Image Hosted by ImageShack.us
slashmix

  Startseite
  ~Maneater~
  ~Lichter in der Dunkelheit~
  ~Unfaithful~
  ~Savin me~
  ~Der Lilienkiller~
  ~Unendlich~
  ~Backstage~
  ~Aki - Amor~
  ~Aki, guck mal was ich gefunden hab~
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


http://myblog.de/slashmix

Gratis bloggen bei
myblog.de





Maneater


FSK: 16
Warning: lime, lemon, fluff…
Disclaimer: Lauri und Aki gehören nicht mir, ich verdiene hiermit kein Geld
Inhalt: Ein Nachtclub, ein Sänger und die Folgen….



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Feiner Nieselregen hüllte die Straße in klamme Nässe. Wo Lichter aus Türeingängen oder bunte Leuchtreklame auf den schwarzen Asphalt fielen, schillerten die Pfützen in tausend Farben.
Trotz der spätabendlichen Stunde waren die Straßen voll mit Menschen, sie sahen einander kaum an, versteckten sich lieber unter Regenschirmen und Kapuzen. Keiner wollte von anderen erkannt werden, wohlmöglich traf man hier auf Nachbarn, Freunde oder gar den Chef. Ausgerechnet hier, in einem der verrufensten Viertel der Stadt. Die Straßenzüge wo es schnelle Erfüllung aller Wünsche gab, wo Namen und Herkunft uninteressant waren, Liebe käuflich war wie Brötchen beim Bäcker.
Zwischen zwei Häuserzeilen tauchte ein junger Mann auf, sah sich schüchtern um. Nie hätte er von sich erwartet, in je einen Fuß in dieses Viertel zu setzen. Doch die Neugier und insbesondere die Langeweile hatten ihn hierher geführt.
Erschrocken zuckte er zusammen, als ein riesiger Kerl in Frauenkleidern vor ihm auftauchte „Na Süßer, schon ein lauschiges Plätzchen für heute Nacht gefunden?“
Zaghaft schüttelte der blauäugige Mann den Kopf, wich noch etwas zurück.
„Hier, schau doch mal rein. Du wirst nicht enttäuscht werden“, der Transvestit stopfte Aki einen Flyer in das schwarz-weiß karierte Halstuch.
Niesend kratzte er sich die Nase, das widerlich süße Parfüm brannte sich in seine Nebenhöhlen. Das harte Papier des Flyers kratzte an seinem Hals, mühsam zog er ihn hervor und sah sich den Text im Schein der alten Straßenlaterne an.
„Lost Lovers, der Club für alle die das Besondere suchen“, etwas kleiner darunter stand weiter „Jeden Abend andere Auftritte von unseren außergewöhnlichen Künstlern. Travestie, Musical, Kabarett und Solokünstler.“
Suchend sah er sich um, entdeckte etwas weiter die Straße hinauf eine tiefrot leuchtende Reklame „Lost Lovers“, sie war schlicht, glomm wie ein einsames Notlicht in all den neonfarbenen Blinklichtern.
Darauf bedacht keine anderen Leute anzurempeln, überquerte er langsam die unbefahrene Straße. Im Schutz von kleinen Dachvorsprüngen hastete er durch den stärker werdenen Regen, bis er abrupt wenige Meter vor dem Club hielt.
Im Gegensatz zu den anderen Clubs, Bars und Lokalen, standen vor dem „Lost Lovers“ zwei große Hünen, die mit finsterem Blick ihre Umgebung scannten.
Nun sah Aki seine Felle davonschwimmen, sicher kamen dort nur besondere Leute rein, die mit Geld um sich warfen, teure Schlitten fuhren und die Künstler um ihre mit Diamantringen besetzten Finger wickelten.
Tief atmete er durch, ging näher heran, ängstlich darauf bedacht schnell genug verschwinden zu können. Wenn einer von den Bulldoggen nur einen Schritt zu ihm machen würde, er gäbe sofort Fersengeld.
Nervös drehte und knickte er den Flyer in der Hand, eine Ecke war schon ganz zerknüllt. Der Reiz des Unbekannten, diese Stimmung die das einfache und doch verruchte Äußere des Clubs an sich hatte, zogen Aki wie magisch an.
Umständlich zupfte er an seiner Kapuze, spürte den feuchten Stoff unter der Hand. Die Wand neben ihm roch leicht modrig, ein Duft wie von Walnüssen hing ihm in der Nase. Überall an der Wand klebten Plakate, darauf Sprüche gekitzelt, Telefonnummern und Namen.
Tief atmete er ein, entweder würde er nun entschlossen dort reinspazieren oder gleich in dem Unrat am Straßenrand liegen.
Zwei paar Augen fixierten ihn, schienen ihn bis auf die Unterhose entblättern zu wollen. Aki hatte das Gefühl, er würde gleich aufschreien und wie ein Verrückter die Straße entlang rennen. Ihm war es eigentlich unbegreiflich, warum er so aufgeregt war. Nur wegen diesem alten, heruntergekommen Club, gegen den jedes billige Striplokal wie eine edle Villa aussah.
„Guten Abend.“, knurrte einer der Hünen, griff hinter sich.
Fast wäre Aki mit beiden Beinen gleichzeitig zurückgesprungen, doch statt ihn zu packen und zu zerquetschten, holte der Security eine Karte hervor.
„Ein Getränk ist frei.“, wurde ihm noch mitgeteilt, da schlugen aber hinter ihm bereits alte, ehemals rote Samtvorhänge zu.
Er hatte es wirklich geschafft, er stand im dicht mit Rauch verhangenen Vorraum des „Lost Lovers“ und vor ihm lag eine Nacht, die er nie vergessen würde.

~*~*~

„He Süßer.“, eine schon bekannte Stimme ließ Aki erschrocken zusammenfahren. Aus einem Gang seitlich des Barraums tauchte der Travestie von vorhin auf. Dieses Mal jedoch in einem knallroten Stretchkleid und einer ebenfalls roten Perücke.
„Hei.“, stammelte er verunsichert, konnte nicht anders, als einen Moment unverholen neugierig das ausgestopfte Dekolteé zu mustern.
„Als wenn du es gewusst hast.“, laberte der große Typ weiter, wedelte tuntig mit einem Fächer herum.
„Äh, was denn?“
„Na das ich gleich auftrete Süßer.“, er schwang gekonnt die Hüften, stöckelte die kleine Treppe zum Gastraum hinunter, wo einige Anwesende bereits johlten.
Einen Moment spielte Aki mit dem Gedanken schnurstracks umzudrehen, aber die feuchte Jacke die unangenehm an seinen Armen klebte, ließ ihn ebenfalls die Treppen hinunter schlendern. Die meisten Gäste waren vornehmlich Männer und nicht wenige von denen trugen Anzüge oder protzige Rolex blitzten im Schein der Diskokugel an den fetten Handgelenken.
„N’ Abend.“, der junge Barkeeper, der eins zu zehn stockschwul war, nickte Aki zu, wischte mit einem Lappen über das Stück Theke wo er sich niederließ.
Beifall brandete einen Moment auf, als der Travestie die Bühne betrat, sich im Licht eines Scheinwerfers aalte. Mit rauer, heißerer Stimme fing er an irgendwelche Schnulzen aus den 80’er Jahren zu singen.
„Was darf’s sein?“, der Barkeeper sah Aki interessiert an.
„Ähm….“, hastig überflog er die eingeschweißte Getränkekarte, „ein Sunshine.“
Es klang fruchtig und es war nur wenig Alkohol drin, schließlich wollte sich Aki nicht besaufen, sondern nur das Ambiente etwas schön trinken.
Vor Jahren war dieser Club sicher ein Traum für jeden homosexuellen oder durchgeknallten Nachtschwärmer. Die kitschigen Samtvorhänge, der mahagonifarbende Tresen, die schwarzen Barhocker mit Plüschrand. Nun wirkte alles heruntergekommen, alt und einfach völlig aus der Mode.
„Wer tritt heute noch so auf?“, Aki versuchte ein Gähnen zu unterdrücken. Was der Travestie, der nach den Rufen einiger Männer wohl Kitty hieß, auf der Bühne bot, zog ihm langsam die Augenlider herab.
Der Mann hinter dem Tresen polierte mit Sorgfalt eine Reihe Gläser „Keine Sorge, den besten Auftritt des Abends haben Sie noch nicht verpasst.“, dazu ein hintergründiges Lächeln.
Nachdenklich stützte Aki sein Kinn in die Handfläche. Was sollte hier noch kommen? Auftritt der Mäusecombo?
Scheinbar gab Kitty eine Zugabe nach der anderen, einige warfen sogar Rosen auf die Bühne. Innerlich schüttelte sich Aki, so was wie diese Person würde er nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Wer wusste schon, wie er ohne Make up und Perücke aussah.
Endlich, nach zehn Zugaben verschwand er, Kusshände werfend hinter der Bühne. Gleich darauf dröhnte Musik aus den Boxen, ebenfalls altes Popgewäsch von vor Akis Zeit.
Gelangweilt spielte er Mikado mit den Strohhalmen, nuckelte an der eklig süßen Cocktailkirschen.
Aus den Augenwinkeln sah er, wie plötzlich aus einer Seitentür mehrere Männer eintraten. Alle in schwarzen Jacken, dunkler Sonnenbrille und die Statur von Bärentötern. Sie ließen sich an einem Tisch direkt neben der Bühne nieder, wo soeben ein einzelner Barhocker aufgestellt wurde, ein anderer Angestellter brachte eine schwarze Gitarre.
Dann erloschen langsam die Lichter im Saal, gröhlen brach aus, die Luft fühlte sich an wie mit einem Hauch Erotik gewürzt. Prickeln kroch über Akis Haut, er hatte einen Moment das Gefühl jemand sah ihn direkt und sehr intensiv an.
Neugierig huschten Akis Augen über die Mengen. Als er den Grund für die Aufregung entdeckte, klappte ihm der Mund auf.
Wenn Erotik ein Aussehen hätte, dann würde sie soeben die Bühne betreten.

