bitte weine nicht mehr Aki, es wird alles gut werden.
Du wirst bald aufwachen, weil es neben dir kalt ist und ich werde eine weitere Nacht in deinen wundervollen Armen verbringen dürfen. Du bist mein ganzes Glück.
Pass auf die auf mein Schatz und erfülle mir meinen letzten Wunsch. Alles was du benötigst findest du im Auto dort wo der Ersatzreifen ist.
Meine Augen werden immer über dich wachen und mein Herz für immer mit deinem Schlagen.

Ich liebe dich,
Lauri[/i]

Weinend sank Aki in sich zusammen, schlug mit der Faust auf das Armaturenbrett „Es ist nicht gerecht.“
Das Papier war durchnässt von seinen Tränen, er umklammerte es wie seinen letzten Rettungsanker.
Lauri hatte es gewusst, er hatte die ganze Zeit recht gehabt das sie in Gefahr waren. Doch Aki hatte es abgetan, versucht ihn von diesen Vorstellungen abzubringen.
„Warum?“, schluchzte Aki, rang nach Luft weil ihm das Weinen soviel Kraft raubte.
Über sich hörte er irgendwo wieder den Hubschrauber kreisen. Lauri hatte recht, würde es nun auffliegen würden sie Aki vielleicht noch wegen Mordes verhaften.
Fahrig trocknete er seine Tränen, legte den Brief behutsam auf den Beifahrersitz und ließ das Auto zurück auf die Straße rollen.
In ihm wuchsen die Gedanken wie er es Eero und Pauli beibringen könnte und vor allem wohin er nun gehen sollte.
Einsam rollte der Jeep dem so grau erscheinenden Horizont entgegen, einsam und verlassen, wie der Fahrer der ihn lenkte.