~*~*~

Aus einer dunklen Ecke am Rand der Bühne hatte sich ein junger Mann gelöst, strebte mit katzenhafter Geschmeidigkeit dem Barhocker zu.
„Wer….wer ist das?“, raunte Aki dem Barkeeper zu.
Dumpfes Lachen war zu hören „Das ist Lauri. Der Traum von jedem hier.“
Eingehend betrachtete Aki diesen Lauri, als der über die Bühne schlenderte. Die hautenge tiefschwarze Hüfthose, die zu den Füßen hin weiter wurde, betonte verlockend gut den festen, prallen Hintern, das ebenfalls schwarze Hemd war komplett offen, brachte einen flachen, muskulösen Oberkörper zum Vorschein. Scheinbar war eine Art Glitzerspray darauf gesprüht wurden, denn der Blick richtete sich automatisch auf den leicht glänzenden Streifen dunkler Haare, der sich von der Brust über den Nabel verlaufend, im Bund der tief sitzenden Hose verirrte. Das die Augen Grün wie edle Smaragde waren, erkannte Aki selbst auf dieser Entfernung, schwarzer Kajal und Lidschatten ließ sie leuchten wie bei einer gefährlichen Raubkatze. Die pechschwarzen Haare waren zu einem winzigen Zopf zusammengefasst, ein feiner Schweißfilm glänzte an dem schlanken Hals.
Selbstgefällig ließ Lauri seine Augen über die Anwesenden gleiten, schien jeden von ihnen einen Moment zu fixieren. Unsicher rutschte Aki in sich zusammen, als er das Gefühl hatte, ihn würde er einen Moment länger, als die anderen ansehen.
Dann nahm er die Gitarre auf, setzte sich auf den Barhocker und zupfte an den Saiten.
„Was macht er?“, raunte Aki dem Barkeeper zu.
„Singen. Selbstgeschriebenes Zeug, viele Balladen. Fragt mich nicht warum er solche Schnulzen schmachtet.“, grinsend zwinkerte der Typ, duzte Aki selbstverständlich.
Fasziniert hörte Aki, wie eine raue, dunkle Stimme ertönte, sich wie Samt auf die Ohren legte. Es war totenstill in dem Raum, alle starrten den Sänger an.
„Tja, nun bist du ihm auch verfallen.“, feixend schob der Barkeeper einen Drink zu Aki, der ihn ärgerlich ansah.
„Was meinst du?“, er fand es ziemlich frech, so was einfach zu behaupten.
„Der da.“, er nickte zu einem Mann mit roter Krawatte, „der Direktor der Landesbank. Daneben an dem Tisch der Personalchef von Nokia. Und ansonsten sitzen hier Männer von Mineralölgesellschaften, Banken. Soll ich die Liste fortsetzen?“
Fassungslos sah sich Aki um „Warum das?“
„Sie alle werfen Lauri den Luxus hinterher. Autos, Yachten, teuren Schmuck, einer hat ihm sogar eine riesige Villa geboten. Bisher hat er es aber nie angenommen.“
„Und wofür?“, eigentlich ahnte Aki die Antwort schon.
„Eine Nacht mit Lauri. Einmal ihre schmierigen Pfoten auf seinen Körper tatschen. Diese fetten Säcke würden ihm die Sterne vom Himmel holen.“
Das erste Lied war zu Ende, Jubel brandete durch die Menge, selbst Rosen flogen auf die Bühne.
Innerlich schüttelte sich Aki bei dem Gedanken, von einem dieser Typen berührt zu werden „Aber er könnte doch in Saus und Braus leben.“
„Habe ich auch schon gesagt. Aber trotzdem taucht er immer wieder hier auf, singt, bricht Herzen und doch kommt ihm keiner zu nahe. Siehst du die Typen dort?“, der Typ hinter dem Tresen deutete auf die dunklen Gestalten, „Wir nennen sie die Bluthunde.“
Unsicher schielte Aki zu den Gestalten, die mit finsterer Mine über die Leute sahen. Er konnte sich vorstellen, dass sie jeden hier im Raum platt machen würden, käme einer ihrem Schützling zu nahe.
Der Barkeeper wurde zu einer Bestellung gerufen und Aki hatte genug Zeit sich auf Lauri zu konzentrieren.
Warum sang ein junger Mann, der jeden Luxus haben konnte, in so einer alten Kaschemme und ließ sich auch noch von solchen Bulldoggen bewachen?
„Was ist dein Geheimnis?“, flüsterte Aki leise zu sich selbst.

~*~*~

Eine Ballade, von Liebe und Sehnsucht schwer, klang durch den rauchverhangenen Raum. Unablässig starrte Aki zu Lauri, nahm jedes Detail von dessen Bewegungen dar. Wie er die Augen schloss, Schweiß über die Brust perlte und langsam im Hosenbund verschwand.
Ungern gestand er es sich ein, aber er spürte Begehren. Dieser Mann strahlte einen Reiz aus, der es unmöglich machte, ihn nicht berühren zu wollen.
Doch ihm war genauso bewusst, dass Lauri unerreichbar für ihn war. Solch ein Mensch war in seinem eigenen selbstgefälligen Verhalten gefangen, was es ihm unmöglich machte, Gefühle anderen gegenüber zu zeigen. Einmal, vor langer Zeit, war Aki an genau so einen Mann geraten, seine erste große Liebe. Doch war diese Beziehungen von Streit, Verlassen und Versöhnung geprägt. Sein Freund hatte keine Gefühle zeigen können, er hatte denselben überheblichen Blick wie Lauri nun auf der Bühne.
Seufzend rührte Aki in dem langsam warm gewordenen Drink, die letzten Eiswürfel verschwanden in der orangenen Flüssigkeit. So hatte er sich den Abend nicht vorgestellt, er dachte, er könnte sich amüsieren und nun saß er hier und schmachtete einen Mann auf einer schäbigen Bühne an.
Inzwischen schien Lauri die letzen Lieder anzustimmen, denn die Bluthunde packten ihre Handys in die Jacken.
Auch Aki kramte nach ein paar Geldscheinen, schob sie über den Tresen. Vielleicht gäbe es noch eine andere kleine Bar wo er sich zwei, drei Drinks gönnen könnte, bevor er frustrierter als zuvor wieder in sein Apartment zurückkehren würde.
Beifall und Jubel ließen das leere Glas etwas erzittern, Lauri verbeugte sich mit geradezu höhnischem Grinsen. Kaum hatte er die Bühne verlassen, sprangen einige Gäste auf, strebten auf Lauri zu. Doch noch ehe sie auf Armeslänge an ihn heran waren, umzingelten ihn die Bluthunde und er verschwand zwischen all den schwarzen Lederjacken.
„Tja, bewacht wie ein Superstar.“, zufrieden zählte der Barkeeper sein Trinkgeld.
„Schöne Nacht noch.“, Aki zog seine inzwischen trockene Jacke wieder an, sah sich noch mal nach Lauri um und verließ, nachdem er ihn nicht mehr sehen konnte, den Club.
Kalte, feuchte Nachtluft schlug ihm entgegen, weißer Nebel quoll aus den Gullideckeln und das Licht der Reklame glänzte in den Pfützen wie vergossenes Benzin.
Eine Weile schaute Aki die Straße hinauf und wieder runter, bis er einfach loslief.
Irgendwann stand er vor einer Kneipe, die recht einladend aussah. Drinnen war alles verwinkelt, die Theke war lang und die Barhocker bequem.
Gelangweilt spielte Aki mit seinem Untersetzer, während der Mann hinter dem Tresen ihm eine Flasche Bier aufmachte.
Die Musik war entspannend, beinah einschläfernd, mit der Fußspitze tippte Aki den Takt mit. Nun konnte er tatsächlich abschalten, indem er die Leute in der Kneipe beobachtete, an seinem Bier nippte und versuchte nicht mehr an den Typen mit dem Katzenaugen zu denken.
„Hei. Ist hier noch frei?“, eine, vom Singen, heißere Stimme ließ Aki zusammenzucken.

~*~*~

Tiefgrüne Augen glitzerten unter einem Kopftuch hervor, der Mund war zu einem ehrlich erscheinenden Lächeln verzogen.
„S….sicher.“, stammelte Aki, legte seine Jacke über den anderen Barhocker. Mit einem kleinen Blick über die Schulter registrierte er, dass die Bluthunde an einem Tisch Platz genommen hatten, durch die Speisekarte blätterten.
„Kennen wir uns?“, Lauri riss ihn aus seinen Gedanken.
„Glaube nicht.“
Nun lachte Lauri leise „Doch, natürlich. Du warst im „Lost Lovers“ und hast an der Bar gesessen. Neue Gesichter vergisst man nicht so schnell.“
Hochrot biss sich Aki auf die Lippe, starrte auf den Tresen. Warum musste sich Lauri ausgerechnet an ihn erinnern?
Genüsslich strich sich Lauri über seinen Bauch, der nun unter einem ähnlichen Hemd wie vorhin versteckt war, nur das dieses kurze Ärmel hatte.
„Ich hätte jetzt Lust auf einen Cocktail.“, grinsend legte Lauri sein Kinn auf die Handfläche, sah Aki abwartend an.
Leise grummelnd stellte dieser fest, dass der Abend noch ordentlich an seinem Geld knabbern würde, trotzdem hob er die Hand und winkte den Barkeeper heran.
„Schöne Lieder.“, begann Aki vorsichtig ein Gespräch.
„Danke. Ich lasse mich gern von meinen Gästen inspirieren.“, der Cocktail stand nun vor ihm und er begann genussvoll an der Kirsche zu knabbern und zu lutschen.
Aki konnte nicht anders, als ihm dabei zuzusehen. Die vollen roten Lippen schlossen sich um die zuckersüße Frucht, einen winzigen Augenblick schnellte die Zungenspitze hervor und kostete von einem kleinen Tropfen Flüssigkeit, welche an dem Stiel hing.
„Schmeckt´s?“, würgte er leise hervor.
„Köstlich, fast so gut wie ein Kuss.“, seufzte Lauri leise, zwinkerte kurz, „aber verrat mir nun doch mal etwas über dich. Außer du möchtest, das ich dich Süßer nenne, weil du vielleicht drauf stehst.“
Empört schnappte Aki nach Luft. Was bildete sich Lauri eigentlich ein? Doch seine Masche schien bei vielen zu ziehen, wenn man sich erinnerte wer ihm zu Füßen lag.
„Aki.“, murmelte er leise, nahm einen kräftigen Schluck von seinem Bier.
„Ein schöner Name. Aki.“
Gänsehaut huschte eben diesen den Rücken herunter, als er sich vorstellte wie es wäre, wenn Lauri seinen Namen in höchster Ekstase rufen würde.
„Woran denkst du, Aki?“, Lauri betonte den Namen auf eine besondere Weise, ließ das A lag über seine Lippen perlen.
„Nichts.“, wich er ihm aus.
„Schade, ich dachte du würdest an mich denken.“, schlürfend verschwand das prickelnde grünliche Getränk aus dem Glas, „seltsam, dass ich dich noch nie hier gesehen habe.“
Schulterzuckend sah sich Aki in der Kneipe um. Warum sollte er ihm nun auf die Nase binden, dass er seit Monaten endlich wieder einmal ausgegangen war. Nachdem sein Ex dies nie akzeptiert hatte und Aki nach der Trennung schwer unter den Vorwürfen gelitten hatte, er wäre ja doch nur fremdgegangen.
„Komm schon. Warum bist du im Club gewesen. Eine schnelle Nacht gesucht?“, Lauri zupfte an Akis Ärmel, sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.
„Das geht dich verdammt noch mal nichts an.“, fauchte Aki, schmiss ein paar Euro auf den Tresen, riss die Jacke vom Stuhl.
„He warte, so war das nicht gemeint.“, hörte er Lauri noch hinter sich rufen, doch da hatte er bereits die Ausgangstür aufgerissen.
Mit einem lauten Knall fiel sie ins Schloss, ließ Lauri allein in der Kneipe zurück und Aki stand wieder im Nieselregen auf der Straße.

~*~*~

Ab und an platschte es leise in der Stille, wenn Akis Schuhe in einer der unzähligen Pfützen landeten. Doch es war stellenweise so dunkel in dem Park, das er mit Mühe den Weg vor sich überhaupt erkennen konnte.
Bewusst hatte er diesen Weg nach Hause gewählt, schon früher war er oft in der Nacht auf den unzähligen Wegen umhergewandert, damit sein Kopf frei wurde.
Und genau das versuchte er nun, den Kopf frei zu bekommen von einem grünäugigen männerfressenden Kerl, der alles kriegen konnte was er nur wollte.
Entnervt kickte er einen Stein vor sich her, der nach ein paar Metern mit einem leisen Gluckern in einer recht tiefen Pfütze verschwand. Mit Bedacht stieg Aki über die Wasserlache, er hatte bereits jetzt schon das Gefühl, dass seine rechte Socke nass war.
Seufzend wickelte er sich sein Tuch fester um den Hals und verfiel erneut in seine trüben Gedanken. Wäre er, wenn nur etwas mehr Mut ihn ihm gesteckt hätte, mit Lauri mitgegangen? Oder hätte dieser ihn, wenn er scharf genug geworden wäre, einfach eiskalt abserviert?
Irgendwo neben ihm raschelte es einen Moment und aus dem Gestrüpp huschte ein Marder, im Schein der wenigen Laternen, über den sandigen Weg.
Kurz darauf hörte er Fauchen und Kreischen zwischen einigen Bäumen. Scheinbar kämpften dort zwei Marder um ein Weibchen.
Aki beschleunigte seinen Schritt, wer wusste schon wozu solche durchgedrehten Tiere im Blutrausch in der Lage waren.
Außerdem wurde ihm der Regen immer unangenehmer. Nichts hasste er mehr, als nasse Jeanshosen auf nackten Beinen.
Endlich kam seine Straße in Sicht und er rannte das letzte Stück im stärker werdenden Guss von oben.
Schnaufend rang er im dunklen Hausflur nach Luft, es roch wie immer leicht modrig, aber trotzdem nach zu Hause. Die feuchten Schuhe quietschten auf den Steintreppen, als er nach oben ging. Leise brauchte er nicht zu sein, die meisten Bewohner waren schwerhörige Rentner und sein Nachbar tauchte alle paar Wochen von irgendeiner Baustelle für wenige Stunden auf.
Erleichtert verschloss er seine Wohnungstür hinter sich, warf Schuhe und Jacke in die Ecke. Fröstelnd tappte er ins Bad, lehnte sich aufatmend an die warme Heizung, die leise rauschend nochmals ihre Arbeit aufnahm. Unwillkürliche musste er daran denken, wie Lauri wohl wohnte. Auch in so einem Haus wie er oder vielleicht schlief er ja in einem Bett aus purem Gold. Sicher würde einer dieser Typen so etwas für ihn kaufen.
„Was machst du mit mir?“, fragte er sein erschöpft aussehendes Spiegelbild. Dieser Lauri hatte seine Gedanken in wenigen Stunden auf den Kopf gestellt. Das Beste war, nie wieder in den Club zu gehen, so könnte er ihn am schnellsten vergessen.
Doch es war typisch für Aki, so schnell er sich in jemanden verknallen konnte, so schnell kam auch der Katzenjammer.
Seufzend warf er seine restliche, nasse Kleidung über einige Kleiderbügel, schlüpfte in seine ausgeleierte Boxer die er nachts trug.
Leise plätscherte der Regen über die Dachschrägen im Schlafzimmer, trommelten stetig auf das Fensterbrett. Mit einer Gänsehaut am ganzen Körper krabbelte Aki in sein Bett, horchte durch das gekippte Fenster wie draußen ein einsames Auto vorbeifuhr.
Einerseits war es schön das ganze Bett für sich zu haben, aber dann wieder sehnte er sich nach den Atemzügen eines anderen Menschen neben sich.
Eine Melodie kam ihm in den Sinn, die er leise summte. Solange bis ihm einfiel, woher er sein kannte. Es war eine von Lauris Balladen. Entnervt stöhnt er auf, drehte sich auf den Bauch und zog die Decke über den Kopf.