~*~*~

Der Geruch von Algen, Fisch und einer Prise Salz wehte Aki um die Nase. Er umklammerte die leicht rostige Reling der Fähre, starrte auf den Platz vor sich, wo noch immer Gabelstapler geschäftig hin und her rollten.
Seit dem Verlust von Lauri war knapp ein Tag vergangen. Aki hatte es geschafft noch einige Kilometer zu fahren, bevor die Erschöpfung ihren Tribut zollte und er zitternd, weinend und sich an den Brief klammernd auf dem Rücksitz eingeschlafen war.
Wie vorausgesagt, hatte er sehr früh am nächsten Morgen bei dem Ersatzreifen im Kofferraum einen Umschlag gefunden. Darin waren zwei Pässe und weitere Papiere. Außerdem lag eine Tasche mit Kleidung unter einer Decke. So als wenn Lauri es von Anfang an gewusst hätte.
Erschöpft und am Ende seiner Kräfte war er im Laufe dese Morgens am Hafen von Turku angekommen. Dank des Geldes, was ebenfalls in dem Umschlag war, hatte er sich eine Fahrkarte gekauft die ihn nach Schweden bringen sollte.
Wohin es dann gehen würde wusste er nicht. Er wollte sich tragen lassen wie in einsames Blatt im Wind.
In der kleinen Wartehalle der Fährgesellschaft hatte er sich mit einem einfachen Stück Papier hingesetzt und versucht einen Brief an Eero aufzusetzen. Mit wenigen Worten hatte er alles versucht zu erklären und ihnen Trost zuzusprechen, obwohl er selbst Trost brauchte.
Irgendwann würde er sich bei ihnen melden, doch er vermutete, dass die Polizei bald vor ihrer Tür stehen würde.
Das Basecap tief ins Gesicht gezogen, hatte er dann die letzte Einzelkabine bezogen die es noch gab.
Nun stand er hier und wartete, dass die Fähre endlich ablegen würde. Doch noch immer betraten Leute das Schiff, wurden Autos in den Bauch der Fähre geschafft.
Eine neue Träne löste sich von seiner Wange. Es fiel ihm schwer Abschied von Finnland zu nehmen, er hatte nichts Persönliches bei sich, hatte sich nicht von Helsinki verabschieden können. Gern hätte er Eero und Pauli umarmt, hätte den Friedhof besucht und dort einfach zu sich selbst finden wollen.
Von irgendwo verkündete ein Radio die neuesten Nachrichten. Es hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet, das nach ersten Meldungen Lauri einen tödlichen Unfall erlitten hatte. Sie sprachen von einer Gasexplosion, was Aki bitter hatte lachen lassen, sie hatten gar keine Gasleitungen in dem Haus. Die hätten doch nie den Winter überstanden. Es war eine Bombe, doch wo sie herkam und wer der Täter war, das konnte Aki nicht begreifen.
Lautes Krachen ließ ihn aufsehen, die Klappe der großen Ladeluke wurde soeben verriegelt. Letzte Passagiere kamen angerannt, winkten heftige das das Schiff noch warten würde.
Ein Taxi kam auf den Platz gerast, hielt mit quietschenden Reifen an und eine Gestalt rannte mit einer Fahrkarte winkend zur Einstiegsluke. Der lange Schal flatterte im Wind, doch das Gesicht war von einer Mütze verdeckt.
Traurig musste Aki daran denken, das Lauri auch diese Mützen geliebt hatte, eine ganze Sammlung besessen hatte. Doch nun würden sie in seiner einsamen Wohnung liegen bleiben und einstauben.
Wieder sah er, wie die Gestalt auf einen Angestellten einredete, dabei einen schmutzig schwarzen Rucksack schulterte.
Akis Herz setzte mehrere Schläge lang aus, seine Knie wurden weich wie Pudding.
„Nein.“, flüsterte er, krallte sich an der Reling fest.
Bebend, wie ein Baby bei seinen ersten Schritten, hangelte er sich an der Reling entlang nach vorn. Er musste fantasieren, sein übermüdetes Gehirn spielte ihm falsche Bilder vor.
Um ihn herum war Totenstille, die meisten Passagiere saßen lieber drin im warmen Restaurant.
Die Gestalt aus dem Taxi tauchte vor Aki am Ende der Treppe auf, die zu seinem Deck führte. Schon von weitem stach das große weiße Pflaster an der Schläfe von der Kleidung ab.
„Nein.“, flüsterte Aki erneut, ein Schluchzer schüttelte ihn.
Kurz verharrte der junge Mann an Fuß der Treppe, sah Aki endlich an der Reling und konnte einen kleinen Aufschrei nicht unterdrücken.
Wie von selbst rannten die Füße beider Männer los, sie weinten vor Freude und trafen sich in der Mitte des Decks, wo sie aneinander geklammert auf den Boden sanken.
„Das ist nicht wahr. Ich muss träumen.“, heulend krallte sich Aki in den nach Qualm stinkenden Pullover von Lauri fest.
„Aki, ich bin es wirklich. Gott ich bin so froh.“, weinte auch Lauri, nahm Akis Gesicht in seine Hände und übersähte es mit Küssen.
„Du….du lebst.“, lachend sah Aki ihn an, fuhr über das große Pflaster.
„Nur eine Schramme.“
Sie drängten sich auf eine winzige Bank die an der Wand stand, umklammerten sich weiterhin wie zwei Ertrinkende.
„Was ist nur geschehen?“
Tief holte Lauri Luft, sah zu wie das Schiff ablegte „Du warst gerade weg, da trat ein Mann aus dem Wald. In der Hand eine Waffe und einen Zeitzünder. Bevor ich wusste was ich tat, war ich in die Wohnung gerannt und hörte wie er die Tür eintrat. Er schoss durch das Sofa, in die Küche überall. Ich war ins Schlafzimmer gerannt und dachte ich könnte durch ein Fenster entkommen, aber ich bekam es einfach nicht auf. Dann krallte ich wie von Sinnen den Rucksack der immer neben der Tür stand. Der Mann hatte die Tür bei der Sauna vergessen. Gerade als ich Richtung See lief, gab es einen Knall, die Druckwelle riss mich von den Beinen und ich stürzte kopfüber in das eisige Wasser.“
„Und….und der Mann?“, entsetzt hielt sich Aki die Hand vor den Mund.
„Ich weiß es nicht. Angeblich wurde ein Leichnam entdeckt, sie werden merken, dass ich es nicht bin. Ich bin bis zu dem alten Bootshaus unseres Nachbarn geschwommen. Erinnerst du dich an den verwirrten Kauz? Der die Wiese voller Schrottreifer Autos hatte. Eines davon fuhr noch und ich kam bis in die nächste Stadt. In dem Rucksack waren noch eingeschweißte Bündel mit Geld. Ich wusste, du würdest diese Fähre nehmen.“
Leise schniefend umarmte Aki ihn „Es ist vorbei.“
„Ja, ich bete darum.“, Lauri ging zur Reling, zog sich die Mütze vom Kopf. Ein Teil der Haare war leicht versengt, der andere sehr kurz geschnitten.
„Wir sind nun andere Menschen.“, murmelte Aki, legte seinen Arm um Lauris Hüfte.
„Ich hoffe der Name Erik Gustavson ist nicht so schlimm.“, die grünen Augen blitzen belustigt aber auch sehr, sehr müde.
„Was wird aus The Rasmus?“, Aki sah über die glitzernde Ostsee.
„Es wird die Band nicht mehr geben. Leider. Auch wenn ich es mir wünsche, aber sie würden mich Jahre ins Gefängnis stecken.“
„Wohin gehen wir?“, Trauer schwang in Akis Stimme mit, er spürte, dass alle Brücken hinter ihm gerade in sich zusammenbrachen.
„Ich wollte schon immer wieder nach Hawaii. Dort werden sie uns nicht vermuten. Kommst du mit mir?“, unsicher sah Lauri ihn an.
„Bis dorthin und an das Ende der Welt. Du bist dem Tod von der Schippe gesprungen, wir können alles erreichen solange wir zusammen sind.“, flüsterte Aki und küsste Lauri mit all der Liebe, die er dachte verloren zu haben.

~The End~

17.01.2006 – 14.05.2006

Danke an den Film „Leon – Der Profi“, Aki und Lauri, meine Beta Jenny und Google, wo man selbst erfährt welche Waffen Profikiller benutzen


Seiten: 77
Wörter: 42.679



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