~*~*~

Erholsam hatte Aki diese Nacht nicht geschlafen, immer wieder war es aus wirren Träumen aufgeschreckt und einmal dachte er sogar, es würde sich eine Person mit ihm im Zimmer befinden.
Der Weg zum Supermarkt kam ihm länger vor, als je zuvor. Seine Augen brannten unangenehm und waren sicher völlig mit Schlaf verklebt. Außerdem kroch ihm die feucht-kalte Luft durch die Jacke, was immer neue Schauer über seine Haut jagte.
Mit einer Hand spielte er mit dem Einkaufszettel in der Tasche, versuchte sich zu erinnern ob er noch mehr benötigte.
Auch wenn er Single war musste das nicht bedeuten, dass er nur von Pizza und Fast Food lebte, gern kochte er für sich. Leider grundsätzlich zu viel, immer dachte er noch daran für zwei zu kochen.
Mit kalten Fingern fischte er einen Euro aus der Hosentasche, nahm einen der Wagen aus der langen Reihe.
Schnaufend löste er sein Tuch vom Hals, wie er den Markt betrat, die Heizung war scheinbar voll aufgedreht.
Bis auf einige Rentner waren nicht viele Leute unterwegs, dafür wurden hier und da noch Paletten abgeladen.
Langsam schlenderte er zur ersten Reihe, fing an sich den Wagen volzuladen. Dabei war es nicht von Vorteil, dass er von Natur aus ein Vielfraß war. Oft genug landeten Dinge im Metallkorb, die nicht auf dem Zettel standen.
Gerade als er vor dem Regal mit Tee stand, hörte er eine leise Stimme hinter sich „Hallo. So trifft man sich also wieder.“
Erschrocken drehte er sich um und sah direkt in blitzende grüne Augen.
„L…Lauri?“, ihm blieb der Name fast im Hals stecken.
Doch im nächsten Moment ließ er seine Augen verblüfft über das Gegenüber huschen. Nichts war von dem verruchten Nachtclubsänger zu sehen. Stattdessen sah Lauri eher aus wie ein netter Typ von Nebenan.
Schwarze Jeans, ein gleichfarbiger Kapuzenpullover, die Haare unter einem Kopftuch versteckt.
„Jap. Sieht wohl so aus.“, wenn das Licht nicht täuschte, dann schien Lauri sogar rot zu werden.
„Ähm….naja.“, unsicher trat Aki von einem Bein auf das andere.
„Ich würde mich freuen, wenn du wieder in den Club kommen würdest.“, das pausbäckige Gesicht wurde durch das Kopftuch noch mehr betont.
Genau das, was Aki eigentlich nicht mehr vorhatte. Doch ein Blick in die müde wirkenden Augen, dieser völlig andere Charakter im gleichen Körper machten ihn weich.
„Mal sehen.“, murmelte er, spielte mit einer Teepackung.
Auch Lauri schien nicht richtig zu wissen wie er sich verhalten sollte „Und, was machst du heute noch so?“
„Weiß nicht.“, wich Aki ihm aus, er wollte nicht zuviel von sich preisgeben, „und du?“
„Glaube paar Songs überarbeiten, hatte gestern Nacht noch ein paar Ideen.“
Sie standen sich gegenüber und wussten nichts mehr zu sagen.
„Ich werd dann mal.“, zögerlich schob Aki den Wagen ein Stück vor.
„Bis bald. Hoffentlich.“, flüsterte Lauri noch leise, bevor er zwischen den Regalen mit Tiernahrung verschwand.
Nachdenklich sah Aki ihm nach, kratzte sich am Kopf. Dieser Mann warf ein ums andere Mal neue Rätsel auf und er wusste nicht, wie er diese lösen sollte. Was steckte wirklich hinter den grünen Augen? Macho oder ein Typ der versuchte durch eine großkotzige Art unnahbar zu wirken? Oder eben ein junger Mann der im Tageslicht kaum den Mund aufbekam.
Fast wäre Aki mit dem Wagen in eine Pyramide aus Konserven gerannt, er sollte das Nachdenken auf weniger gefährliche Orte verlegen.

~*~*~

Die ganze Zeit hatte Aki in die langen Regalreihen gespäht, in der Hoffnung Lauri noch mal irgendwo zu sehen. Doch dieser war scheinbar sofort nach ihrem Treffen wieder aus dem Markt verschwunden.
Leise Flüche auf die schweren Beutel murmelnd, stapfte er nach Hause. Der Markt war nur ein paar Häuserblöcke entfernt, aber wenn man zig Flaschen und Milchpackungen herumschleppte wurde selbst das eine Weltreise.
Irgendwann würde er sich wirklich ein Auto kaufen, das nahm sich Aki jedes Mal wieder vor, wenn er Einkäufe schleppte. Nur fehlte dafür noch vorn und hinten das Geld. Von ein bisschen Drummer hier und ein paar Aushilfsjobs da, konnte er sich gerade so die Wohnung und das Essen leisten. Trotzdem ging er jeden Tag mit der Einstellung an, dass ihm bald das Glück hold sein würde und er vielleicht eine Band finden würde oder einen gut bezahlten Job.
Keuchend zwang er sich die Treppen im Hausflur nach oben, wünschte sich eine Art Flaschenzug draußen am kleinen Balkon.
Polternd und lauthals fluchend stolperte er schließlich in seine Wohnung, wo sich sofort der Beutel mit dem Obst selbstständig machte. Die Äpfel verschwanden unter dem Schrank und die Orangen machten sich allein auf den Weg in die Küche.
Erschöpft sank er auf einen Küchenstuhl, goss sich ein Glas Cola ein. Nun hatte er Zeit über die Szene im Markt nachzudenken. War das wirklich der Lauri von gestern gewesen? Wo war das Coole, das Verruchte? Nichts war beim Tageslicht davon zu entdecken. Er wirkte eher schüchtern, als wenn er Angst hatte vor anderen Menschen.
Nachdenklich fing Aki an auszupacken, doch seine Gedanken kamen nicht weg von dem Gesicht unter dem Kopftuch. Die kleine Nase, die grünen Augen. Es war einfach ein Gesicht, welches jeder Mensch mögen musste, es wirkte unschuldig und keiner würde ahnen was dahinter steckte.
Seufzend massierte er sich die Schläfen, rieb die brennenden Augen. Für ihn ein Zeichen das er die Nacht mies geschlafen hatte.
Doch in seinem Kopf hallten die Worte von Lauri nach, ob er wieder in den Club käme. Genau das, was er wenige Stunden zuvor sich selbst strikt verboten hatte.
Und warum sollte er wieder kommen? Um sich von Lauri wieder ausfragen zu lassen über Dinge, die er selbst noch nicht ganz verarbeitet hatte?
Die Kleidung links und rechts von sich fallen lassend, ging er ins Schlafzimmer. Ratschend glitten die Rollläden herunter, hüllten das große Bett in schummrige Dunkelheit.
Manchmal wollte Aki nur noch unter seiner Decke liegen, die Augen schließen und an nichts mehr denken müssen. Besonders in letzter Zeit, als er sich immer mehr bewusst wurde, dass sich mit seinem Ex auch viele Freunde gleichermaßen abgewandt hatten, genoss er diese Stille.
Seufzend rollte er sich hin und her, spähte zwischen den Falten der Decke hervor. Irgendwo aus dem Kissen hatte sich eine Feder gelöst, schwebte durch winzige Luftzüge im Raum.
Sie erinnerte ihn erneut an Lauri, zart, weich und doch stark.
Irgendwo in seinem Hinterkopf flüsterte ein dünnes Stimmchen, dass der anziehende Nachtclubsänger gewonnen hatte und es immer wieder schaffen würde.

~*~*~

Unsicher huschten Akis Augen hin und her, blinzelten das Wasser in den Wimpern weg. Wieder stand er hier auf der Straße, sah vor sich die roten Leuchtbuchstaben des „Lost Lovers“ im Wasser spiegeln.
Das seine Zähne sicher nicht nur vor Aufregung klapperten, war angesichts des Wetters kein Wunder. Es goss wie aus Kannen, Kapuze und Kappe waren völlig durchgeweicht. Aki fühlte sich, als wenn er durch das Hafenbecken geschwommen war.
Doch er hatte sich selbst nicht bremsen können, wie von allein hatte er sich, als die Uhr auf seinem Nachttisch zehn Uhr abends zeigte, angezogen und war losgelaufen.
Unschlüssig trippelte er von einem Fuß auf den anderen, gab sich einen Ruck und lief so normal, wie es die eiskalten Füße zuließen, auf den Eingang zu.
Die beiden Türsteher sahen ihn zwar seltsam an, aber hinderten ihn nicht durch die Tür zu schlüpfen.
Kaum schlug ihm die Wärme des Clubs entgegen, nieste er kurz aber heftig.
„Gesundheit Süßer.“, tönte es hinter ihm.
Erschrocken drehte er sich um, sah in die stark geschminkten Augen des Transvestiten von damals.
„Danke.“, schniefte Aki, versuchte unbemerkt die Jacke auszuwinden.
„Na na, das wird doch nichts nützen. Komm mal mit und keine Angst, ich beiße nicht.“, auf High Heels stöckelte er voran und Aki folgte ihm in einen kleinen Gang, der scheinbar zu den Garderoben der Künstler führte.
„Hier.“, ein Handtuch wurde ihm gereicht und ein Stuhl angeboten.
„Danke.“, murmelte er erneut, sah zu wie der Typ im Stretchkleid an einem Wasserkocher hantierte.
„Du bist wegen ihm hier?“
Aki hielt inne sich die Haare trocken zu rubbeln „Was meinst du?“
„Lauri natürlich. Du bist ihm genauso verfallen wie die anderen. Obwohl ich sagen muss, du gehörst noch zu einem derjenigen, die ich ihm gönnen würde.“
„Äh ah ja….“, stammelte er.
„Kitty, aber du kannst mich auch Aapo nennen.“
Schweigend trocknete sich Aki ab, rutschte etwas näher an den warmen Heizkörper.
„Hier, ist nur Kamille, aber besser als nichts.“, Aapo reichte ihm eine Tasse dampfenden Tee, drehte sich zum Spiegel, kramte nebenbei in einem Schminkkoffer.
„Wie gut kennst du Lauri?“
Kurz streifte ihn Aapos Blick „Gut genug um zu wissen, dass er auf der Suche nach dem einen ist.“
Verwirrt sah Aki von der Tasse auf, erhielt prompt eine Erklärung.
„Denkst du ein Kerl der wirklich so cool, unnahbar und arrogant wäre, würde solche Balladen schreiben? Ich schwör aufs Grab meiner Mutter, das er jedes einzelne Wort allein geschrieben und komponiert hat. Es gibt eine andere Seite an Lauri.“
Sofort kam Aki wieder die Szene im Markt in den Sinn, der viel zu große Pullover, der schüchterne hektische Blick.
„Wie kann man ihn selbst finden?“, fragte er mehr zu der Tasse.
„Das musst du selbst wissen. Aber vergiss nicht, er denkt er bekommt alles was er will. Vielleicht muss er erstmal aufwachen.“
Langsam begriff Aki, leerte die Tasse „Danke. Ach ja, nimm lieber blauen Lidschatten, grün sieht fürchterlich aus.“
Aapo grinste ihn durch den Spiegel an „Wenn du nen Seelenklempner brauchst, ich bin immer hier Süßer. Und nun mach, dass du in den Club kommst. Ich wette du wirst sehnsüchtig erwartet.“
Als Aki auf dem dunklen Gang stand, dachte er über die Worte des Transvestit nach, er begann zu verstehen, was Aapo alias Kitty ihm sagen wollte. Jubeln und Beifall holten ihn zurück in die Realität, es wurde Zeit den Lauri der Nacht auf der Bühne zu bewundern. Um den Lauri bei Tageslicht würde er sich später Gedanken machen.

~*~*~

An der Bar setzte er sich auf den gleichen Hocker wie letztens, ließ seine Blicke über die Gäste huschen. Fast alles waren es die Gesichter, die es sicher jede Nacht hier zu bewundern gab.
Erst als Lauris Stimme durch das Mikro zu ihm drang, erwachte er aus seinen Gedanken.
„Dieses Lied habe ich für eine Person geschrieben, die einfach so in mein Leben gestolpert ist.“
Verwundert schoss Akis Augenbraue in die Höhe, er war froh hier im diffusen Halbschatten zu sitzen. So war sich jeder der anderen Männer sicher, dass genau er gemeint war.
Nur Aki ahnte was Lauri damit bezwecken wollte. Ihn ködern, um den Finger wickeln, wie eine Spinne ihre Beute in einen Kokon sperrte.
Ein Mensch mit zwei Gesichtern und er war sich nicht sicher, welches nun wirklich Lauris war. Hoffte er, der Mann aus dem Supermarkt war Lauri, dann sah er wieder das, was sich auf der Bühne abspielte. Lauri, mit offenen Hemd, schweißig glänzender Haut und schwarz geschminkten Augen hauchte mit samtener Stimme eine Ballade ins Mikro.
Es war genauso grotesk, als wenn man versuchte sich Kitty in Anzug und Krawatte vorzustellen.
Aus den Augenwinkeln bekam Aki mit, dass auch er Barkeeper mehrfach versuchte ihm ein Gespräch aufzudrängen, doch ihm war nicht nach dummem Geschwätz zumute.
Missmutig nippte er am Bier, selbst das schmeckte ihm nicht. Gerade begann er immer mehr zu bereuen, dass er hierher gekommen war. Es stimmte, er war Lauri verfallen und nun nagte sein Gewissen an ihm. Denn der Verlierer würde er sein, wenn er ihm zuviel wurde dann könnte er Aki fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.
Beifall, immer wieder. Lauri genoss ihn, die Augen glühten geradezu, ein unergründliches Lächeln zierte die vollen Lippen.
Frustriert warf Aki irgendwann einige Münzen auf den Tisch, spürte wie sich ein bestimmtes Augenpaar in seinen Rücken bohrte, bevor er den Club verließ. Hart traf ihn der kalte Regen im Gesicht, wie feine Nadelstiche auf der Haut.
In seinem Hinterkopf keimte die Idee zu Kitty zu gehen und ihm seinen Kummer zu klagen, doch damit musste er selbst fertig werden.
Frierend lief er los, wollte sich in irgendeiner dunklen Kaschemme noch einige Drinks gönnen, vielleicht würden sie das Bild von Lauri aus seinem Kopf vertreiben.
Drei Straßen weiter fand er eine Spelunke die verkommen und anonym genug war. An der Bar bestellte er sich gleich doppelten Wodka. Schon nach dem ersten Glas jappste er einen Moment nach Luft, spürte wie der Alkohol durch seine Speiseröhre rann. Doch das warme, kribbelnde Gefühl in seinem Magen brachte die trügerische Ruhe.
„Warum bist du abgehauen?“, fragte eine raue Stimme dicht neben ihm.
Klirrend kippte das Glas um, ein wenig Alkohol verteilte sich auf dem Tresen. Fluchend drehte Aki den Kopf, blicke genau in zwei tiefgrüne Augen.
„Warum nicht?“, knurrte Aki.
Lauri strich sich durch die vom Schweiß feuchten Haare, kramte aus einer Tasche einen Haargummi hervor und fasste sie in einen kleinen Zopf. Wieder stellte Aki fest, wie fasziniert er ihm dabei zusah, diese einfachen Gesten aus denen immer eine gewisse Erotik sprach.
„Wie hat dir das Lied gefallen?“
„Hm, war ganz nett.“
Zwei Augenbrauen schossen nach oben „Nett? Hast du eigentlich auf den Text gehört?“
„Nun hör mir mal zu.“, Aki rutschte vom Barhocker, baute sich vor Lauri auf, „ich habe kein Bock auf ein Spiel. Du kannst meinetwegen diese Bankfutzis und diese fetten, schmierigen Typen anmachen. Aber ich will mich nicht in einigen Tagen auf der Liste der aufgebrauchten Typen wieder finden. Klar?“
„Aber…..aber….“, stammelte Lauri mit entsetzten, großen Augen.
„Vergiss es, denk erstmal nach was du hier spielst.“, fauchte Aki aufgebracht und riss die Jacke vom Hocker.

~*~*~

Mit vor Wut schmerzendem Magen war Aki aus dem Club gestürmt, draußen hätte er beinah noch einen der Türsteher umgerannt, der ihm einige Beschimpfungen nachbrüllte.
In ihm tobte es, er wusste schon gar nicht mehr ob er auf Lauri und dessen Art oder auf sich sauer war. Ja er war auch auf sich selbst sauer, dass er das Spiel bis hierher mit sich hatte spielen lassen. Wäre er nach der Begegnung im Supermarkt nicht wieder in den Club gegangen, dann wäre es nun nicht so weit gekommen.
Regen peitschte in sein Gesicht, ließen die Augen zusätzlich tränen. Einen Moment meinte er, hinter sich jemanden seinen Namen rufen zu hören, aber er rannte nur noch schneller.
Leise schimpfte er auf sich selbst, interessierte sich nicht dafür, dass ihn die wenigen Leute auf der Straße seltsam ansahen.
Seine Gefühle fochten einen Kampf in seinem Inneren und keines gewann die Überhand.
„Warum musste ich dich treffen?“, murmelte er, starrte in die Nacht.
Immer wieder wischte er sich die Nase am Jackenärmel ab, schniefte leise. Irgendwo war er in eine falsche Straße geraten, nun irrte er herum, auf der Suche nach einer Straße die er kannte.
Neben seiner Wut mischte sich nun noch Unruhe dazu. Es war dunkel, kalt, er war nass bis auf die Unterhose, außerdem sehnte er sich nach seinem Bett, in welches er sich verkriechen konnte.
Endlich fand er eine Straße, die er schon einmal gesehen hatte. Von hier aus konnte es nicht mehr weit sein, er seufzte erleichtert, schüttelte sich einen Moment.
Er hoffte sich durch diese Aktion keine Grippe eingefangen zu haben, das war das Letzte was er nun noch brauchte.
Irgendwo in seinem Kopf schoss ein Moment der Gedanke hervor, ob ihm Lauri wirklich gefolgt war. Aber das konnte er sich nicht vorstellen, er war es doch nicht wert, dass ihm der Sänger nachrannte, wie ein Hund seinem Herren.
Mehr stolpernd als gehend erreichte er schließlich die vertraute Haustür, tappte mit quietschenden Schuhen die Treppe herauf, überall hinterließ er kleine Wasserlachen.
Erst als er in seiner Wohnung stand fühlte er sich wirklich geborgen. Die eigenen vier Wände die soviel Behaglichkeit ausströmten.
Das Bad war nur erhellt durch die Straßenlaternen vor der Tür, im diffusen Dunkel sah sich Aki im Spiegel an. Das Haar lag nass am Kopf, überall rannen Wassertropfen über seine Haut und die Kleidung. Vorsichtig entkleidete er sich, wand alles in der Wanne aus. Mit einem großen Handtuch wickelte er sich ein, schlich ins Schlafzimmer. Ein heftiges Niesen ließ ihn zusammenzucken.
„Mist, verfluchter.“, schimpfte er leise, knipste die kleine Lampe auf dem Nachtschrank an. Während die Nase anfing zu tropfen, wühlte er nach Papiertaschentüchern und den Schnupfenkapseln, die er schon früher von seiner Mutter immer bekam.
Sich laut und ausgedehnt schnäuzend ließ er das Handtuch fallen, suchte mit der freien Hand nach einer langen Stoffhose und einem Shirt. Wenn er krank wurde, dann wollte er nie nur in Boxern schlafen, da war er eine zu große Frostbeule.
Nun war seine Laune auf dem absoluten Tiefpunkt, er fühlte sich schlapp und fertig. Zusammengerollt lag er unter der Decke, starrte in die nun wieder herrschende Dunkelheit. Er genoss es, diese Stille, diese Schwärze in der er starren konnte. Langsam fielen ihm die Augen zu.

~*~*~

Wie Aki es vorausgesehen hatte, lag er die nächsten zwei Tage mit einer Erkältung im Bett. Selbst zum Nachdenken darüber, was wohl Lauri gerade tat, hatte er keine Kraft.
Die meiste Zeit schlief er oder saß vor dem Fernseher. Langsam, mit viel Tee, Aspirin und Tütensuppe schaffte er es wieder auf die Beine zu kommen.
Immer noch schwach, dick verpackt mit Schal und Basecap schlich er am dritten Tag ein Stück um den Block. Liegen konnte er nicht mehr und außerdem war ihm die Luft zu dick geworden. Zufrieden blinzelte er in die von Schleierwolken verdeckte Sonne, atmete tief den Duft vom Herbst in seine Lungen.
Er hatte vor, gleich noch einkaufen zu gehen, für die nächsten Monate konnte er keine Suppe mehr ersehen.
Mit einem Taschentuch kämpfend und den Wagen mit dem Bauch vor sich her schubsend, betrat er den Markt, schnäuzte sich kräftig.
„Du bist krank geworden?“
Fast hätte Aki vor Schreck geschrieen, als eine vertraute Stimme hinter ihm ertönte.
„Spinnst du?“, fauchte er Lauri an, drehte ihm wieder den Rücken zu.
„Aki, warte. Bitte.“, die Stimme war leise, klang flehend, „es tut mir leid. Ich weiß, dass du ein völlig falsches Bild von mir hast.“
Seufzend drehte er sich wieder um, schniefte „OK, was willst du?“
„Ich will, dass du merkst, dass ich mehr bin, als ein Sänger in so einem billigen Nachtclub. Damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt, weil ich sonst auf der Straße sitzen würde. Und ich ahnte doch damals nicht, wie gut es ankäme.“
„Sex sells.“, murrte Aki, fixierte den Sänger mit seinen Augen. Lauri wurde immer kleiner unter den strengen Blicken, begann sogar mit dem Fuß auf dem Boden zu scharren.
„Wie kommst du darauf, dass ich mit den Typen ins Bett gehe?“
„Schau dich doch mal auf der Bühne an. Dein Aussehen schreit förmlich danach, dass sie dich anfallen.“
Lauri Hände ballten sich zu Fäusten, er schnaubte wütend „Wie oft soll ich es noch sagen? Würde ich im Jutesack auftreten würde ich kein Geld verdienen.“
„Und was ist mit richtiger Arbeit?“, Akis Stimme klang bissiger als beabsichtig.
„Aha, und du? Was machst du? Ich habe nie mitbekommen, dass du arbeiten gehst.“
Kurz stutzte Aki „Was meinst du mit, nie mitbekommen?“
Ertappt zuckte Lauri zusammen „Ich….du….ähm…“
„Spionierst du mir nach? Oder vielleicht deine Leibgarde? Was soll das werden? Stalking, weil ich nicht in dein Bett steige?“, langsam wurde Akis Stimme bedrohlich leise.
„Nein, Aki, hör bitte auf. So hab ich das nicht gemeint. Es geht mir doch nicht darum dich ins Bett zu bekommen, wirklich.“, verzweifelt trippelte Lauri von einem Bein auf das andere, hektische rote Flecken hatte sich auf seinem Gesicht gebildet.
„Ich will nichts mehr hören.“, sich den Kopf haltend taumelte er, hielt sich am Wagen fest. Dann drehte er sich langsam um und ließ Lauri allein zwischen den Regalen zurück. Es war ihm zuviel, viel zu viel.

~*~*~

Vorsichtig lugte Aki zwischen den Gardinen hindurch runter auf den Fußweg. Seit er wusste, dass Lauri ihn beobachtete, kam er sich verfolgt vor. Wie in einem Film versetzt wo der liebeshungrige Wahnsinnige alles über einen herausfand. Ob Lauri bereits seinen Müll durchwühlte?
Mit der flachen Hand schlug er sich gegen die Stirn. Langsam nahm es groteske Züge an. Er ging kaum noch aus der Wohnung, weil er nicht wusste wie er reagieren sollte, wenn ihm Lauri gegenüber stehen würde.
Gelangweilt schlenderte er durch die Wohnung, sah zu wie die Herbstsonne warme Kringel auf das Parkett malte.
„Verdammt.“, fluchte Aki plötzlich, trat gegen den Sitzsack in der Ecke, bevor er ins Schlafzimmer ging. Nur weil er langsam selbst paranoid wurde, weil er dachte Lauri lauerte auf ihn, musste er sich nicht selbst einsperren. Ein Spaziergang im Park war genau das richtige um sich abzulenken, außerdem gab es dort hunderte Wege um Lauri auszuweichen.
Geblendet kniff Aki die Augen zusammen, als er vor die Tür trat. Trotz der bereits kühlen Nächte hatte die Sonne noch etwas Kraft.
Kurz huschten seine Augen umher, doch er konnte Lauri nirgends entdecken. Ob er ihn auch wirklich beobachtete? Oder war das alles eine fadenscheinige Ausrede gewesen?
Seufzend überquerte er die Straße und schlug den Weg zum Park ein. Es war erschreckend wie sehr dieser eine Abend sein Leben verändert hatte. Auf der Suche nach Ablenkung gewesen und das Chaos hinauf beschworen.
Im Park war viel los, Jogger teilten sich die Wege mit Radfahrern und auf einer der Wiesen hetzten alle möglichen Hunde herum.
Er hingegen wählte einen der ruhigen Wege, die an zwei Teichen entlang führten. Die Sonne schien noch sehr warm vom Himmel, die gelben und roten Blätter segelten hier und da zur Erde, ganz zur Freude einer Gruppe kleiner Kinder.
Eine Weile schlenderte von einem Weg zum nächsten, blieb bei einem Teich oder an einer Skulptur stehen.
Gerade betrachtete er sich eine eigenartige Säulenkreation, als eine Melodie ihn aufhorchen ließ. Sanfte Gitarrenklänge mischten sich mit einer viel zu bekannten Stimme.
Neugierig lugte er zwischen den Öffnungen der Stelen hindurch, ging einige Schritte auf eine Bank zu, die gleich hinter dem Monument stand.
Wie die Stimme bereits verraten hatte, saß dort Lauri, seine Gitarre auf den Beinen und ein kleines Buch daneben. Doch er war nicht allein, neben ihm saß ein junger, gut aussehender Mann, der ihm gespannt zuhörte, gelegentlich nickte.
Als Lauris Kopf leicht ruckte und seine Augen in Akis Richtung huschten, wich dieser zurück, um die Szene aus dem Hintergrund zu beobachten. Er war sich nicht sicher, ob Lauri ihn wirklich erkannt hatte oder nur einen Schemen im Blickwinkel.
Interessiert beobachte er die beiden Männer. Lauri legte die Gitarre beiseite sprach auf den Mann ein. Aki ärgerte es, dass er nichts verstand, die Entfernung war zu groß dafür.
Das Gegenüber des Sängers lachte, nickte dann und kritzelte etwas in den Block, was Lauri zufrieden grinsen ließ.
Fasziniert beobachtete Aki die Bewegungen von Lauri, das Herumfuchteln mit den Händen, die klaren blitzenden Augen. Ihm wurde immer mehr bewusst, wie oft er in den letzten Tagen an ihn gedacht hatte, sich gewünscht hatte der Sänger würde ganz allein nur ihn beachten.
Steckte hinter der ganzen Art von Lauri, seinem Gehabe, dem Ruchlosen und Unnahbaren vielleicht mehr? War es eine Art Schutz vor all den aufdringlichen Kerlen?
Wieder erklang die sanfte Melodie, die Aki schon tief in seinem Kopf verankert hatte. Versonnen starrte er auf Lauris rote Lippen, die stumm einige Worte formten.
Gerade als er beschloss näher zu gehen, legte dieser erneut die Gitarre beiseite, lachte hell und fiel dem jungen Mann gegenüber heftig um den Hals.
Ein Stich zuckte durch Akis Inneres, er biss sich auf die Lippe, wendete sich gekränkt ab. Von einer Sekunde auf die andere war sein neues Bild von Lauri wieder in Scherben zerfallen.
Was sollte er schon von Aki wollen? Es gab hundert andere die besser waren als er.

~*~*~

Zusammengesunken hockte Aki in seinem großen Korbsessel, starrte nach draußen wo einer der ersten Herbststürme tobte. In der Hand hielt er eine langsam lauwarm werdende Schale Milchkaffee. Seit dem Tag, als er Lauri im Park gesehen hatte, war nun über eine Woche vergangen und er hatte sich oft zu Hause verkrochen.
Seine Freunde hatten ihn angerufen, versucht dazu zu bringen für ein paar neue Bands zu drummen. Vielleicht später, jetzt aber hatte er das Bedürfnis Wunden zu lecken.
Laut heulte der Wind um die Hausecke, preschte den Regen an die Scheiben. Die Straßen waren leer, keiner der nicht musste, verließ heute seine vier Wände.
Das schrille Läuten an der Tür ließ ihn zusammenzucken. Wer wollte um diese Uhrzeit etwas von ihm? Ob sein Nachbar da war, aber den Schlüssel nicht fand? Missmutig erhob er sich aus dem Sessel, zog im Gehen die viel zu große Hose etwas nach oben.
Als es auch noch pochte, rief er sauer „Ja, ich komm ja schon.“
Mit einem frechen Spruch wollte er die Türe öffnen, doch mitten in der Bewegung hielt er inne. Dort stand nicht sein Nachbar.
Vor ihm auf dem Abtreter stand ein kleines, schwarzes, völlig durchnässtes Etwas, am ganzen Leib zitternd.
„Was willst du denn hier?“, betonte er langsam.
„Lässt…..lässt du mich bitte rein? Mir ist so kalt.“, stotterte Lauri, seine Zähne schlugen aufeinander.
„Ich wüsste nicht warum. Warum gehst du nicht zu deinem Freund?“, Akis Stimme war schneidend.
Mit dem nassen Ärmel wischte sich Lauri über die Nase „Aki, bitte. Ich stand seit zwei Stunden vor deiner Tür bevor irgendwer mal raus kam.“
„Und?“, fauchte Aki wollte die Tür zuschlagen.
Doch Lauri war schneller, er stellte seinen Fuß dazwischen, gab Aki einen Stoß vor die Brust, so dass dieser zurücktaumelte.
„Jetzt hör mir mal zu. Ich stand in diesem Unwetter, nur weil ich mit dir reden wollte. Ich lass mich jetzt nicht rausschmeißen.“, die grünen Augen funkelten gefährlich.
„Es hat dich keiner drum gebeten das zu machen.“, brüllte nun Aki.
Kurz zuckte Lauri unter der Lautstärke zusammen, wischte sich wieder über die Nase „Willst du es nicht begreifen oder kannst du es nicht?“
„Was?“, knurrte Aki, spürte die Wand im Rücken.
„Dass du für mich mehr bist als diese fetten Schlipsträger, die eh nur Sex wollen. Verdammt Aki, denkst du ich würde diesen ganzen Mist aus reinem Spaß an der Freude machen? Mich Stunden vor deinem Haus rum treiben, nur um von dir einen wütenden Blick zu bekommen? Ich weiß, dass du gestern im Park warst, doch als ich dir nachlaufen wollte warst du wieder weg.“
„Und der Kerl? Wie viele Lover hast du?“
Aus Lauris Kehle kam ein Laut zwischen entnervten Stöhnen und Fauchen „Stell dich nicht dümmer als du bist. Hast du keine guten Freunde, die du einfach mal umarmst?“
Getroffen biss sich Aki auf die Lippe „Ich bin kein Typ, der so was gern macht.“
Plötzlich geisterte warmer Atem über seinen Hals, Lauris Stimme war ganz nah „Das lässt sich ändern.“
Kleine Zähne knabberten an Akis Kehle, entlockten ihm ein überraschtes Keuchen „Was tust du da?““
„Dir etwas beweisen.“, murmelte Lauri und schob ihn rückwärts durch die offenen Tür, wo er bereits das Bett sah.

~*~*~

Mit einem dumpfen Aufschlag landete Aki haltlos auf dem Bett, links und rechts flogen kleine und große Kissen auf den Boden.
Erschrocken zuckte er zusammen, als sich eiskalte Hände über seine Arme schlichen, auf den Schultern liegen blieben.
„Du bist ganz nass.“, murmelte Aki, spürte ein paar Tropfen die auf seinem Shirt zerplatzten.
Lauris Gesicht tauchte über ihm auf, ein unergründliches Lächeln zierte die leicht blauen Lippen „Das lässt sich ändern.“
Ein Schauer ließ Aki beben, er senkte die Lider ein Stück über die Augen. Woher sein plötzliches Vertrauen kam wusste er nicht. Vielleicht war es, weil Lauris Wutausbruch so ehrlich war oder er einfach erkannte, dass er Lauri begehrte.
Wieder wanderten kühle Finger über seine erhitzte Haut, reizten sie an den empfindlichen Seiten, kitzelten spielerisch an den Armbeugen. Trotzdem konnte er auch die Unsicherheit spüren, der hektische Atmen, was den Raum erfüllte.
Mühsam öffnete er seine Augen, erwiderte Lauris zärtlichen Blick bevor seine Hände unter dem klitschnassen Pullover verschwanden.
Fast hätte er schmunzeln müssen als ein kleiner, süßer Laut Lauris Kehle entfloh, dieser sich mit seinem ganzen Körper an Aki presste. Dumpf klatsche der Pullover auf das Parkett, mit seinen warmen Händen strich Aki über die kalte Haut am Rücken, versuchte Lauri etwas von seiner Wärme abzugeben.
Mit sanfter Gewalt drehte er ihn schließlich um, so dass er sich nun über Lauri beugte und eingehend das Gesicht auf dem bunten Kopfkissen studieren konnte.
„Was hast du?“, flüsterten bläuliche Lippen, aus denen zittriger Atem entwich.
„Nichts, du bist wunderschön.“, murmelte Aki, konnte den kleinen Hauch von Schamesröte auf Lauris Wangen erkennen.
Von einem unbestimmten Hunger erfasst, senkte er seine Lippen an den, nach Regen und Herbst duftenden Hals, leckte einige letzte Wassertropfen auf.
Wie sehr hatte er es vermisst Pulsschlag unter seinen Lippen zu fühlen, das Heben und Senken eines anderen Körpers in Erwartung auf liebevolle Qual.
Vorsichtig, als wenn Lauris Körper aus feinstem Porzellan bestehen würde, glitten seine Lippen vom Hals hinab zu den Schlüsselbeinen, verweilten dort um sie eingehend zu erkunden.
Er genoss es mit allen Sinnen die weiche Haut zu erkunden, die kleinen Kuhlen unter den Schultern, die feinen Haare auf dem Bauch, die seine Hand leicht kitzelten.
Dass aber Lauri immer mehr begann zu zappeln, sich auf dem Laken wand und immer wieder keuchende Geräusche aus seinem Mund drangen, machte Aki dieses Spiel noch angenehmer.
Ein Zucken, wie von einem elektrischen Schlag ging durch Lauri, als er seine Zunge um dessen Brustwarze gleiten ließ. Vorsichtig nahm er sie zwischen die Zähne, knabberte und saugte an ihr, bis sie sich ihm entgegenreckte.
Ungehemmtes Stöhnen wurde von den Wänden zurückgeworfen, Lauri hatte seine Augen geschlossen, die Rücken leicht durchgedrückt. Schweiß sammelte sich am Hals, zog feine Schlieren über die cremefarbende Haut.
Mit gespitzten Lippen tupfte Aki kleine Küsse am Brustbein herab, folgte den feinen Härchen die sind alle um den kleinen Nabel sammelten. Frech schob er seine Nase entgegen einem Wirbel, ein Geräusch zwischen Quietschen und Lachen kam von Lauri. Reflexartig legte er die Arme über den Bauch „Nicht kitzeln.“, murmelte er, sah zu Aki hinunter. Die Augen waren vor Lust verschleiert, eine noch immer nasse, schwarze Haarsträhne klebte auf der Stirn.
Stumm nickte Aki, schob Lauris Hände beiseite und senkte seine Lippen wieder zu dessen Nabel, um ihm mit kleinen Küssen und Bissen zu reizen. Ungeachtet von seiner eigenen Nervosität strich eine Hand über Lauris Hosenbein, glitt immer wieder zur Innenseite um schließlich kurz neben der harten Wölbung in der nassen Hose zu stoppen. Mit kleinen kreisenden Bewegungen stimulierte er die Erregung, bis Lauri sich stöhnend unter ihm bewegte, sein Becken immer mehr Aki entgegenpresste.
Doch dieser war nicht gewillt dieses Spiel vorzeitig zu beenden. Er ließ wieder ab, robbte ein Stück nach oben und wartet das Lauri wieder etwas entspannter atmete.
„Küss mich.“, raunte er dunkel, konnte das erregte Keuchen an seinen Lippen spüren.

~*~*~

Gierig fingen sich ihre Zungen, bissen sie sich gegenseitig ihre Lippen wund. Aki hatte sich mit seinem ganzen Körper auf Lauri niedergelassen, genoss es, den schlanken Körper unter sich zu spüren, die nackte Brust an seiner eigenen.
Schmale Hände wanderten über seinen bloßen Rücken, massierten die Wirbelsäule, bevor sie frech unter den Hosenbund schlüpften.
Er konnte Lauris Grinsen an seinen Lippen spüren, als zwei Finger den Ansatz des Pos kraulten. Aki hob etwas das Becken, erleichterte es Lauri damit, die Hose gleichzeitig mit den Shorts über die runden Pobacken nach unten weg zu schieben.
Als aber ein Finger an der Ritze entlangfuhr, biss Aki ihm in den Hals „He, nicht frech werden.“
Kichernd räkelte sich Lauri unter ihm, presste sein noch verhülltes Becken fester an Akis.
Mit einigen Bewegungen hatte dieser seine Hose und die Shorts abgestrampelt, kniete nun völlig nackt über Lauri.
Lüsterne Blick streiften seinen Körper, gaben bereits an dem gierigen Aufleuchten in den grünen Augen deutlich zu erkennen, welche Bilder sich in Lauris Kopf abspielten.
Als Aki mit einer Hand begann die Knöpfe an der Hose zu öffnen, schlich sich auch Lauris Hand dazu, unterstützte ihn die Kleidung schneller loszuwerden.
Es dauerte nur wenige Sekunden, doch Aki war es, als wenn er Stunden warten musste, bis er ebenfalls Lauris entblößten Körper in Augenschein nehmen konnte.
Die feinen Härchen verloren sich am Unterbauch, wurden weniger bis sie gänzlich glatter, weißer Haut wichen.
„Alles ok?“, unterbrach Lauri die Stille, weil Aki noch immer fasziniert seinen Körper betrachtete.
„Ja, du bist nur so….perfekt.“, ehrfürchtig strichen seine Fingerkuppen über den Beckenknochen, was Lauri kurz zusammenzucken ließ.
„Nein, ich bin erst perfekt durch dich.“, flüsterte Lauri, legte eine Hand in Akis Nacken um ihn zu sich herunterzuziehen.
Rau stöhnten sie in den Kuss, wie sich ihre nackten Körper berührten, die Wärme des anderen ihre Synapsen zum explodieren brachten.
Seufzend vergrub Aki sein Gesicht an Lauris Halsbeuge, atmete heiß gegen die weiche Haut. Dessen Hand strich über seine Haare, den Nacken, verfolgten erneut den Weg der Wirbelsäule. Zittrig stöhnte er auf, als sich eben diese Hand zu seinem Po verirrte, diesen umkreiste, knetete, fester gegen das Becken unter ihm presste.
Leicht begann er sich an der Erregung zu reiben, entlockte Lauri einen heißeren Schrei, spürte wie sich dieser verkrampfte.
„Aki.“, bettelndes Flehen, vermischt mit der Sehnsucht nach Erlösung.
Er nickte, richtete sich weder auf und streichelte mit der Hand über den Oberkörper. Klein, wie Erbsen zeichneten sich die Brustwarzen von ihrem dunklen Hof ab. Schweiß verlor sich in gekräuselten Brusthaaren und beinah gierig reckte sich Lauris Erregung der forschenden Hand von Aki entgegen. Er wollte ihm nicht wehtun, wand sich einen Moment ab und kramte im letzten Schubfach des Nachtschränkchens nach einer lange nicht mehr benutzen Tube Gleitgeil.
Fast machte Lauri einen Satz beiseite, wie sich Akis Gel verschmierter Finger kurz darauf seinen Weg zwischen die Pobacken suchte, sanft den Eingang stimulierte.
„Mach die Augen auf.“, bat Aki ihn leise, er wollte sehen wie Lauri aussah, wenn er kam, wollte den Anblick in höchster Erregung in sich einsaugen.
Zitternd und keuchend drängte er sich zwischen Lauris Schenkel, stupste gegen die Öffnung bevor er sie sanft durchstieß.
Hechelnd presste es Lauri die Luft aus den Lungen, verspannte er sich einen Moment völlig, bevor er seufzend in die Laken zurücksank.
Schwindelnd spürte Aki heiße, alles einnehmende Enge um sich, genoss es sich daraus zu entfernen, bevor er noch tiefere Gefilde erkundete.
Leise Schreie zeigten ihm, dass er den Punkt in Lauri gefunden hatte, welcher diesem Gefühle jenseits jeder Erzählungen verschaffte.
Sanft rieb er sein Becken an Lauri Erregung, spürte das Pulsieren an seiner Bauchdecke.
Wortfetzen drangen aus Lauris Mund, lose Bruchstücke ohne Zusammenhang, dazwischen kleine Schweinerei und Liebesbekundungen.
Lächelnd beugte sich Aki zu dessen Ohr hinab, leckte über die Muschel „Ich will das die ganze Nacht machen, immer und immer wieder.“
Abgehackt stammelte Lauri Zustimmungen, verkrampfte seinen Körper und vergrub seine Nägel tief in Akis Po, als dieser zweimal hart zustieß.
Auch Aki spürte wie sich alles um ihn verengte, wie seine Bauchdecke nass wurde, bevor er sich mit einem erlösenden Stöhnen in Lauri verströmte.
Schweißgebadet sank er auf den Körper unter sich, konnte überall klebrige Flüssigkeiten spüren.
Selig grinsten sie sich an, genossen die kleinen Zuckungen die noch durch ihre Becken tanzten, bevor sie sich dicht zusammenkuschelten.
Die Nacht war jung und beiden hatten den Wunsch einander viel mehr zu erkunden, zu spüren und zu schmecken.

~*~*~

Mühsam öffnete Aki seine Augen, rieb sich mit den Fingerknöcheln den Schlafsand heraus und gähnte kräftig. Irgendetwas hatte ihn geweckt, aber er hatte das Geräusch schon vergessen, ehe er es erfasst hatte.
Doch dann kamen die Erinnerungen an letzte Nacht über ihn, die wundervollen Stunden voller Leidenschaft, die er mit Lauri verbracht hatte. Genüsslich drehte er sich auf den Bauch, gähnte erneut und reckte sich ausgiebig.
Überrascht stellte er aber fest, dass der Platz neben ihm leer war. Keine Spur von Lauri oder dessen Kleidung.
Eine Welle von Enttäuschung überflutete ihn, er kugelte sich zusammen, atmete tief ein und aus. Das bildete er sich bestimmt nur ein, vielleicht war Lauri nur mal eben weg und käme wieder.
Ein Scheppern ließ ihn auffahren, verwirrt sah er die geschlossene Schlafzimmertür an und erhob sich schwerfällig aus dem Bett.
Suchend sah er sich um, konnte seiner Boxer nicht finden, nur einen Bademantel in den er rasch schlüpfte. Warum war dieser nass und duftete nach seinem teuren Duschbad?
Mit klopfendem Herzen drückte er die Klinke herunter, spähte in den Gang, doch er sah nichts. Dafür begann ein köstlicher Duft seine Nase zu kitzeln. Kaffee, frische Brötchen und irgendetwas Süßes, was er nicht einordnen konnte.
Das Kribbeln in seinem Magen, die kleinen Stromstöße auf seiner Haut mussten doch bald die Stehlampe auf dem Abstelltisch zum explodieren bringen.
Unsicher sah er um die Ecke, hinein ein die Küche. Und was er sah ließ sein Herz einen großen Hüpfer machen.
Dort, über eine Pfanne auf dem Herd gebeugt stand Lauri. Die große Schürze umgebunden, die Haare hingen noch feucht ins Gesicht. Sicher war er durch den Regen gelaufen, denn auf dem Tisch stand ein Korb mit duftenden Brötchen.
Scheinbar spürte Lauri, das er angestarrt wurde, denn er blickt auf, lächelte und schob die Pfanne von der rot glühenden Fläche.
„Guten Morgen.“, auf der Lippe kauend ging er näher auf Aki zu, „ich…ich hab mir erlaubt zu duschen und ich dachte ich hol frische Brötchen und Orangensaft hab ich auch, ach ja und der Kaffee ist gleich fertig und die Pfannkuchen auch.“, hektisch flirrten Lauris Blicke an Aki vorbei, suchten einen Punkt zum festhalten.
Bestimmt legte Aki seine Hände auf die hochroten Wangen „Hol doch mal Luft.“
„Ich….ich bin heute morgen aufgewacht. Und da lagst du und ich hab mir gewünscht, das es jeden Morgen so sein konnte.“, mit jedem Wort wurde Lauri leiser, starrte angestrengt auf den Türrahmen hinter Aki.
Wärme flutete durch seinen Bauch, er streichelte durch das schwarze Haar „Warum nicht?“
Verblüfft fanden grüne Augen die grauen „Du…du meinst?“
„Ich möchte nicht, dass du weiter nur in Clubs herumlungern musst. Du bist talentiert, aus deiner Stimme könnten wir was machen. Ich kenne einige Leute die einen Sänger suchen.“
Mit glänzenden Augen strahlte Lauri ihn an, fiel Aki heftig um den Hals „Ich möchte dich nie wieder loslassen.“
Lachend streichelte er den bebenden Rücken „Naja aber ich würde gern von deinem wundervollen Frühstück kosten. Außer….“
Quiekend strampelte Lauri, wie Aki ihn hochhob und sich mit ihm auf dem Schoß wieder setzte.
„Könntest du das jeden Morgen machen?“, mit den Fingern füttert Aki ihn.
Lachend umarmte Lauri ihn „Nur wenn wir das von letzter Nacht wiederholen.“

~Ende~

01.07.2006 – 10.09.2006



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung